Polizei Prien verzeichnet immer mehr Fälle: Kriminelle springen auf Corona-Zug auf

Oft ist Vandalismus ein Ärgernis und ruft die Polizei auf den Plan. Manchmal sind Graffiti aber auch künstlerisch anspruchsvoll, wie dieses Werk an der Eisenrichter-Unterführung in Prien. Berger
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Oft ist Vandalismus ein Ärgernis und ruft die Polizei auf den Plan. Manchmal sind Graffiti aber auch künstlerisch anspruchsvoll, wie dieses Werk an der Eisenrichter-Unterführung in Prien. Berger
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Die Corona-Pandemie versuchen sich auch immer mehr Kriminelle zunutze zu machen. Die Polizei Prien verzeichnet einen Anstieg der Betrugsfälle übers Internet und rät Bürgern zur besonderen Vorsicht.Zwei speziell geschulte Beamte kümmern sich um solche Verbrechen.

Prien – Die Corona-Pandemie versuchen Kriminelle für ihre Zwecke auszunutzen. Die Beamten der Polizeiinspektion (PI) Prien verzeichnen in den vergangenen Monaten vermehrt Betrugsfälle im Zusammenhang mit Corona. Zum Beispiel tauchen öfter Mails eines angeblichen Bundesamts bei Bürgern im Postfach auf, in denen Kreditvergaben angeboten werden für Private oder Geschäftsleute, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind.

Das berichtete PI-Leiterin Karin Walter aus aktuellem Anlass bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2019 für die zwölf Gemeinden im Inspektionsbereich.

Zwei Beamte spezialisiert auf Internetfälle

Seit Jahren verzeichnet die PI wie alle anderen Polizeidienstellen schon einen stetigen Anstieg der Internetkriminalität. In der PI Prien gibt es inzwischen zwei speziell geschulte Beamte dafür, berichtet Walter. Die Polizei muss versuchen, mit den immer neuen Maschen der Kriminellen Schritt zu haslten. Grundsätzlich müsse sich jeder Beamte mit solchen Fällen auseinandersetzen.

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Wie raffiniert die Betrüger im Netz zu Werke gehen, hat die PI-Leiterin gerade erst am eigenen Leib zu spüren bekommen. Kurz nachdem sie ein Paket verschickte, habe sie eine täuschend echt aussehende Mail der angeblichen Post bekommen mit dem Hinweis, sie habe ihr Päckchen nicht ausreichend frankiert und solle nachzahlen.

Internetkriminalität ist ein bedeutender Faktor

„Die Kriminellen versuchen es immer wieder mit neuen Tricks“, warnt auch Walters Stellvertreter Peter Hans die Bürger zur Wachsamkeit und zum gesunden Misstrauen gegenüber Unbekannten vor dem Bildschirm. Den Ordnungshütern ist bewusst, dass die Dunkelziffer wohl weit höher ist als die Zahl der Taten, die aktenkundig werden.

In der Jahresbilanz 2019 der PI Prien ist die Internetkriminalität ein wichtiger Faktor dafür, dass die Zahl der Straftaten von Höslwang bis Sachrang im Jahresvergleich um etwa 260 auf 1783 deutlich gestiegen ist. Zuletzt gab es 2016 so viele Straftaten. Danach war die Zahl gesunken. Walter relativierte die Statistik aber im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Änderungen bei der Erfassung von Online-Verbrechen seien auch eine der Ursachen für die gravierende statistische Steigerung.

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Losgelöst von den Zahlen der Statistik sei die Sicherheitslage im Inspektionsbereich unverändert gut, sagt die Chefin, die vor einem Jahr die Leitung der Inspektion übernommen hatte.

70 Prozent der Taten in Prien werden aufgeklärt

Während die Zahlen der Diebstähle und Einbrüche 2019 im Vergleich zum Jahr davor leicht gesunken sei, bereitet Walter die hohe Zahl der Sachbeschädigungen Kopfzerbrechen, die vor allem in den größeren Orten im PI-Bereich vorkommen, also vor allem in Prien, Bernau und Bad Endorf. „Das haben wir auf dem Schirm“, versichert Walter und verweist darauf, dass Streifenbeamte schon mal einen Blick in den ein oder anderen Rucksack werfen, um zu kontrollieren, ob Sprühflaschen darin versteckt sind.

Unverändert auf einem hohen Niveau ist die Aufklärungsquote der 40-köpfigen Priener PI-Mannschaft. Knapp 70 Prozent aller Taten konnten die Beamten aufklären.

Fast keine Kriminalität auf der Fraueninsel

Die meiste Arbeit machen der Polizei Körperverletzungen, Diebstähle, Vermögensstraftaten und eben Sachbeschädigungen. Je nach örtlichen Besonderheiten schwanken die Zahlen. So wurden in Bernau zum Beispiel mit 113 die mit Abstand meisten Rauschgiftdelikte aktenkundig, bedingt durch die Justizvollzugsanstalt, für die die PI Prien Walter zufolge einen eigenen Ermittlungsbeamten abgestellt hat.

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Fast eine Insel der Seligen ist dagegen Frauenchiemsee. Dort ermittelten die Polizisten 2019 wegen drei Diebstählen und einer Körperverletzung – das wars.

Lockdown lässt die Kriminalität zurückgehen

Im größten Ort und Inspektionssitz Prien gab es im vergangenen Jahr 146 gemeldete Diebstähle, 85 sogenannte Vermögensstraftaten, also zum Beispiel Betrugsfälle im Internet, 80 Rauschgiftdelikte, 79 Sachbeschädigungen und 58 Fälle von Körperverletzung.

Im nächsten Jahr wird die Statistik wohl erfreulich ausfallen, was die reinen Fallzahlen betrifft. Walter zufolge gingen die Straftaten heuer von März bis Mitte April „gegen Null“. Corona-bedingt waren die Bürger zuhause, Touristen nicht da, Geschäfte und Lokale geschlossen. Auch auf den Straßen war es ausnehmend ruhig. Sachbearbeiter Wolfgang Schlemer musste kaum Unfälle aufnehmen. Das änderte sich ab Pfingsten schlagartig. Am Feiertagswochenende krachte es im Inspektionsbereich gleich viermal heftig.

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