„Nicht zu verantworten“

Priener Christkindlmarkt abgesagt: Corona-Regeln machen Durchführung unmöglich

Das wird es heuer nicht geben: Der Priener Christkindlmarkt ist abgesagt.
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Das wird es heuer nicht geben: Der Priener Christkindlmarkt ist abgesagt.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Es kam nicht mehr überraschend: Der Priener Christkindlmarkt findet heuer nicht statt. Vom weltberühmten Christkindlesmarkt in Nürnberg über den auf dem Münchener Marienplatz bis zum Rosenheimer Christkindlmarkt ziehen sich die Absagen von oben nach unten durch. Jetzt trifft es auch Prien.

Prien – Bis Montag hatten die Verantwortlichen noch an alternativen Konzepten gefeilt. Aber die Arbeit war vergebens. Die Vorgaben aus Berlin lassen eine solche Veranstaltung nicht zu. „Leider ist nun das Unvermeidbare eingetroffen. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen und nach den Beschlüssen der Bundesregierung sehen wir leider keine andere Alternative“, schrieb Andrea Hübner, Geschäftsführerin der Prien Marketing GmbH (PriMa) am Montag Vormittag an die 30 angemeldeten Standbetreiber.

Alternative Pläne lagen in der Schublade

Auch Bürgermeister Andreas Friedrich war lange optimistisch, nicht zuletzt nach den guten Erfahrungen des Erntedankmarktes mit festen Zugängen, Einbahnregelungen und anderen Sicherheitsmaßnahmen. „Wir, das heißt die Gemeinde sowie unsere Prien Marketing GmbH, waren bis letzte Woche noch frohen Mutes, dass wir auch heuer einen Christkindlmarkt, aufgeteilt auf mehrere Standorte im Zentrum und an den Schären, anbieten können. Die Pläne hierfür lagen in der Schublade, die technischen Voraussetzungen an den Standorten waren geklärt und von den Fieranten lagen genügend Zusagen vor.“

Aber angesichts der explodierenden Infektionszahlen in der Region mussten nun auch die Priener die Reißleine ziehen. „In einer solchen Situation wäre es auch mit einem detaillierten Hygienekonzept nicht zu verantworten gewesen, den Markt stattfinden zu lassen. Die Gesundheit jedes Einzelnen geht hier ganz klar vor“, so Friedrich.

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Auch für Wirtschafts- und Tourismusreferent Gunther Kraus (CSU) ist die Absage zwar ein nächster Rückschlag für den Gewerbestandort Prien, aber nur logisch. „Wie konnten ja nicht planen und ich halte nichts davon, auf Teufel komm raus eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen und hinterher vielleicht als nächster ,Superspreader‘ Schlagzeilen zu machen“.

Die PriMa bietet den Fieranten nun auf anderen Kanälen Unterstützung an, um zumindest einen Teil der Einnahmeausfälle aufzufangen. Auf dem Standlplan auf der Homepage www.tourismus.prien.de können die Fiernaten laut Hübner kostenlos ihre Daten hinterlegen, um für ihre Produkte zu werben. Weil der Priener Christkindlmarkt seit Jahren besonders viel Wert auf kunsthandwerkliche und heimische, also n die Jahreszeit passende Waren legt, sind die Aussteller besonders auf das Vorweihnachtsgeschäft angewiesen.

Online-Version von Adventskalender für Fieranten

Die PriMa hast sich in einer Krisensitzung, in der die endgültige Absage des Christkindmarktes am Montag beschlossen wurde, einen zweiten Kanal für die Fieranten überlegt. „Auch in dieser Adventszeit möchten wir nach dem Erfolg der letzten beiden Jahre unseren Online-Adventskalender wiederaufleben lassen“, kündigt die PriMa-Chefin an. In Zusammenarbeit mit den Standbetreibern soll er mit attraktiven Aktionen, Rabatten und weihnachtlichen Ideen gefüllt werden. „Aufgrund der begrenzten Türchen gilt hier das „First-Come-First-Serve-Prinzip“, erklärt Hübner.

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Die PriMa lässt sich nicht entmutigen, auch ohne Christkindlmarkt auf dem Marktplatz im Zentrum der Marktgemeinde vorweihnachtliche Stimmung zu erzeugen. Der Wendelsteinplatz werde wieder in den „Priener Winterwald“ verwandelt und mit 30 Bäumen geschmückt. Firmen, die weine Patenschaft im Wert von 150 Euro übernehmen, dürfen einen der Bäume mit ihrem Unternehmensnamen versehen. Die Bäume werden von den Priener Kindergärten und Schulklassen geschmückt. Jeder Baumpate hat auch die Möglichkeit, seinen eigenen Baum zu gestalten.

Bis Freitag, 6. November, nimmt die PriMa per Mail an mberka@tourismus.prien.de Anmeldungen für die vorweihnachtlichen Aktionen entgegen.

Entwickelte Szenarien sollen nicht vergebens sein

Hübner ist derweil zuversichtlich, dass es gelingen wird, für die Zukunft Konzepte zu entwickeln, damit es nicht noch einmal zum Ausfall kommen muss. Sie setzt auf den Zusammenhalt aller Beteiligten, der sich zuletzt mehr denn je gezeigt habe. „Viele gute Ideen sind zur Sprache gekommen. Wir haben vier verschiedenen Szenarien entwickelt, die nicht vergebens sind. Ich bin mir sicher, dass wir in den kommenden Jahren einige kreative und neue Ansätze umsetzen werden.“

Den Christkindlmarkt auf der Fraueninsel, der in seinen besten Jahren an den ersten beiden Adventswochenenden bis zu 60 000 Besucher an den Chiemsee gelockt hat, hatte die PriMa als Mitveranstalter in Absprache mit der Insel-Gemeinde Chiemsee und der Chiemsee-Schifffahrt schon vor einigen Wochen für heuer abgesagt. Er gilt mit knapp 100 Ausstellern und umfassenden Rahmenprogramm als einer der schönsten Märkte seiner Art in Bayern.

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