GEMEINDE INVESTIERT ÜBER DREI MILLIONEN EURO

Prien baut Hackschnitzelheizwerk neben Wertstoffhof

Thaurer-Wiese
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Auf der sogenannten Thaurer-Wiese, auf der vor einigen Jahren Trachtenverein und Feuerwehr ihre Jubiläen in einem gemeinsamen Festzelt gefeiert hatten, entsteht anschließend an das Gelände des Wertstoffhofs im Laufe des Jahres ein Hackschnitzelheizwerk.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Im April ist es zehn Jahre her, dass die Bürger mit knapper Mehrheit ein großes Hackschnitzelheizkraftwerk am Hohertinger Weg abgelehnt haben. Jetzt entsteht gar nicht weit entfernt ein Hackschnitzelheizwerk (HSHW) zur Wärme-, aber ohne Stromerzeugung unter Regie der Gemeinde.

Prien –Die Standortfrage für das HSHW ist geklärt, Vorverträge mit Kunden sind unterschrieben. Wenn alles gut läuft, könnte die Anlage im November diesen Jahres, rechtzeitig zu Beginn der Heizsaison, in Betrieb gehen, sagte Bürgermeister Andreas Friedrich im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses hat der Markt selbst einen Antrag auf Vorbescheid gestellt, der einstimmig durchgewunken wurde. Demnach soll das HSHW auf dem östlichen Teil der Wiese gebaut werden, die sich zwischen Bernauer Straße und Hohertinger Weg unmittelbar an das Gelände des Wertstoffhofs anschließt. Mit dem privaten Grundeigentümer sei man sich grundsätzlich über einen Kauf einig, sagte Friedrich.

Kalkulation aus Österreich

Die Vorgeschichte reicht zurück bis in die vorige Legislaturperiode. Das damalige Gremium hatte eine Hackschnitzelheizung für Bauhof und Feuerwehrhaus ins Auge gefasst, weil die Heizanlagen in diesen gemeindlichen Liegenschaften altersbedingt zur Disposition standen.

2020 hat die Firma apotec aus Weißenkirchen in Österreich eine Wirtschaftlichkeitsberechnung im Auftrag der Gemeinde durchgeführt. Den Kontakt zu den Spezialisten hatte Wolfgang Wimmer vermittelt. Der Geschäftsführer des Biomassehofs Achental in Grassau berät den Markt Prien bei seinem ambitionierten Projekt.

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Eine Markterkundung hat ergeben, dass zahlreiche private Abnehmer im Umfeld Interesse bekundet haben. Das Versorgungsgebiet mit Nahwärme umfasst demnach auch das Gewerbegebiet am Reitbach, das Rotkreuz-Heim, die Alte Bernauer, Bauernberger und Joseph-von-Fraunhofer-Straße sowie den Staffelsteinweg.

Mit den potenziellen Kunden gibt es laut Friedrich verbindliche Vorverträge. Zudem sei in der Planung ein möglicher Neubau des Caritas-Altenheims und ein Wohnbauprojekt des Landkreises in Trautersdorf berücksichtigt.

Diese Gebiete sollen mit regenerativer Wärme versorgt werden.

Die Tiefbauarbeiten, also die Verlegung von Leitungen, will der Markt Prien in Eigenregie planen und durchführen. In den betroffenen Straßen soll dann zunächst nur eine Asphalt-Tragschicht aufgetragen werden, um sich die Option zum Anschluss einzelner, weiterer Privatkunden zu erhalten.

Trotz der Ausweitung auf private Kunden wird das HSHW bei weitem kleiner ausfallen, als die Anlage, die 2011 größere Teile Priens mit Nahwärme versorgen sollte. Zum Vergleich: Damals kalkulierte der Markt Prien mit 13,5 Millionen Euro Gesamtkosten. Diesmal sind es gut drei Millionen. Außerdem war 2011 zusätzlich zur Wärme auch noch die Erzeugung von Strom vorgesehen.

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Die Anlage soll zum Teil über Kredite finanziert werden und soll sich Friedrich zufolge nach etwa 15 Jahren amortisiert haben.

Die technischen Eckdaten lagen dem Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung vor. Demnach soll ein Hackschnitzelheizkessel mit einer Heizleistung von 1,0 Megawatt (MW) die Grundlast gewährleisten. Ein zusätzlicher, gasbetriebener Spitzenlastkessel mit einer Leistung von 1,2 MW soll die Wärmeversorgung aller Kunden auch an besonders kalten Tagen garantieren.

Diese Kapazitäten sind auf den Zeitpunkt der Inbetriebnahme bezogen, betont Tobias Kollmannsberger. Beim Tiefbau-Chef der Gemeinde laufen die planerischen Fäden zusammen. Im Endausbau, wenn zu den 30 Kunden, die schon mit im Boot sind, noch Altenheim und Landkreis dazukommen, könnte die Heizleistung aus Hackschnitzeln auf 1,6 MW gesteigert werden.

Das würde Kollmannsberger zufolge 6000 Schüttraummetern Hackschnitzel im Jahr entsprechen.

Woher der Rohstoff kommt, ist noch offen. Friedrich zufolge gibt es noch keine Vorverträge mit Waldbauern. Das Holz solle aber möglichst von Waldbesitzern aus Prien oder der Umgebung kommen. „Wir sollen Landwirten die Möglichkeit geben, direkt an uns zu liefern“, bekräftigt der Bürgermeister.

Wärme aus dem HSHW könnte teurer sein als Heizöl

Die Wärme aus dem HSHW dürfte für die Kunden etwas teurer werden im Vergleich zum herkömmlichen Heizöl. Dafür müssen sie keine alte Heizungsanlage erneuern und haben auch keine Wartungskosten mehr, argumentiert Tobias Kollmannsberger von der Bauverwaltung. Genaue Zahlen sind Vertragsbestandteile und deshalb nichtöffentlich.

Der Haupt- und Werkausschuss des Marktgemeinderats hat in seiner jüngsten Sitzung für knapp 48 000 Euro die Planung für die Anlagentechnik einstimmig an die apotec GmbH in Weißenkirchen vergeben, also an die Firma, die auch schon die Wirtschaftlichkeitsberechnungen angestellt hatte.

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Leonhard Hinterholzer (Grüne), Energiereferent der Marktgemeinde, freut sich sehr, dass das Gewerbegebiet im Süden Priens und die angrenzenden Wohnhäuser über eine Hackschnitzelheizung versorgt werden sollen. „Damit übernimmt die Gemeinde Verantwortung für eine sichere und umweltfreundliche Energieversorgung ihrer Bürger.

Neben der dringenden Einsparung von CO2 muss auch die Unabhängigkeit von Energieimporten und die Unterstützung der heimischen Land- und Forstwirtschaft sehr positiv bewertet werden.“

Hinterholzer weist auch auf finanzielle Vorteile für die Bürger hin: „Für die Bürger entfallen die Kosten für Kaminkehrer, Heizungswartung und Brennstoffeinkauf. Die Wertschöpfung bleibt in der Region. Vermutlich wird es auch die Möglichkeit geben, dass sich die Priener Bürger an dieser Anlage finanziell beteiligen.“

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