Drei Jahre und vier Monate Gefängnis

Polizei hebt Drogenlager in Prien: Kokain, Amphetamine und Ecstasy in der Regentonne

Sichergestellte Ecstasy-Tabletten: Neben Streckmitteln können sie andere psychoaktive Stoffe sowie weitere, gesundheitlich stark bedenkliche Substanzen enthalten. Bei einer Hausdurchsuchung in Prien wurden unter anderem 900 solcher Tabletten, Amphetamine und Kokain gefunden.
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Sichergestellte Ecstasy-Tabletten: Neben Streckmitteln können sie andere psychoaktive Stoffe sowie weitere, gesundheitlich stark bedenkliche Substanzen enthalten. Bei einer Hausdurchsuchung in Prien wurden unter anderem 900 solcher Tabletten, Amphetamine und Kokain gefunden.
  • vonTheo Auer
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In der geschlossenen Therapie sieht das Rosenheimer Schöffengericht die letzte Chance für einen süchtigen Dealer aus Prien. Er war schon einmal auf Entzug, kam aber nicht von den Drogen weg und begann, damit zu handeln. Seine Vermieterin fand Stoff im Wert von 30.000 Euro in der Regentonne.

Prien – Bei einer Hausdurchsuchung in Prien wurde die Polizei auf einen Mann aufmerksam, der just Reißaus nehmen wollte, als er die Beamten kommen sah. Dabei ließ er, offenbar in Panik, einen Rucksack zurück, in welchem die erstaunten Kriminaler 31.000 Euro fanden. Am Rucksack wurden DNA-Spuren entdeckt, die sowohl auf den Mann aus der Wohnung, als auch auf einen anderweitig Gefahndeten hinwiesen.

Kokain, Ecstasy und Amphetamine

Weil jener wegen einer einschlägigen Vorverurteilung beim Rauschgift-Dezernat bereits aktenkundig war, erfolgte am 19. Februar dieses Jahres auch bei ihm eine Hausdurchsuchung. Dabei wurde zunächst über ein Kilogramm Haschisch gefunden. Noch heftiger wurde es, als sich die Vermieterin des 34-Jährigen meldete, weil sie in der Regentonne am Haus eine wasserdichte Tasche entdeckt hatte, mit deren Inhalt sie nichts zu tun haben wollte. Mit knapp 300 Gramm Kokain, an die 40 Gramm Amphetamine und knapp 900 Ecstasy-Tabletten waren hier von dem Angeklagten im Verkaufswert von nahezu 30.000 Euro gebunkert worden.

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Der gebürtige Rosenheimer zeigte sich umfassend geständig, weigerte sich aber, sowohl Lieferanten als auch Kunden aus den Drogengeschäften zu benennen. Bereits mit 14 Jahren, gab er zu Protokoll, habe er begonnen, Cannabis zu rauchen, mit 15 sei er zu Amphetaminen und Kokain übergegangen. 2004 war er zu einem Kurzzeit-Entzug im InnSalzach Klinikum.

Tat während der Bewährung begangen

Zwischenzeitig sei er erneut schwer suchtkrank geworden und habe versucht, seinen Drogenbedarf mit dem Handel von Betäubungsmitteln zu finanzieren. Keineswegs könne man bei ihm eine verminderte Schuldfähigkeit feststellen, so Gutachter Dr. Josef Eberl aus dem InnSalzach Klinikum. Er halte einen Maßregelvollzug zur Drogentherapie nach § 64 Strafgesetzbuch für notwendig und erfolgversprechend. Der Staatsanwalt erklärte bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht Rosenheim – das unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat tagte –, dass bei einer solchen Menge Drogen und der entsprechend hohen Straferwartung normalerweise das Landgericht in Traunstein zuständig wäre.

Zumal der Angeklagte seine Taten in offener, einschlägiger Bewährung begangen hatte. Dies würde zwingend den Widerruf der Bewährungsstrafe aus der Vorverurteilung bedeuten. Nur, weil hier ein umfassendes Geständnis vorliege, könne es bei einer Strafe von drei Jahren und zehn Monaten bleiben.

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Verteidiger Rechtsanwalt Harald Baron von Koskull machte ebenfalls auf die gewaltige Strafsumme aufmerksam, welche durch den Bewährungswiderruf entstünde.

Anwalt bat um milderes Strafmaß

Er bat darum, seinen geständigen Mandanten umgehend in den, auch vom Staatsanwalt beantragten, Maßregelvollzug zu überstellen. Das neue Strafmaß, müsse zwei Jahre und sechs Monate nicht überschreiten. Das Gericht befand das Strafmaß von drei Jahren und vier Monaten dagegen für angemessen. Auch verfügte es die allseits beantragte Unterbringung in den Maßregelvollzug.

„Dann können sie an einer echten Rehabilitierung selbst arbeiten“, so die Richterin. „Sollten sie dabei versagen, so verlieren Sie nicht nur eine letzte Chance, ihr Leben auf die Reihe zu bringen. Dann würden Sie auch für viele Jahre hinter Gefängnismauern verschwinden.“

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