Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Vorsitzender blickt nach zehn Jahren zurück

Der schwere Weg des Priener Vereins „Leben mit Handicap“ bis zur eigenen Wohnanlage

Haben gut lachen: Vereinsgeschäftsführerin Jaenette Gerlings und Vereinsvorsitzender Günther Bauer freuen sich, dass die Wohnanlage des Vereins „Leben mit Handicap“an der Priener Stauden-Straße gut angenommen wird.
+
Haben gut lachen: Vereinsgeschäftsführerin Jaenette Gerlings und Vereinsvorsitzender Günther Bauer freuen sich, dass die Wohnanlage des Vereins „Leben mit Handicap“an der Priener Stauden-Straße gut angenommen wird.
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
    schließen

Seit zehn Jahren fördert der Verein „Leben mit Handicap“ 30 Menschen mit Behinderungen in seiner gleichnamigen Wohnanlage an der Priener Stauden-Straße. Doch der Weg von der ersten Idee bis zur Umsetzung des Projekts war für die Gemeinschaft auch mit Hindernissen verbunden.

Prien – In diesem Jahr feiert der Priener Verein „Leben mit Handikap“ das zehnjährige Bestehen seiner gleichnamigen Wohnanlage an der Stauden-Straße. Diese betreibt er zusammen mit betroffenen Eltern seit 2012 für Menschen mit Behinderung. Vor wenigen Tagen haben die Vorstandsmitglieder entschieden, wann und wie das Jubiläum gefeiert werden soll. Der langjährige Vorsitzende des Vereins, Günther Bauer, hielt im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen einen Rückblick auf dieses Jahrzehnt.

Mit Blick aufs Zehnjährige: Wie stellt sich die aktuelle Situation des Vereins dar?

Günther Bauer: Wir haben ein Haus für 30 Menschen mit Beeinträchtigungen, die dort entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten gefördert werden. Sie leben in dem Haus nach ihren Vorstellungen, soweit es eben gemeinschaftsverträglich ist. Die Bewohner müssen wie in einer großen Familie auch Konflikte austragen und Gemeinschaft gestalten können. Das haben wir recht gut erreicht.

Von der Idee bis zum ersten Spatenstich: Wie hat sich das Projekt in dieser Zeit entwickelt?

Bauer: Ausgangspunkt war die Arbeit des Elternbeirats der Aschauer Regelschule für Kinder mit körperlichem Förderbedarf aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein. Sie liegt auf dem Areal der weltbekannten orthopädischen Kinderklinik. Ich habe in dem Gremium mitgewirkt.

Den Eltern stellte sich am Schulende immer wieder das gleiche Problem: Die Absolventen müssen das Haus verlassen und sich einen Platz in einem entsprechenden Wohnheim suchen, diejenigen mit Förderbedarf eine passende Einrichtung. Das war über Jahre wegen langer Wartelisten immer wieder problematisch. Also wurden wir aktiv: Zunächst haben wir 2006 den Verein gegründet und dann in Anlehnung an ein Wohnheimprojekt in Eglharting im Landkreis Ebersberg ein erstes Konzept entwickelt. Das Prinzip: Eltern finanzieren die Wohnanlage und erwerben sich damit ein Belegungsrecht für ihre behinderten Kinder.

Was waren die Stolpersteine für dieses Projekt, bevor die ersten Steine der Wohnanlage aufeinandergelegt werden konnten?

Bauer: Die größten Stolpersteine waren die Vorbehalte des Bezirks Oberbayern gegen unser Projekt. Die waren für uns nicht nachvollziehbar. Die Behörde hatte zunächst bestritten, dass es überhaupt Bedarf gibt. Dann gab sie nach, bestritt aber, dass der Bedarf ungedeckt sei, weil es entsprechende Einrichtungen in Schonstett und Kiefersfelden gebe. Dann hieß es, dass es tatsächlich im Landkreis Rosenheim Bedarf gebe.

Aber unser Konzept wolle der Bezirk nicht aufgreifen. Bei uns war damals der jüngste Begünstigte acht Jahre alt. Klar war, dass er in den nächsten zwölf Jahren seinen Wohnplatz nicht beanspruchen und in diesem Zeitraum eine andere Person einziehen würde, die nicht begünstigt ist. Wenn dann dieser zunächst Achtjährige später einziehen will, muss ein anderer aus dem Haus rausgekündigt werden. Das war eine absolut unmögliche Vorstellung für den Bezirk von Oberbayern.

Wie sind Sie dann letztendlich zum Ziel gekommen?

Bauer: Uns wurde deutlich, dass wir entweder aufhören oder uns etwas anderes einfallen lassen mussten. Dann haben 23 Eltern beschlossen: „Wir bauen ein Mietshaus.“ Jeder, der in diese Wohnanlage einzieht, besorgt sich selbst seinen mobilen Dienst und beauftragt ihn mit Pflege und Assistenz. So konnte die Behörde kein Veto einlegen. Der Zusammenhalt der Eltern hat uns dann den Erfolg beschert.

Was war dann der schönste Moment für Sie?

Bauer: Es gab mehrere herausragende Momente: der erste Spatenstich, die Grundsteinlegung und dann die Eröffnung am 5. Oktober 2012.

Wir haben die ersten Bewohner darauf reagiert?

Bauer: Die ersten acht Bewohner kamen jeweils mit einigen Freunden in die Wohnanlage. Dabei waren natürlich auch Assistenten, auch sie waren hellauf begeistert von der Situation. Und dann wurde die Nacht durchgefeiert unter dem Motto: „Wir sind in unserer Bude.“

Was hat der Vorstand zur Feier des Jubiläums geplant?

Bauer: Wir werden heuer am Samstag, 17. September, nachmittags von 16 bis 19 Uhr mit geladenen Gästen feiern.

Mehr zum Thema