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Extrem-Abenteuer: Filmvorführung am 22. August

Prien: Andreas Zmuda und Doreen Kröber schildern ihr Leben als „fliegende Nomaden“

Atemberaubender Flug über das Valle de La Luna in Antofagasta (Chile) mit dem Trike.
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Atemberaubender Flug über das Valle de La Luna in Antofagasta (Chile) mit dem Trike.
  • Silvia Mischi
    VonSilvia Mischi
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Prien am Chiemsee – 1518 Tage, 36.042 Flugkilometer, 197 Starts und eine Notlandung: Andreas Zmuda und Doreen Kröber kommen am Sonntag, 22. August, in Mikes Kino in Prien. Die beiden Extremabenteurer präsentieren ihren Film „Vogelfrei – Ein Leben als fliegende Nomaden“. Der Chiemgau-Zeitung gaben sie vorab einen Einblick in ihr Abenteuerleben hoch in den Lüften.

100.000 Meilen, fünf Kontinente, 100 Länder und das alles in einem „fliegenden Motorrad“, wie kommt man auf solch eine Idee?

Andreas Zmuda: Wir kannten uns erst wenige Monate, ich hatte mein Leben in der Wärme Südamerikas für Doreen aufgegeben und saß nun im Winter 2011/2012 bei minus zwei Grad Celsius in Berlin. Wir köpften eines Tages ein gutes Fläschchen Rotwein, plauderten über unsere nächste Urlaubsplanung. Da kam mir die Idee, dass wir ein Trike in den USA kaufen könnten, einen Anhänger dafür und ein gebrauchtes, kleines Wohnmobil. Und damit fahren Doreen und ich sechs Wochen durch die USA und fliegen über San Francisco, Florida, den Grand Canyon und und und…

Doreen Kröber: Aber du hast doch auch in Belize, Kolumbien, Venezuela, Ecuador und der Karibik gelebt. Das wollte ich natürlich auch gerne sehen. Und im Tiefflug über die Elefanten in Afrika zu fliegen, das war schon immer mein Traum. Afrika musste also auch mit im Plan drin sein. Die erforderliche Zeit dafür wurde immer länger.

Das heißt?

Zmuda: Ich sagte zu Doreen, lass uns Nägel mit Köpfen machen. Du kündigst deinen Job, wir verkaufen alles und fliegen von Afrika auch noch nach Asien und Australien und machen die Welttour rund. In drei bis vier Jahren sollten wir unser Ziel Sydney in Australien erreichen.

Seit wann fliegen Sie schon?

Zmuda: Meine ersten Flugversuche machte ich mit ganz normalen Kleinflugzeugen als ich in Kapstadt, Südafrika, lebte. Doch meine wahre Liebe zum Fliegen entdeckte ich in Ecuador mit meinem dortigen Zahnarzt, als wir mit seinem Trike die endlosen Strände entlang geflogen sind. So machte meine Sportpilotenlizenz in den USA und in Vorbereitung auf unseren Weltflug meine Private-Piloten-Lizenz.

Andreas Zmuda und Doreen Kröber auf einer Dschungelexpedition in Brasilien am Amazonas.

Ein Trike, ein fliegendes Motorrad, wie muss man sich das vorstellen?

Zmuda: Wie ein Motorrad eben, nur dass es hinten zwei Räder hat und oben drüber ein drachenartiges, zwölf Quadratmeter großes Segel. Theoretisch könnte man damit auch auf der Straße fahren, denn das Segel lässt sich einklappen, ist aber nicht erlaubt. Auch wenn es nicht so aussieht, das ist ja ein zugelassenes Flugzeug und dafür gibt es Flughäfen. Hinten ist ein großer, 100 PS starker 4-Zylinder-Flugzeugmotor, welcher uns mit seinem Propeller antreibt.

Wie weit fliegt man in etwa an einem Tag?

