Prien: Abiturfeier an der Priener Waldorfschule: „Sie werden mir fehlen!“

Fünf stolze Absolventen stellvertretend für den Abiturjahrgang 2019/20: (von links) Jaël Gerl, Kevin Austria, Luc Kobberger, Magdalena Schellenberger und Leander Roller.
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Fünf stolze Absolventen stellvertretend für den Abiturjahrgang 2019/20: (von links) Jaël Gerl, Kevin Austria, Luc Kobberger, Magdalena Schellenberger und Leander Roller.

Unglaublich stolz bin ich auf Euch“, begann Schulleiterin Evelyn Bukowski ihre Rede an die diesjährigen Abiturienten der Freien Waldorfschule Chiemgau. „Und nachdem ich Euch jahrelang gequält habe, wie man eine Rede hält, stehe ich nun hier vor Euch und möchte Euer Wohlwollen gewinnen.“

Prien –„ Der Grund ihrer Rede sei heute ein kurios anmutendes Zertifikat - das Abitur. Das Abitur, das versucht ein menschliches Jahrzehnt in einer Zahl zusammenzufassen. Und dennoch kann diese Zahl ein Stück Zukunft bedeuten. „Doch fragen Sie sich immer: Wollen Sie diese oder eine andere Zukunft?“, appellierte Bukowski an das Kritikvermögen der jungen Erwachsenen.

Auf diese außergewöhnliche Vorbereitungszeit eingehend, gab Bukowski zu bedenken, dass vor der Corona-Krise die Angst vor Computerviren die Vorherrschende gewesen wäre, nun hätte man es mit reellen Viren zu tun. „Doch meist wurden Krisen analog bewältigt“, gab sie Mut an die jungen Erwachsenen weiter.

Mut und Kritikvermögen gewünscht

Mut und Kritikvermögen waren auch der Tenor der Verabschiedungsworte der verschiedenen Fachlehrer. Sie betonten ihre Hoffnung, die jungen Menschen mit ausreichend Feuerlöschern für die Bekämpfung der Brandherde dieser Erde ausgerüstet zu haben. Ideale sind wie Sterne, man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich an ihnen orientieren. Und: Nur tote Fische würden mit dem Strom schwimmen. Das Abitur könne ein Schlüssel sein, doch gute Resultate sollten nicht zum Hochmut führen, wichtig soll ihnen immer die Frage bleiben, wie man sich in der Welt auf Augenhöhe begegnen kann.

Bei der Überreichung der Zeugnisse wurde für jeden Abiturienten ein passendes Lied abgespielt. „Wie Ihr vielleicht festgestellt habt, war kein einziger ruhiger Song dabei, so war die 13. Klasse mit Euch“, schloss Bukowski schmunzelnd, dennoch werde ihr jeder Einzelne fehlen.

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Auf die von Freundschaft geprägte Zeit an der Priener Waldorfschule blicken die Schüler dankbar zurück: „Die Erfahrungen, die wir bei Praktika und Klassenfahrten gesammelt haben und die Freiheit für Auslandsaufenthalte, sind und bleiben ein Geschenk.“ Die Vorbereitungen auf die Abiturprüfungen in der Zeit der Schulschließung beurteilen sie unterschiedlich. Manche waren froh, dass sie ihren eigenen Lernrhythmus bestimmen konnten, für manche war die Motivation beim alleinigen Lernen schwieriger. Die Prüfungstermine nicht genau zu kennen, zehrte an den in dieser Zeit eh schon dünnen Nerven. Mitfühlend denken sie auch an die nächste Abschlussklasse, die mit viel „Homeschooling“ und einer großen Ungewissheit in ihr Prüfungsjahr im kommenden Herbst gehen wird.

Mit dem Zeugnis in der Hand richten die jungen Menschen den Blick jedoch nach vorne und bei vielen ist die Rede von Reisen, Arbeiten bei Hilfsorganisationen, Musiker ohne Grenzen, andere Kulturen kennenlernen und Lebenserfahrung sammeln. Ein Studienbeginn kann meist ein Jahr warten. syb

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