LESERFORUM

Politik des leeren Stuhls

Leserbrief zum Bericht „Vier Bürgermeisterkandidaten sagen Teilnahme an Podiumsdiskussion ab“ im Lokalteil:

So kurz vor der Wahl haben die vier Bewerber um das Bürgermeisteramt eine große Chance verspielt, als sie ihre Teilnahme an der Podiumsdiskussion des Bund Naturschutz (BN) verweigerten.

Der Saal war voll besetzt, die Fragen der Teilnehmer waren mehr als relevant und die Antworten der beiden Bürgermeisterkandidaten Philipp Bernhofer (Bernauer Liste) und Severin Ohlert (Grüne) ebenso. Während Bernhofer auf viele Erfolge bei Ökologie und Umwelt verweisen konnte, zeigte Ohlert Ansatzpunkte für mehr Natur- und Arten-schutz auf.

Das Fehlen der vier Kandidaten stieß auf Unverständnis. Peinlich war deren Begründung in einer gemeinsamen Stellungnahme. Demnach sei „keine Neutralität“ zu erwarten. Stimmt: Der BN steht für Naturschutz. Aber befürchteten sie etwa einen einseitigen Diskussionsverlauf? Ist ihnen der einladende Moderator Peter Kasperczyk nicht aus seiner Zeit im Bernauer Gemeinderat bekannt, wo er als absolut sachlicher und kompetenter Gesprächspartner sehr geschätzt war?

Nein, offenbar haben die vier keine Antworten auf die ihnen vorher bekannt gegebenen Fragen. Meinen sie etwa, sie könnten Entscheidungen für unsere Gemeinde treffen, ohne die Belange der Umwelt einzubeziehen? Sind für sie Fragen der Energie und der Luft- und Lärmbelastung nur sekundär?

Wie sie auf diese Herausforderungen reagieren wollen, haben die Bernauer jetzt nicht erfahren. Aber die eigentliche Botschaft dieses Boykotts sehr wohl verstanden: Wir brauchen für Bernau gestandene, erfahrene Persönlichkeiten, die das Format und den Willen haben, auch übergrei-fende Ziele in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Und bei allen Weichenstellungen den nötigen Weitblick besitzen, denn es geht auch in Bernau um die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen.

Dr. Rainer Pausch

Bernau

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