Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Großer Helferkreis unterstützt mit seinem gut organisierten Netzwerk

Dringend Wohnungen für die Ukraineflüchtlinge in Prien gesucht

Sie sind maßgeblich bei der Ukrainehilfe in Prien eingebunden (von links): Helga Krüger-Pompl, Tais Rozzo, Mirko Hoppe, Sarah Stepat, Dr. Katharina Dziura und Carla Fischer (sitzend).
+
Sie sind maßgeblich bei der Ukrainehilfe in Prien eingebunden (von links): Helga Krüger-Pompl, Tais Rozzo, Mirko Hoppe, Sarah Stepat, Dr. Katharina Dziura und Carla Fischer (sitzend).
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
    schließen

Sie flohen vor den Angriffen und Bomben in ihrer Heimat, jetzt stehen die schutzsuchenden Menschen aus der Ukraine in der Erstaufnahme in der LTG-Turnhalle in Prien erst einmal vor dem Nichts. Doch die Hilfsbereitschaft in der Marktgemeinde ist riesengroß.

Prien am Chiemsee – Während der Krieg in der Ukraine weiterhin mit aller Härte und immer neuen Opfern tobt, ist die Hilfsbereitschaft in der Marktgemeinde Prien für Schutz suchende Menschen ungebrochen groß. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich ein unglaubliches Netzwerk gebildet. Dieses unterstützte die Mutter mit ihrem Baby, die mit nichts als ihren Kleidern am Leib in Prien eintraf genauso wie all jene, die sich schon auf die Suche nach einem Job gemacht hatten. Mit am dringendsten werden Wohnungen benötigt, wie die OVB-Heimatzeitungen vom Begleiterkreis erfuhren.

Jede Woche trifft sich unter der Leitung des Dritten Bürgermeisters und Sozialreferenten Martin Aufenanger (FWB) der Runde Tisch „Ukrainehilfe“ im Großen Sitzungssaal des Rathauses. „Wir besprechen alle organisatorische Angelegenheiten, darüber, was sich verändert hat. Wir reden über die Situation in der Turnhalle, und jeder Ansprechpartner berichtet aus seinem Ressort – wir besprechen alles, was so läuft“, fasst Aufenanger auf Nachfrage zusammen.

70 ehrenamtliche Helfer packen an

Nachgedacht werde auch über eine Zusammenarbeit mit Prutting, wo ebenfalls ein Helferkreis aufgebaut werden soll. Die Zahl der ehrenamtlichen Helfer in Prien kann er nur schätzen, geht aber aus den Erzählungen von etwa 70 aus, wie er sagt.

Die Hilfe in Prien ist gut durchorganisiert. Muss sie auch, denn die Menschen kommen wenn überhaupt mit wenigen Habseligkeiten aus einem anderen Land und beginnen hier in der Chiemseegemeinde bei null. Sie müssen sich registrieren, die Sprache lernen, benötigen Kleidung und ärztliche Betreuung, es geht um Wohnungen, Kinderbetreuungen und Arbeit.

Das könnte Sie auch interessieren: OVB-Themenseite Prien

Für jeden der zwölf Fachbereiche gibt es einen Verantwortlichen, die übergeordnete Koordination haben Regina und Fritz Seipel übernommen. Auf der Internetseite der Marktgemeinde sind alle Ansprechpartner aufgelistet.

So ist zum Beispiel der evangelische Pfarrer Mirko Hoppe unter anderem für Schule und Kinderbetreuung zuständig, Rais Rozzo und Carla Fischer kümmern sich um Unterkunftsvermittlung, Dr. Herbert Reuther und Marktgemeinderätin Rosi Hell um Jobvermittlung. Yvonne Hoda und Marita Stöwhaas sind im Rathaus Ansprechpartner für behördliche Angelegenheiten.

„Helfen braucht Geduld“

Dass sich Integration lohnt, weiß die evangelische Kirchenvorsteherin Helga Krüger-Pompl aus Erfahrung. Sie leitet den „Ökumenischen Begleiterkreis Integration in Prien“. Rund 30 Helfer aus der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde kümmern sich seit dem großen Flüchtlingsstrom 2015/16 um Menschen, die aus Syrien, Afghanistan oder Afrika nach Prien gekommen sind. „Es gibt viele Erfolgsgeschichten“, sagt Krüger-Pompl bei einem Treffen mit den OVB-Heimatzeitungen.

Initiative ist aus der Friedenslichterkette entstanden

Sie ist im Rahmen der Ukrainehilfe Ansprechpartnerin für so genannte Drittstaatler. Sie mahnt Geduld an: „Ich habe genügend Vertrauen in die Behörden, dass sie alles hinkriegen, auch wenn es manchmal etwas länger dauert ... helfen braucht Geduld.“ Pfarrer Mirko Hoppe und die Diplom-Volkswirtin Carla Fischer berichten, dass die Ukrainehilfe spontan aus einer von ihnen organisierten Friedenslichterkette entstanden sei. „Wir haben uns über die Kinder gekannt“ berichten sie.

