Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Priener Schulrektor Marcus Hübl im Gespräch

„Die neuen Kollegen werden ins kalte Wasser geworfen“

„Die Situation wird sich in Zukunft nicht verbessern“ – der Rektor der Franziska-Hager-Mittelschule, Marcus Hübl, findet im Interview klare Worte zum aktuellen Lehrermangel.
+
„Die Situation wird sich in Zukunft nicht verbessern“ – der Rektor der Franziska-Hager-Mittelschule, Marcus Hübl, findet im Interview klare Worte zum aktuellen Lehrermangel.
  • VonOliver Lang
    schließen

Der aktuelle Lehrermangel ist auch an der Franziska-Hager-Mittelschule aus Prien spürbar. Dort behilft man sich wie vielerorts mit Lehrkräften, die den Lehrerberuf nicht erlernt haben. Probleme sind dabei fast vorprogrammiert.

Prien - Die Franziska-Hager-Mittelschule ist eine moderne, offene Schule. Neben einer zeitgemäßen technischen und digitalen Ausstattung können die Schüler nachmittags in Arbeitsgemeinschaften golfen, Tennis spielen oder auch segeln. In der Aula stehen vier Kickertische, und hinter dem Gebäude ist ein Mountainbike-Rundkurs in Betrieb. Im Gebäude stehen für die Ganztagesklassen Wohlfühlorte wie ein Chilling-Raum bereit.

Wie sich das Kollegium für jeden einzelnen der 432 Schüler – bis hin zur Suche nach Lehrstellen – einsetzt, macht Rektor Marcus Hübl im Interview deutlich.

Wollen die Schüler bei all den Angeboten in der Franziska-Hager-Schule überhaupt ins reale Leben entlassen werden?

Marcus Hübl: Doch, doch, doch ... (lacht). Schule ist Schule, und die Zeit danach ist verlockend.

In Ihrer Rede zum Abschlussball des jüngsten Jahrgangs haben Sie die Bedeutung von Träumen betont. Wovon träumen Sie als Rektor?

Hübl: Das ist jetzt eine schwierige Frage. Oder eigentlich ist es eine leichte Frage, die mich aber in eine gewisse Verlegenheit bringt. Die Bedingungen an der Mittelschule werden immer schwieriger. Das hat jetzt weniger mit Corona zu tun oder mit der Aufnahme ukrainischer Flüchtlingskinder, sondern vor allem mit der Versorgung mit Lehrer- und Verwaltungsstunden. Diese Situation wird sich auch in Zukunft nicht verbessern. Eher im Gegenteil.

Sie leiden also auch unter Lehrermangel?

Hübl: Ja, der Großteil des Pflichtunterrichts konnte zwar noch abgedeckt werden, einige Fächer – wie zum Beispiel Musik – mussten aber gekürzt werden. AGs oder Wahlfächer konnten nicht mehr angeboten werden. Viele mobile Reserven, die für Krankheitsvertretungen eigentlich vorgesehen waren, sind schon zu Schuljahresbeginn in festen Einsätzen verplant, weshalb ich mir große Sorgen bei der Lehrerversorgung in Krankheitsfällen mache. In anderen Bereichen schaut es heuer gut aus. Wir haben kleine Klassen. Die größte hat 23 Schüler, die kleinste, unsere flexible Trainingsklasse, hat acht Schüler. Gleichzeitig mache ich mir aber große Sorgen um die Lehrer, die in dieses System hineinkommen. Wir haben mittlerweile zwölf Lehrer, die den Lehrerberuf nicht erlernt haben und mit wenigen Vorkenntnissen und ohne ein entsprechendes Studium in den Beruf einsteigen.

Dieses Phänomen findet man an anderen Schulen aber auch ...

Hübl: Diesen Lehrern spreche ich auch nicht die Fähigkeit ab, ins System Mittelschule reinzukommen. Es geht mir eher darum, wie sie reinfinden. Mir ist es wichtig, dass diese Kollegen nicht ins kalte Wasser geschmissen werden. Denn diese Gefahr droht durchaus. Die Begleitung und Betreuung ist eine weitere, zusätzliche Aufgabe für das gesamte Kollegium und die Schulleitung. Bei der zunehmenden Anzahl an Quereinsteigern stoßen wir schön langsam aber an Grenzen! Der aktuelle Zustand wird die Schule – und unsere Schulart im Speziellen – definitiv verändern. Die Frage ist, wohin es geht.

Was kann ihrer Meinung nach passieren?

Hübl: Ohne ausreichende Begleitung und Betreuung kann es zu Folgeproblemen kommen, mit Schülern, Eltern und Kollegen, für die es berechtigte Gründe geben kann. Nicht umsonst muss eine reguläre Lehrkraft mehrere Jahre Studium und zwei Staatsexamina absolvieren, bevor sie an der Schule arbeiten kann.

Trotz aller Skepsis. Können Lehrkräfte von außerhalb des Systems auch Positives bewirken?

Hübl: Die Kollegen bringen ein anderes Wissen mit. Ich wünsche mir, dass die neuen Lehrer die Anfangszeit gut überstehen, sich weiter professionalisieren und dauerhaft in ihrem Beruf zufrieden sind.

Praktisch alle Schüler, die im letzten Schuljahr ihren Abschluss gemacht haben, sind gut untergekommen. Das macht doch Hoffnung ...

Hübl: 100 Prozent eigentlich. Das ist das schöne Ergebnis einer relativ mühseligen Arbeit. Wir fangen in der siebten Klasse mit der Berufsorientierung an und bleiben hier bis zum Schluss dran. Wir sind sehr dahinter, dass jeder eine Lehrstelle bekommt. In vielen Jahren wurde ein umfangreiches Netzwerk aus Berufsberatern, Patenprojekten und Akteuren aus unserem Mittelschulverband gestrickt. Niemand soll durch dieses Netz fallen, weshalb wir die konkreten Ergebnisse der Bewerbungen monatlich abfragen. Jeder Schüler soll unsere Schule mit einer beruflichen Perspektive verlassen. Und das tun sie auch!

Man merkt Ihnen die Leidenschaft für die Mittelschule und Ihre Schüler förmlich an ...

Hübl: Die muss man an der Mittelschule auch haben. Wir leben davon, dass viele Kollegen ihren Beruf nicht nur als Job, sondern als Berufung sehen. Was in der heutigen Personalsituation immer wichtiger wird..

Laut aktuellen Plänen der CDU soll das soziale Jahr wieder verpflichtend eingeführt werden. Ihre Meinung dazu?

Hübl: Ich persönlich würde es absolut begrüßen. Egal ob Wehrdienst oder Soziales Jahr, ich glaube tatsächlich, dass es Kinder in ihrer Entwicklung weiterbringt. Dieser gesellschaftliche Beitrag, sich um einen bestimmten Bereich zu kümmern und Verantwortung zu übernehmen, bringt jeden weiter für sein späteres Leben. Das ist kein verlorenes Jahr.

Mehr zum Thema

Kommentare