Prien: Chiemsee Tafel sucht dringend jüngere Helfer

Probelauf für die Corona-konforme Übergabe bei der Priener Tafel: zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster und Tafelmanagerin Susanne Blöchinger mit Mundschutz und Handschuhen. Thomae

Viele ehrenamtliche Helfer gehören wegen ihres Alters zur Risikogruppe. Markt Prien gibt nötige Finanzspritze aus Sozialfonds. Die Lebensmittel-Ausgabe erfolgt jetzt unter corona-konformen Regel.

von Silvia Mischi

Prien– Die Chiemseer Tafel ist von Beginn ihres Bestehens an eine Erfolgsgeschichte. Jetzt könnte ihr angesichts der Krise das vorläufige Aus drohen. Denn: Die ehrenamtlichen Helfer gehören angesichts ihres Alters meist der Risikogruppe an. Zu ihrem Schutz und denenen der Tafelkunden können sie aufgrund der Corona-Pandemie aktuell nicht helfen.

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Dabei steht und fällt die Tafelausgabe mit dem Einsatz freiwilliger Helfer. „Zehn bis 20 Personen werden benötigt“, so Priens Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster gegenüber unserer Zeitung.

Ausgabe ab jetzt durchs Fenster

Er war gestern vor Ort, begutachtete die corona-konforme Ausgabe durch das Fenster mit Mundschutz und Handschuhen. Und: Er hatte gute Nachrichten im Gepäck. Unbürokratisch hilft die Gemeinde aus ihrem Sozialfonds mit einem fünfstelligen Betrag aus, um zusätzliche Einkäufe zu ermöglichen. Denn: Aufgrund der Hamsterkäufe können die Lebensmittelgeschäfte und 25 Lieferanten von Bernau bis Eggstätt weniger Spenden. „Gerade an Joghurts, Salaten, Gemüse und Obst mangelt es“, so Schuster. Die Kühlschränke der Tafel sind überdies nur noch halb gefüllt. „Wir benötigen, trotz der kommunalen Finanzspritze zusätzliche Spenden“, so Tafelmanagerin Susanne Blöchinger.

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Ob und wie lange es die Einrichtung mit ihrer Ausgabe am Freitag von 9 bis 12 Uhr (eingeteilt nach Nachnamen) noch geben wird, hänge nicht nur von neuen Ehrenamtlichen und der Versorgung der Nahrungsmittel ab, sondern auch von den staatlichen Auflagen angesichts des Coronavirus’. Potenzielle Helfer und Unterstützer – jeder der Zeit hat und sich einbringen will – sollen sich bei Blöchinger unter Telefon 0 80 51/13 23 oder unter 0 17 6/81 05 90 90 melden. Die erfahrenen Kräfte würden dann auch die „Neulinge“ telefonisch über die jeweiligen Aufgaben informieren und bei ihren Tätigkeiten anleiten. Donnerstag erfolgt das Sortieren und zusammenstellen der Tüten für die circa 130 „Kunden. Dies sind sozial schwächer gestellte Personen. 40 davon würden die Lebensmittel geliefert. „Sie sind nicht mobil oder schlecht zu Fuß unterwegs“, so Schuster. „Vor dem Hintergrund, dass unsere Kunden auf die Tafelware angewiesen sind, werden wir bis auf Weiteres öffnen, allerdings unter geänderten Corona-Bedingungen.

Für Prien anstelle der Bedienung im Tafelladen werden die freiwilligen Helfer vorab mit Lebensmittel befüllte Taschen/Tüten ausgeben die Ausgabe der Lebensmittel erfolgt über das Fenster des Tafelraumes“, so Susanne Blöchinger. Der zweite Bürgermeister wiederum ist vom Engagement der Tafelaktiven beeindruckt und betont, dass schon zwei bis drei Anfragen im Rathaus von potenziellen Helfern eingegangen seien. Das soziale Prien sei einmal mehr beispielhaft. „Darauf baue ich im Namen der Gemeinde nicht nur in den schwierigen Zeiten, sondern generell. Aber gerade in der Krise weiß ich um diese besondere Bereitschaft“, so Schuster.

Spenden vonnöten

Passend dazu: Nicht nur die spontane Hilfe der Gemeinde war gestern bemerkenswert. Sondern auch die eines fahrenden Hendlstandes. Dessen Inhaber hat kurzfristig für die Tafelkunden 40 Gutscheine für gegrillte Hendl gestiftet. „Als Zeichen der Verbundenheit in der Krise“ freut sich Schuster.

Auch die AWO bietet Hilfe an:

Die AWO Prien bietet ehrenamtliche Hilfe an. Infolge der Corona-Pandemie sehen sich plötzlich vor allem ältere Menschen in einer Notsituation. Wir bieten deshalb ehrenamtliche Hilfe an zum Einkaufen, ob Lebensmittel, dringend benötigte Medikamente oder ähnliche Dinge für das tägliche Leben. Die AWO ist Nummern erreichbar unter : 0 80 51/5152, unter 0 17 6/25 28 98 54 oder per E-Mail awo-ov-prien@t-online.de. „Wir freuen uns, wenn junge Menschen uns ehrenamtlich bei den Auslieferungen unterstützen könnten“, heißt es von den AWO-Veran-twortlichen. Helfer sollen sich unter Telefon 0 80 51/51 52 oder bei Elke Flender-Back unter Telefon 0 80 51/9 63 07 80 melden.

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