Freie Fahrt in Weidachstraße

Nervige Großbaustelle in Prien schon bald Vergangenheit

In der Osternacher Straße gibt es keinen Gehweg. 2021 soll einer gebaut werden.
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In der Osternacher Straße gibt es keinen Gehweg. 2021 soll einer gebaut werden.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Die Zeit der weiten Wege im Priener Norden neigt sich dem Ende entgegen – aber nur vorerst. Stand jetzt kann die Weidachstraße am Freitag, 18. Dezember, nach drei Monaten Vollsperrung wieder für den Verkehr freigegeben werden. Doch die nächste Baustelle kommt bestimmt.

Prien – Bald ist wieder frei Fahrt auf der beliebten und stark frequentierten Strecke zwischen Prien und Rimsting. Allerdings nur bis zum März. Die Umleitungsschilder seien für diesen Termin schon bestellt, sagte Tobias Kollmannsberger, Tiefbauchef der Gemeinde, auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung.

Seit Mitte September hatte die beauftragte Firma zwischen der Prienbrücke an der Gemeindegrenze und dem Beginn der Bebauung in Westernach neue Kanäle und Rigolen verlegt, die Fahrbahn erneuert und zuletzt einen 2,5 Meter breiten Gehweg neu angelegt. Dieser wird jetzt noch asphaltiert sowie die Zu- und Abfahrten der Grundstücke an die neue Fahrbahn angepasst, bevor die Weidachstraße freigegeben werden könne.

Zweiter Bauabschnitt beginnt im März

Im Frühjahr 2021 wird der zweite Bauabschnitt zwischen Westernach und der Einmündung des Fliederwegs folgen. Dann müssen Bürger aus dem Priener Norden wieder für Monate weite Umwege inkauf nehmen. Die Vollsperrung heuer hatte auf der Staatsstraße Prien-Rimsting als einziger verbliebener Straßenverbindung zwischen beiden Orten zu Stoßzeiten immer wieder zu Staus geführt. Auch die Priener Seestraße hatte sich in der Urlaubssaison rund um die beiden Kreisverkehre an der Bahnunterführung als Nadelöhr entpuppt.

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Wenn die Weidachstraße im Sommer 2021 komplett saniert und ein zwei Meter breiter Gehweg an ihr entlang gebaut ist, steht die nächste große Straßenbaustelle an. Zwischen dem Spazierweg in der Verlängerung der Carl-Braun-Straße und der sogenannten Eifertingerkurve im Ortsteil Osternach soll die Osternacher Straße auf einer Länge von etwa 750 Metern generalsaniert und ein breiterer Geh- und Radweg gebaut werden, kündigt Kollmannsberrger an. Dann muss der Verkehr wieder monatelang großräumig über Weidach-, Hallwanger und Seestraße umgeleitet werden. Die Osternacher Straße ist die kürzeste Verbindung zwischen dem Chiemsee-Nordufer und Prien-Stock, wo sich Hafen, Hotels, Restaurants, Reha-Kliniken und Prienavera auf engem Raum konzentrieren.

Derzeit werden im Vorfeld der detaillierten Planung Bodenproben genommen. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass die Erneuerung der Fahrbahn samt Unterbau eine technische Herausforderung wird. Die Straßen in Sichtweite des Bayerischen Meeres liegen oft auf sogenanntem Seeton, der vergleichsweise weich ist und gerne nachgibt.

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Der bisherige Unterbau der Osternacher Straße, die in den 1950er und 1960er Jahren entstand, ist laut Kolmannsberger nur eine wenige Zentimeter dünne Schotter-Schicht. Bei der Generalsanierung werde deshalb bis in etwa ein Meter Tiefe vorgedrungen, um einen neuen Unterbau anlegen zu können.

Das Bauverfahren, mit dem der Markt Prien in der Harrasser Straße und auf der Straße nach Leiten gute Erfahrungen gemacht hatte, kann in der Osternacher Straße nicht angewendet werden, weil unter ihr auch Kabel verlegt sind. Auf den beiden anderen Baustellen war der alte Teer für den neuen Unterbau verwendet worden und musste nicht teuer entsorgt werden.

An der Osternacher Straße werde im Zuge der Sanierung der schmale Gehweg zu einem 2,5 Meter breiten Geh- und Radweg ausgebaut. Dort entlang verläuft auch der Chiemsee-Radrundweg. In Osternach selbst werde lediglich ein Gehweg angelegt, weil der Radwanderweg vorher abzweigt.

Kostenschätzung: zwei Millionen Euro

Kollmannsberger rechnet in einer ersten groben Schätzung mit Gesamtkosten von zwei Millionen Euro. Weil auch die Osternacher eine Gemeindeverbindungsstraße ist, erhofft sich der Markt Prien dort eine Förderquote von 40 Prozent, wie es die aktuellen Richtlinien in solchen Fällen vorsehen.

Der Marktgemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig und ohne Diskussion auf dieser Grundlage die Ingenieurleistungen für die Straßenerneuerung an das Priener Büro Dippold & Gerold vergeben. Deren Angebot lag bei gut 192 000 Euro.

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Der Markt Prien kommt bei der Generalsanierung der Weidachstraße viel günstiger weg als angenommen. Ursprünglich hatte die Verwaltung für das 800 Meter lange Straßenstück mit Kosten von 1,7 Millionen Euro gerechnet. Tatsächlich konnte der Auftrag für 971 000 Euro an eine Fachfirma vergeben werden. Deren Angebot lag weit unter den Offerten anderer Firmen. Wahrscheinlich profitiert die Gemeindekasse hier von den Auswirkungen der Corona-Pandemie, vermutet Bürgermeister Andreas Friedrich: „Da hat sich gezeigt, zum Beispiel bei der Vergabe für die Goethestraße und für die Weidachstraße, dass den Baufirmen gerade die Aufträge von der öffentlichen Hand wohl fehlen. Die öffentliche Hand hält sich mit Auftragsvergaben zurück, weil die Entwicklung der Steuereinnahmen in diesem Jahr nicht absehbar war und auch für die Folgejahre eine Prognose wohl eher schwierig ist.“

Weil es um eine so genannte Gemeindeverbindungsstraße geht, kann der Markt Prien mit einer Förderquote von 53 Prozent kalkulieren.

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