Prien: Altes Boot sucht Heimathafen

Der historische Chiemsee-Renner steht in Prien-Stock und ist schutzlos der Witterung ausgesetzt. Er soll deswegen einen neuen Standort bekommen. Wo, ist noch nicht klar.
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Der historische Chiemsee-Renner steht in Prien-Stock und ist schutzlos der Witterung ausgesetzt. Er soll deswegen einen neuen Standort bekommen. Wo, ist noch nicht klar.

„Hat Jemand eine Idee für einen alternativen Standort?“ Priens Bürgermeister Andreas Friedrich sorgt sich, der beliebte „Chiemsee-Renner“ auf den Schären in Prien-Stock könnte durch die Witterung eines Tages Schaden nehmen.

Prien– Mit Andrea Hübner von der PriMa und Chiemsee-Schifffahrt-Geschäftsführer Michael Feßler stattete Friedrich vor Kurzem dem „Renner“ einen Besuch ab.

Dieser ist nahe dem König-Ludwig-II-Denkmal mit direkter Sicht auf das Königsschloss von Herrenchiemsee positioniert.

Vom Chiemsee nach Starnberg und zurück

„Er passt thematisch zwar sehr gut an diese Stelle“, findet Friedrich, „leider ist er dort den Witterungs- und Umwelteinflüssen schutzlos ausgeliefert.“ Ein neuer Standort wäre schön – einzige Bedingung: „Dieser muss Bezug zu Wasser beziehungsweise zum Chiemsee haben.“ Alternativ sei es auch denkbar, den „Renner“ einzulagern bis eine passende Neu-Nutzung möglich ist. Dieses Anliegen unterstützt Michael Feßler.

Chiemsee-Gefährt mit einem Baustil wie er auf Bildern der Chiemseemaler

Schließlich war dieChiemsee-Schifffahrt zwischenzeitlich Besitzer des „Renners“. „Der Renner ist ein typisches Chiemsee-Gefährt mit einem Baustil wie er auf Bildern der Chiemseemaler zu finden ist. Mit dem Ende der Fronleichnamsprozessionen auf und um die Fraueninsel Anfang der 1970er Jahre wurde er vom Kloster nicht mehr gebraucht“, erinnert er sich. Zudem sei für den Lastentransport bereits seit 1968 die Fähre Kampenwand im Einsatz gewesen. „Deshalb kam der Renner vom Kloster zu uns.“ 1987 aus Stahlblech nachgebaut, sei er bis heute zum Materialtransport für den Stegbau im Einsatz. Um den Renner gut steuern zu können, habe es einer eigenen und anstrengenden Ruder-Technik bedurft, „wobei vorne zwei Ruder und hinten ein Ruder waren“.

Leihgabe an Südbayerischen Schifffahrts-Museum

Die Chiemsee-Schifffahrt stellte das Gefährt dem in Starnberg geplanten Südbayerischen Schifffahrts-Museum zur Verfügung. Nachdem aber in Starnberg dem Buchheim-Museum der Vorzug gewährt wurde, kam im Jahr 2010 der „Renner“ wieder zurück an den Chiemsee. „Wohin jetzt mit dieser großen, 12,5 Meter langen und 2,4 Meter breiten Rarität?“ – das war dann die Frage und so wurde er der Gemeinde Prien und dem dortigen Heimatmuseumübertragen.

Zuschlag an Priener Firma Feßler

Wie Michael Feßler noch weiß, hätte sich damals auch die Gemeinde Seebruck für das Boot interessiert, doch die Priener bekamen von der Firma Feßler den Zuschlag. „Der Renner ist ein Objekt, das insbesondere für die nachkommenden Generationen von großer Bedeutung ist“: Damit ist sich der Priener Kulturbeauftragte und Leiter des Heimatmuseums, Karl J. Aß, einig mit Bürgermeister Friedrich, der es ebenfalls wichtig findet, den „Renner“ für die Nachwelt zu erhalten.

Aß weiß zum letzten noch erhaltenen „Chiemseerenner“ zudem zu berichten: „Das Schiff ist ein inventarisiertes Objekt des Heimatmuseums Prien und hat beinahe dieselbe Bedeutung wie der letzte Chiemsee-Einbaum auf dem Dachboden des Museums, der vom Maler Josef Wopfner im 19. Jahrhundert gerettet wurde. Zur Zeit seiner Sicherung war dieser Einbaum fast neuwertig, ebenso wie jetzt der Renner“.

Einhausung zum Schutz gibt es nicht

Nachdem die Marktgemeinde Prien von der Firma Feßler den „Renner“ gestiftet bekam, wurde er zuerst eingelagert, dann vor dem Heimatmuseum im Ortszentrum zeitweise gezeigt und schließlich als neuer Standort für ihn die Landzunge in Prien-Stock ausgesucht.

Einer gewünschten Einhausung, um der Verwitterung entgegenzuwirken, wurde von der Staatlichen Verwaltung der Bayerischen Schlösser und Seen nicht zugestimmt, sodass der „Renner“ seit einigen Jahren ungeschützt ist.

„Das soll sich jetzt aber ändern, deswegen machen wir diesen Aufruf gleichsam einer aktiven Bürgerbeteiligung“, kündigt Bürgermeister Friedrich gegenüber unserer Zeitung an. Was ist Ihre Meinung zum Thema? Wo würde der „Renner“ Ihrer Meinung nach gut aufgehoben sein? Schreiben Sie uns an leserbriefe@ovb.net.

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