Zmuda: Wir sind mit ungefähr 100 Kilometer pro Stunde unterwegs und schaffen zwischen 200 und 400 Kilometer am Tag. Da oben ist es schon recht frisch und auch ziemlich anstrengend. Denn es gilt nicht nur die richtige Route zu fliegen, sondern sich auch an die genehmigte Flughöhe zu halten. Das Wetter muss man beobachten, Ab- und Aufwinde im Blick haben.

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Kröber: Wir fliegen immer bei Sonnenaufgang los, da dann das Wetter am ruhigsten ist. Und wir frühstücken nicht, damit wir nicht für einen Toilettenstopp den Flug unterbrechen müssen.

Wie meistert man so eine Tour als Paar?

Kröber: 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag permanent auf engstem Raum zusammen zu sein, da rasselt es auch schon mal etwas im Karton. Da muss man neben der Liebe auch einen starken Willen und Glauben an das gemeinsame Abenteuer haben und einen Weg finden, wie man sich schnell wieder verträgt. Oben in der Luft können wir über die im Helm integrierten Mikrofone miteinander reden, aber Andreas kann mir hier auch schon mal den Ton abdrehen. Wobei wir während des Fliegens eher das Erlebnis aufsaugen und wenig sprechen.

Was waren eure Höhepunkte auf den Reisen?

Zmuda: Das Highlight schlechthin ist das Gefühl frei wie ein Vogel dort oben zu schweben und dann auch noch zusammen mit der Frau, die man liebt. Dazu dieser einzigartige Blick, den ansonsten nur die Vögel haben, während einem der Wind um die Nase weht und man Düfte dort oben einatmet. Die Welt von oben ist einfach nur wunderschön.

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Wie läuft ein Tag in eurem Leben als fliegende Nomaden ab?

Zmuda: Langeweile haben wir nie! Es steckt schon auch viel Arbeit in der sorgfältigen Flugvorbereitung, von der Routenplanung bis zum Wetter. Das allein beansprucht für jede Flugstunde rund drei bis fünf Stunden. Dazu kommt der Bürokram, da müssen wir Erlaubnisse einholen und den Flugplan ausfüllen, auftanken, Papierkram erledigen und einen Schlafplatz organisieren in einer einfachen Pension, im Zelt oder in der Hängematte.

Kröber: Auch müssen die Bilder und Videoaufnahmen nach jedem Flug gesichtet und gespeichert werden. Da sitze ich gut und gerne fünf bis sechs Stunden dran. Dazu kommen Postings auf Facebook und im Blog.

Welche sind bei eurer Art des Reisens die größten Herausforderungen?

Kröber: Das Wetter. Mit solchen Schwierigkeiten war vorher nicht zu rechnen. In Belize beispielsweise regnet es im Januar im Durchschnitt nur einen bis zwei Tage. Als wir dort waren, regnete es 28 Tage. Oder der Flug von Panama nach Kolumbien. Da jagte eine Gewitterfront die nächste und das über Wochen hinweg. Für die Überquerung der Anden mussten wir in Patagonien sieben Wochen warten.

Zmuda: Und die Bürokratie. Daran scheinen sich Beamte weltweit zu erfreuen. Wir brauchen ja immer Einflugs- und Überflugs-Genehmigungen und manche Länder wollen noch viele andere Dokumente.

Können Sie sich ein „normales“ Leben mit einem festen Zuhause vorstellen?

Zmuda: Die Vorfreude, wieder etwas Neues zu entdecken, überrascht zu werden, nicht zu wissen, was uns als Nächstes erwartet, die Verschiedenheit der Landschaften, Kulturen, Menschen, das Essen, das macht das Leben ja so spannend. Das nur sechs Wochen im Jahr im Urlaub zu erleben, ist einfach viel zu wenig.

Kröber: Ich glaube nicht, dass wir wieder in dieses „normale“ Leben zurück können. Unser Zuhause geben wir uns gegenseitig, mit unserer Liebe.

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