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Sogar Landtagspetition in der Mache

Die Gallier aus Prutdorf – Warum sie gegen die geplante Umfahrung klagen

Hier soll die Trasse verlaufen: Uli Fischer, Vertreter des Bauernverbands in Wildenwart, Josef Steingraber, Geschäftsführer des Bauernverbands Rosenheim, Dr. Andreas Müller, Kläger, Konrad Huber, Vertreter des Bauernverbands Prien, Rechtsanwalt Johannes Daseking und der zweite Kläger Johann Katterloher beim Ortstermin in Prutdorf.
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Hier soll die Trasse verlaufen: Uli Fischer, Vertreter des Bauernverbands in Wildenwart, Josef Steingraber, Geschäftsführer des Bauernverbands Rosenheim, Dr. Andreas Müller, Kläger, Konrad Huber, Vertreter des Bauernverbands Prien, Rechtsanwalt Johannes Daseking und der zweite Kläger Johann Katterloher beim Ortstermin in Prutdorf.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Endlich Entlastung im Dorf oder ein teurer und unsinniger Flächenverbrauch? Die geplante Umgehung vom Priener Ortsteil Prutdorf findet nicht jeder gut. Wir haben mit den Klägern und dem Bürgermeister gesprochen.

Prien – Endlich raus mit dem Durchgangsverkehr aus Prutdorf! Die Regierung von Oberbayern gab im vergangenen August grünes Licht für den Ausbau der Staatsstraße 2093 zwischen Wildenwart und Bachham. Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) will die Umgehung so schnell wie möglich bauen. Nur ist das nicht für jeden eine positive Nachricht. In Prutdorf formiert sich Widerstand, nun sogar mit einer Petition an den Bayerischen Landtag.

Derzeit verläuft die Straße mitten durch Prutdorf und weist dort zahlreiche Engstellen auf.

Initiatoren sind Dr. Andreas Müller sowie Landwirt Johann Katterloher, die schon am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gegen das Projekt klagen. Unter anderem auf deren Grundstücken soll die künftige Trasse verlaufen. Sprich: Beide müssten ihren Grund verkaufen. „Mir geht es hier nicht ums Geld, sondern um die Sinnhaftigkeit“, sagt Müller.

Der Kläger beruft sich darauf, dass im Ausbauplan für Staatsstraßen gar keine Ortsumgehung, sondern lediglich ein Ausbau des Bestandes vorgesehen sei, um die Verkehrssicherheit zu verbessern. „Warum hat die Gemeinde vorher nicht alle Möglichkeiten zum Ausbau geprüft?“, fragt sich Müller beim Ortstermin mit den OVB-Heimatzeitungen. Er meint damit Optionen wie Tempo 30, zusätzliche Geh- und Radwege oder Zebrastreifen. Stattdessen soll für die knapp 200 Einwohner Prutdorfs eine Fläche von 14.000 Quadratmetern zusätzlich versiegelt werden. Und das für mehr als 3 Millionen Euro Kosten, die zunächst von der Gemeinde getragen werden. Wobei 80 Prozent davon im Sonderbaulastverfahren erstattet werden.

Flickenteppich Richtung Frasdorf

Lediglich als Flickenlösung sieht Uli Fischer, Vertreter des Bauernverbands in Wildenwart, die geplante Umfahrung. „Aber in Bachham und Sankt Salvator spielt dann die Verkehrssicherheit keine Rolle“, wundert er sich.

Oberhalb des Prientals soll künftig die Ausbaustrecke verlaufen.

„Das Ziel der Umgehung soll ja sein, dass Durchgangs- und Zielverkehr getrennt werden“, sagt Johannes Daseking, Rechtsanwalt der beiden Kläger. Nur: Der Verkehr durch Prutdorf sei nie vernünftig und umfassend analysiert worden. Wo die Autos herkommen und wo sie hinfahren – unbekannt.

