Robert Gmeiner

Prien: Der letzte Totengräber erzählt von seiner Arbeit

Der ehemalige Totengräber Robert Gmeiner am Grab von Prinzessin Helmtrud von Bayern in Wildenwart. Ihre Beerdigung im Juni 1977 war die erste, die Robert Gmeiner verantwortlich vorbereiten musste.
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Der ehemalige Totengräber Robert Gmeiner am Grab von Prinzessin Helmtrud von Bayern in Wildenwart. Ihre Beerdigung im Juni 1977 war die erste, die Robert Gmeiner verantwortlich vorbereiten musste.

Der Beruf des Bestatters gilt heute noch als ungewöhnlich. Robert Gmeiner aus Prien erzählt, wie er den Beruf des Totengräbers in Wildenwart erlebt hat. Von Prinzessinen und Pathologen.

Prien/Wildenwart – Dreht sich bei ihm alles um das unvermeidliche Ende, ist mittlerweile auch der Beruf des Totengräbers selbst mehr oder weniger ausgestorben. Heute wird die wichtige Aufgabe, den letzten irdischen Weg eines Verstorbenen zu gestalten, mit „Friedhofswärter“ oder „Bestatter“ betitelt. Was ein traditioneller Totengräber einst zu tun hatte und was er erlebte, weiß Robert Gmeiner aus Prien-Atzing zu erzählen. Er war der letzte offizielle Totengräber in der ehemaligen, 1978 aufgelösten Gemeinde Wildenwart, und hernach noch kurze Zeit in der Marktgemeinde Prien.

Start im Jahr 1977

Gmeiner kann sich noch gut an seinen ersten Arbeitstag erinnern: „Es war der 8. Februar 1977“, als er in den Dienst bei der Gemeinde Wildenwart gestellt wurde. Bürgermeister Florian Rauch übertrug ihm neben allgemeinen Straßen- und Wege-Maßnahmen auch die Verantwortung für den Friedhof der Kirche „Christkönig“ von Wildenwart. „Die Aufgabe eines Totengräbers und Friedhofwärters übernahm ich von Toni Bohrer aus Schörging.

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Damals gehörte auch noch der Friedhof von St. Salvator zur Wildenwarter Betreuung, denn dort waren viele Gräber aus der Zeit vor dem Kirchbau in Wildenwart“. Heute wird der Gottesacker St. Salvator von der Gemeinde Prien mitbetreut.

Bestattung der Prinzessin

„Bis Ende 1978 mussten wir mit der Hand, Pickel und Schaufel die Gräber ausheben, früher machten dies die Nachbarn eines Verstorbenen“, erzählt Gmeiner. „Bei dieser Arbeit half mir immer Hans Bauer vom Lipp´nhof in Prutdorf.“ Die erste Beerdigung, um die er sich als Totengräber kümmern musste, zog großes Interesse auf sich: Im Juni 1977 starb Prinzessin Helmtrud aus dem Haus Wittelsbach, die auf Schloss Wildenwart gewohnt hatte: „Drei Tage war Ihre Königliche Hoheit in der dortigen Schlosskapelle aufgebahrt, abends musste ich immer den Sarg und die Kapelle abschließen“, erinnert sich Gmeiner.

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Zum Leichenzug mit Weihbischof Heinrich Graf von Soden-Fraunhofen gehörten auch Trachtendirndl, die Kissen mit den Orden der Prinzessin trugen. Den Sarg stemmten je drei Trachtler aus Atzing und Wildenwart. Auch hier mussten Gmeiner und Hans Bauer mit der Hand das Grab schaufeln. Für diese schweißtreibende Arbeit bedankte sich Pfarrer Johann Zeilhofer mit einer Tasche voller Bierflaschen.

Besondere Urne

Zu damaliger Zeit waren Urnen-Bestattungen noch nicht so gebräuchlich, aber an eine Urne erinnert sich Gmeiner besonders: „Als eine unbekannte Urne an die Gemeinde Wildenwart gesandt wurde, da bat mich Bürgermeister Rauch, diese an einem sicheren Platz aufzubewahren – da nahm ich sie mit zu mir nach Hause. Erst später meldete sich ein Anwalt des Verstorbenen. Mit Priens Pfarrer Konrad Huber, Bürgermeister Rauch und mir erfolgte dann die Beisetzung, sonst war niemand da.“ Durch die Gebietsreform vom 1. Mai 1978 kamen Teile der Gemeinde Wildenwart nach Prien. Gmeiner kam Anfang 1979 in Priener Dienste. Damit wurde er auch Helfer für den langjährigen Priener Friedhofswärter Georg Dettendorfer. Von der Priener Totengräber-Zeit weiß er noch einige schaurige Geschichten zu erzählen. „Damals wurden auf dem Friedhof noch ärztliche Sezierungen vorgenommen, und zwar in dem heutigen Umkleideraum für die Geistlichkeit.“

Warten auf den Pathologen

Einmal habe er in einer stockfinsterer November-Nacht auf den Pathologen, der für 17 Uhr angekündigt war, bis 23 Uhr warten müssen: „Da war ich froh, als der nette, junge Mann da war, der extra aus München kam.“ Ein anderes Mal musste ein Verstorbener aus Prien nach drei Wochen wieder ausgegraben werden, „wegen unklarer Todesumstände“. Bei diesen Aufgaben war Gmeiner nicht alleine: Friedhofswärter Georg Dettendorfer habe ihn ermutigt: „Was Du hier siehst, ist gar nicht so arg, im Krieg habe ich viel Schlimmeres gesehen“.

Keine Sezierungen nach 1981

Die Sezierungen auf dem Priener Friedhof wurden Ende 1981 eingestellt. Besucht der inzwischen 76-jährige Gmeiner heute einen der Friedhöfe in Wildenwart, St. Salvator oder Prien, so freut er sich darüber: „Sie sind schön gepflegt.“ Handele es sich doch um besondere, zum Nachdenken und Erinnern geeignete Plätze.

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