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Praxen in finanzieller Not

Viel Arbeit - wenig Geld: Die Hausärzte im Landkreis Traunstein schlagen Alarm. Weil die Rechnung nicht mehr aufgeht, droht die Schließung von Praxen. In einem Gespräch mit Melanie Huml, Staatssekretärin im bayerischen Gesundheitsministerium, in Traunstein im "Parkhotel" machten Hausärzte ihrem Ärger Luft.

Traunstein - Landtagsabgeordneter Klaus Steiner betonte die besondere Bedeutung einer hochwertigen und flächendeckenden ärztlichen Versorgung auf dem Land gerade in einem Flächenland wie Bayern. Sie auch in Zukunft gewährleisten zu können stelle vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung mit immer mehr alten Menschen eine enorme Herausforderung dar.

Nach den Worten von Staatssekretärin Huml sind sich Bund und Länder einig, dass mit einem "Versorgungsgesetz" gehandelt werden müsse. Die Grundzüge dafür lägen bereits vor und würden aus bayerischer Sicht einige Verbesserungen beinhalten. "Für die Hausärzte relevante Neuregelungen betreffen vor allem die Arztniederlassung, die ärztliche Vergütung, die Nachwuchsgewinnung und die Bedarfsplanung", so Huml.

Für den Planungsbereich Traunstein sei grundsätzlich eine Überversorgung für nahezu alle Arztgruppen festzustellen. Huml räumte jedoch ein: "Der Versorgungsgrad sagt nichts über die Verteilung der Ärzte im Planungsbereich aus. Generell gibt es eher eine Konzentration in den Ballungsräumen, während im ländlichen Raum immer wieder lokale Versorgungsengpässe beklagt werden." Deshalb solle nach dem Willen der Bayerischen Staatsregierung die Bedarfsplanung künftig regionalisiert und flexibler gestaltet werden.

In der Diskussion machten die Hausärzte ihrem Unmut deutlich Luft. Laut Dr. Rudolf Bauer aus Siegsdorf hörten die Hausärzte von Seiten der Politik seit langem, wie wichtig sie seien. "Die tatsächliche Lage für uns ist aber immer nur schlechter geworden."

Durch die aus Sicht der Hausärzte vollkommen haltlose, fristlose Kündigung der Hausarztverträge im vergangenen Dezember zuerst durch die AOK, dann durch fast alle übrigen Kassen sei es zu einem drastischen Verfall der Hausarzthonorare gekommen. Ohne diese Verträge bekomme der Hausarzt für die Rundumbetreuung eines Patienten jetzt nur noch etwa 15 Euro im Monat. Dazu komme, dass ein Teil dieses ohnehin schon beschämenden Honorars festgehalten und nicht ausgezahlt werde. "Dadurch geraten immer mehr Hausarztpraxen unverschuldet in ernste finanzielle Bedrängnis. Das ausbezahlte Geld reicht jetzt zum Teil nicht einmal mehr zur Bezahlung von Personal und Räumen", so mehrere Hausärzte unisono.

Diese von den Krankenkassen herbeigeführte Lage halte jeden jungen Arzt davon ab, einen frei werdenden Hausarztsitz im Landkreis zu übernehmen. "Wer will denn unter diesen Umständen nach einem langem Studium und fast ebenso langer Weiterqualifizierung eine Praxis mit einem zwölf- bis vierzehnstündigen Arbeitstag und anschließender Nacht- und Wochenendbereitschaft bei gleichzeitig immenser Verantwortung übernehmen", fragte der Sprecher der Hausärzte, Dr. Martin Metz, aus Übersee. Daher sei mittlerweile der früher sehr begehrte Landkreis Traunstein mit Hausärzten unterversorgt, wodurch sich die Lage in den kommenden Jahren zuspitze, auch weil mehr als die Hälfte der ansässigen Hausärzte älter als 55 Jahre seien und in absehbarer Zeit ihre Praxis aufgäben.

"Wir brauchen endlich wirtschaftliche Planungssicherheit für unsere Praxen", forderte Dr. Metz stellvertretend für alle Anwesenden, ansonsten gingen sie entweder pleite oder müssten mangels Nachfolger schließen. Dann hätten die Bürger keine hausärztliche Versorgung mehr vor Ort durch "ihren" Hausarzt, sondern allenfalls ein anonymes Versorgungszentrum in der Kreisstadt. "Wer als Hausarzt tätig ist, kann nur wie ein Kaufmann oder ein Seelsorger arbeiten. Sorgen Sie mit all Ihren politischen Möglichkeiten dafür, dass unsere Köpfe endlich wieder frei werden für unsere eigentliche Aufgabe, dem Dienst am Menschen", sagte Dr. Metz an die Adresse von Staatssekretärin Huml. bjr

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