Für Johann Katterloher kommt noch ein persönlicher Aspekt dazu. Denn ihm drohe, dass er die landwirtschaftliche Privilegierung verliert, sollten durch die Umfahrung Flächen verloren gehen. Mit der Privilegierung können landwirtschaftliche Betriebe unter bestimmten Voraussetzungen eine Baugenehmigung für den Außenbereich erhalten. Katterloher wundert sich außerdem, dass der Umweltschutz keine Rolle spiele und weist auf Eisvögel im nicht weit entfernten Priental hin sowie auf Bäume, die gerodet werden müssten, damit er weiterhin Zugang zu einem Teil seiner Flächen habe.

Bund Naturschutz wehrt sich ebenfalls

„Es muss was gegen die Umfahrung unternommen werden“, findet Gerhard Märkl, Vorsitzender der Ortsgruppe Prien des Bund Naturschutz. Man sehe überall, dass Umfahrungen zur Raserei und noch stärkeren Belastung der Landschaft führen. „Dass die Bürger stocksauer über die Verkehrssituation sind, ist verständlich“, räumt er ein. Nur müsse man auch sehen, dass es eben nicht so viele Bewohner gebe. Wenn man das Prinzip auf den Landkreis Rosenheim ausweite, gebe es extrem viele Fälle kleiner Dörfer, in denen es eine Umfahrung brauche. „Eine wirkliche Verkehrsberuhigung muss in Prutdorf doch irgendwie möglich sein!“, sagt Märkl. Erst recht, wenn das Landschaftsschutzgebiet Priental direkt anschließe.

Schon 191 Personen haben die Online-Petition, die sich an den Bayerischen Landtag richten soll, unterschrieben. Unterstützt wird die Eingabe auch vom Bayerischen Bauernverband sowie vom Bund Naturschutz. Doch Befürworter der Umgehung, die auch in Prutdorf leben, werfen den Initiatoren vor, private Interessen über die Sicherheit der Grundschulkinder zu stellen. Sie kritisieren, dass der Platz für zusätzliche Fuß- oder Radwege schlichtweg fehle.

Das sagt Bürgermeister Andreas Friedrich

„Der Markt Prien steht voll hinter dem Projekt, denn nur mit der Ortsumfahrung lassen sich die unstrittigen Probleme im Ortsteil Prutdorf lösen“, sagt Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG). Er führt als Grund die sehr schmale Straße, dass es weitgehend keinen Gehweg und auch keine Ausweichflächen für Lkw, Busse oder landwirtschaftliche Fahrzeuge im Begegnungsverkehr gebe, an. Als Beleg verweist Friedrich auf einen Schulbusunfall von 2019, bei dem der Busfahrer versuchte, einem entgegenkommenden Lkw auszuweichen. Die Schüler waren unverletzt geblieben, es war lediglich ein Sachschaden entstanden.

Außerdem verweist Friedrich auf die Regierung von Oberbayern. Diese habe im Planfeststellungsverfahren die Stellungnahmen von 15 Behörden, sonstigen Trägern öffentlicher Belange und Privatpersonen mit Einwänden geprüft und soweit wie möglich berücksichtigt. Auch Aspekte wie der Naturschutz seien darin enthalten, etwa waldfachliche Kompensationsmaßnahmen, die auf einer Fläche von insgesamt rund 1,1 Hektar durchgeführt werden.

Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass es sich bei der Umfahrung um eine Mogelpackung handle. Letztlich soll mit dem Ausbau die Bernauer Straße heimlich vom Durchgangsverkehr entlastet werden – obwohl dies in der offiziellen Begründung der Ortsumfahrung so nicht stehe. „Die Gerüchte, die Ortsumfahrung Prutdorf könnte künftig als ‚Priener Umfahrung‘ zum Beispiel für den Verkehr von der Autobahn in den Ort genutzt werden, entbehren jeglicher Grundlage“, so der Bürgermeister auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Denn mit diesem Projekt werde die Engstelle an der Kirche Sankt Salvator nicht beseitigt. Ein Argument, das auch die Kritiker der Umgehung nennen. Sie fürchten, dass die Umgehungsstraße bei besserem Ausbau auch mehr Verkehr anziehe. Friedrich äußerst sich zu dieser konkreten Behauptung nicht. „Es wird in erster Linie eine deutliche Verbesserung der Verkehrsverhältnisse für die Bürger in Prutdorf angestrebt“, so seine Antwort.

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