Prien: Anlieger kritisieren Pläne fürs Jugendherberg-Areal - Einwände gegen Bebauungsplan

Auf dem Jugendherberg-Areal am Birkenweg haben Rodungsarbeiten begonnen. Aktuell haben Anlieger Einwände gegen den dortigen Vorentwurf des Bebauungsplans und ein weiteres beschleunigtes Verfahren. Sie befürchten Schäden und Belastungen durch die Maßnahme. Berger
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Auf dem Jugendherberg-Areal am Birkenweg haben Rodungsarbeiten begonnen. Aktuell haben Anlieger Einwände gegen den dortigen Vorentwurf des Bebauungsplans und ein weiteres beschleunigtes Verfahren. Sie befürchten Schäden und Belastungen durch die Maßnahme. Berger

Dass das Grundstück der alten Jugendherberge in Prien ein sensibles Pflaster ist, beweist nicht nur der Bürgerentscheid über den Neubau der Institution auf dem Gelände, sondern nun auch die Einwände gegen den künftigen Bebauungsplan. Dort sollen drei Mehrfamilien- und zehn Reihenhäuser.

Prien– Der Priener Marktgemeinderat hatte dafür in mehreren Sitzungen entsprechend die Weichen gestellt. Die Wohnungen sollen im sogenannten Einheimischenmodell vergeben werden.

Bebauungsplan als rechtliche Grundlage

Der Vorentwurf für den Bebauungsplan ist durch den Gemeinderat genehmigt. Das Schriftstück soll die rechtliche Grundlage für die anvisierte Bebauung schaffen. Nachbarn und Anlieger befürchten aber erheblichen Schaden durch die Baumaßnahme. Klaus und Martina Blank, Günther und Hannelore Freund sowie Harald und Margarete Jäckel sowie weitere Anlieger haben gegen das Vorhaben am Birkenweg Stellung bezogen.

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„Das Grundstück wie auch weite Teile des östlichen Ortsbereiches waren ursprünglich Moorwiesen, die erst im vergangenen Jahrhundert für Besiedlungszwecke umgewandelt wurden. Aufgrund der geringen Höhenlage und Nähe zum Chiemsee zeichnet sich dieses Gebiet durch eine hohe Grundwasserführung aus“, schildert Blank, Sprecher der Anlieger. Der Grundwasserstand betrage nur 1,40 bis 1,80 Meter unter der Geländeoberkante. Deshalb müsse jede Bebauung mit Unterkellerung vor aufsteigender Nässe dauerhaft und aufwendig geschützt werden. „Dies soll im vorliegenden Fall mit einer, das gesamte Areal umschließenden wasserundurchlässigen Stahlbetonkonstruktion erfolgen, auf der alle Gewerke errichtet werden“, beschreibt Blank. „Wir erwarten, dass die Baumaßnahme massive Folgeschäden durch Bodenabsenkungen und Wasserverdrängungseffekte bei den Nachbarn nach sich ziehen wird“, schreiben die Einwänder.

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Sie erkennen zudem nicht, dass diese Problematik ausreichend untersucht worden ist, obwohl es in Bernau bereits einen thematischen Präzedenzfall gebe. „Dort wurde vor einigen Jahren nach dem Bau von Wohn- und Geschäftshäusern mit Großtiefgarage an der Chiemseestraße die Umgebungsbebauung außerordentlich stark in Mitleidenschaft gezogen“, rekapituliert Blank. Erhebliche Straßen-, Wege- und Kanalschäden seien an Nachbargebäuden aufgetreten und hätten Setzungen mit Rissbildungen – auch an tragenden Wänden –  ergeben. Die Gemeinde Bernau und betroffene Wohnungseigentümer befänden sich deswegen seit Jahren im Rechtsstreit mit dem Bauträger. Diese Erfahrungen haben den Gemeinderat Bernau dazu bewogen, sich kürzlich einstimmig gegen ein weiteres Bauvorhaben mit großer Tiefgarage auszusprechen. „Wir erwarten Gleiches im geplanten Baugebiet. Zumal es sich um denselben Bauträger wie in Bernau handelt“, so Blank. Dass sich Auswirkungen auf den niedrigen Grundwasserspiegel ergeben würden, zeige sich bereits während der Bauvorbereitungsmaßnahmen. Das gesamte Grundstück werde zur Zeit von Sträuchern und Baumwurzeln durch den Einsatz eines Baggers befreit. Dieser verursache starke Bodenschwingungen, dass die benachbarten Häuser an der Carl-Braun-Straße erheblichen Vibrationen ausgesetzt werden.

Informationen zum bayerischen Baurecht gibt es hier

Außerdem: „Im Bebauungsplan werden keine negativen Auswirkungen auf die Verkehrssituation gesehen“, so Freund. Bei der Vielzahl der neuen Bewohner und deren Besucher erwarten die Anlieger aber eine erheblich erhöhte Verkehrsbelastung insbesondere im Birkenweg. Zudem bestreiten die Nachbarn, dass es – entgegen einiger Aussagen – keine Kapazitätsauswirkungen auf die Ver- und Entsorgungsinfrastruktur gegen würde. Nahezu die gesamte Grundstücksfläche von rund 5000 Quadratmeter wird versiegelt werden. Damit fallen neben der Frischwasserversorgung und Abwasserbeseitigung erhebliche Oberflächenwassermengen an. Auf Kritik stößt auch, dass dem Vorhaben keine grundsätzlichen artenschutzrechtlichen Aspekte entgegenstünden.

270 Meter Hecke gingen verloren

An den Grundstücksgrenzen ist aber ein dicht gewachsener Gehölzbestand aus überwiegend Feldahorn, Hainbuche, Roter Hartriegel, Holunder vorhanden. „Die verwilderte Baum- und Strauchvegetation stellt ein Brut- und Nahrungshabitat für häufigere freibrütende und kommune Vogelarten wie Amsel, Feldsperling, Kohlmeise, Blaumeise, Mönchsgrasmücke und Zilpzalp“, sagt Jäckel. Insgesamt gingen auf einer Länge von circa 270 Metern die Heckenstrukturen verloren. Dies entspreche einer Eingriffsfläche von rund 1350 Quadratmetern. Sie stellen folgende Forderung auf: „Der artenschutzrechtliche Ausgleich ist durch die Pflanzung von Heckenstrukturen auszugleichen. Es sind autochthone Gehölze des Alpenvorlands zu verwenden, hierzu zählen: Berberitze, Hasel, Hartriegel, Liguster, Heckenkirsche, Wild-Rosen, gewöhnlicher Schneeball.“ Ein klares Nein erteilen die Anlieger überdies einem beschleunigten Verfahren.

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