Initiative zog rasch weite Kreise

Über ihre eigenen Verbindungen zu vielen anderen hilfsbereiten Menschen zog die Hilfe rasch immer weitere Kreise, sie stellten mit tatkräftiger Unterstützung von allen Seiten und mit der Marktgemeinde ein großes Netzwerk auf die Beine. So seien innerhalb kürzester Zeit allein rund 70 Menschen in der Whatsapp-Gruppe „Schnelleinsatz“ verbunden gewesen. „Wenn jemand aus der Ukraine in Prien ankommt und rasch etwas braucht, dann machen wir in dieser Gruppe aus, wer sich darum kümmert“, erzählt Carla Fischer.

Die Helfer sind in Schichten eingeteilt. Sie seien alle berufstätig, und viele hätten noch kleine Kinder, erklärt sie. Das heißt, dass sich die Helfer auch selbst gut organisieren müssen.

Ärzte versuchen täglich in der Turnhalle eine Sprechstunde zu geben

Fast 20 Teilnehmer seien es in der Dolmetschergruppe, wie deren Ansprechpartnerin Tais Rozzo berichtet. In der Gruppe „Kleiderkammer“ sind es rund 30 Personen. In der „Ärztegruppe“ beziehungsweise dem Fachbereich Medizin zeichnen Dr. Michaela Fabri und Dr. Katharina Dziura verantwortlich. Sie sind vernetzt mit Kollegen aus verschiedenen Bereichen: vom Kinderorthopäden bis zum Frauenarzt. Sie sind bemüht, täglich in der LTG-Turnhalle eine Sprechstunde anzubieten.

Eines der dringlichsten Anliegen sei nach wie vor, Wohnungen für die Geflüchteten aus der Ukraine zu finde, schildert Carla Fischer. Jeder, der für mindestens ein halbes Jahr eine Unterkunft zur Verfügung stellen möchte, kann sich bei ihr per E-Mail an carlaschafh@gmx.de melden.

Kindergartenbetreuung ab September eine große Herausforderung

Priens Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) äußert sich gegenüber den OVB-Heimatzeitungen tief beeindruckt über die „enorm große Hilfsbereitschaft“ in der Marktgemeinde. „Ab Tag eins haben sich Ehrenamtliche bereiterklärt, zu unterstützen, wo es nur geht. Ich kann nur Danke sagen, das ist mit Worten gar nicht aufzuwiegen, was die Leute da alles neben ihrer eigentlichen Arbeit leisten.“ Die Ukrainehilfe und die Unterbringung der Flüchtlinge in der Turnhalle liefen nach seiner Einschätzung gut, wie er sagt: „Bislang sind keine gravierenden Schwierigkeiten an mich herangetragen worden.“ Er habe sich vor Kurzem mit Landrat Otto Lederer (CSU) in der Turnhalle ein Bild vom Ablauf gemacht. „Auch die Essensausgabe ist sehr gut organisiert“, so sein Eindruck. In der Halle sei es ruhig gewesen: „Die Leute sind einfach nur dankbar, dass sie da sein und zur Ruhe kommen können und aus dem Kriegsgebiet gerettet sind.“ Während in den Priener Schulen die ukrainischen Kinder bereits in „Willkommensklassen“ unterrichtet werden, blickt der Bürgermeister „gespannt“ darauf, wie ab September die Betreuung in den Kindergärten organisiert werden soll. „Wir können unseren eigenen Bedarf decken, allerdings haben wir nicht die Möglichkeit, die über 50 ukrainischen Kinder, welche derzeit in der Turnhalle untergebracht sind, in unseren Kindergärten aufzunehmen. Das wären zwei komplett neue Gruppen.“ Er hoffe angesichts dieser Krise, dass das Jugendamt flexibler mit den Plätzen umgehe und zum Beispiel statt der genehmigten 25 bis zu 28 Kinder in einer Gruppe zulasse. Bislang habe er aber noch keine Information, wie der Landkreis hier vorgehen wolle.

Landkreis mietet Wohnungen

Auf Anfrage berichtet Landratsamtspressesprecherin Ina Krug, dass am Montag 121 Personen aus der Ukraine in der LTG-Turnhalle in Prien untergebracht waren. Die Zahl ändere sich ständig, da auch Bürger aus der Ukraine in die Halle kämen, die zunächst privat untergekommen waren, dort aber nicht bleiben könnten. „Andere reisen weiter oder ziehen in private Unterkünfte“, so Krug. Auf die Frage, wie viele der Menschen vom Landkreis aus der Turnhalle in private Unterkünfte verlegt werden konnten, berichtet sie von einer siebenköpfigen Familie. „Wir wissen aber, dass viele andere Familien die Halle bereits verlassen haben.“ Insgesamt habe der Landkreis aus den Turnhallen der Region bisher 70 Personen in anderen Unterkünften untergebracht. 24 Objekte mit rund 180 Plätzen seien angemietet. Weitere Mietverträge würden gerade vorbereitet. Oft müsse der Landkreis die Wohnungen aber erst einrichten. Man gehe aber davon aus, dass ab nach dem Osterwochenende verstärkt Menschen aus den Hallen in andere Unterkünfte verlegt werden könnten.

Kommentare