Platz für Wohnraum dringend gesucht

Grassau – Der Marktgemeinderat Grassau hat sich in einer Sitzung mit Einwendungen und Anregungen beschäftigt, die im Bauleitverfahren für das neue Baugebiet an der Adersbergstraße in Rottau eingereicht wurden.

Von den 19 beteiligten Behörden haben einige eine Stellungnahme abgegeben. Überrascht hatte dabei die Stellungnahme des Kreisbaumeisters, der von einer Ausweisung des Baugebiets abrät und auf den Ortsrand verweist. Dem meinte Bürgermeister Rudi Jantke (SPD) dazu: Das Traunsteiner Bauamt übersehe, dass durch die Aussiedlung eines Viehstalles und den Bau einer neuen Lagerhalle der Ortsrand bereits massiv verändert wurde.

Die Untere Naturschutzbehörde rät von einer Bebauung ab, spricht davon, dass der Rottauer Bach die bauliche Entwicklung begrenze. Dies ist in der Natur durch den landwirtschaftlichen Aussiedlerhof ebenfalls nicht mehr gegeben. Zugleich stimmte der Rat der Forderung der Naturschutzbehörde nach mehr Ausgleichsflächen zu. Die Regierung von Oberbayern stimmte dem Bebauungsplan zu, sofern der Bedarf an Wohnbauflächen entsprechend der demografischen Entwicklung nachgewiesen werden kann. Jantke legte hierzu die vom Bauamt gefertigte und auf den Zahlen des statistischen Bundesamtes beruhende Bedarfsanalyse Wohnraum vor.

Bevölkerungszuwachs steigt in Grassau

Laut statistischem Landesamt wird die Grassauer Bevölkerung in den kommenden 20 Jahren um 600, also um 8,8 Prozent, auf 7400 Einwohner wachsen. Berücksichtigt werden 400 Nebenwohnsitze, derzeit seien es 330 Nebenwohnsitze. Die Baulandpreise in Grassau stiegen von 250 Euro im Jahr 2010 auf 550 Euro im Jahr 2018, was einem Anstieg von 120 Prozent innerhalb von acht Jahren entspricht.

In Rottau ist entsprechend der Wohnraumanalyse der Baulandpreis von 180 Euro auf 330 Euro, also um 85 Prozent in acht Jahren gestiegen. Bis zum Jahr 2037 werde für einen realen Einwohnerzuwachs von 600 Personen sowie einen fiktiven Zuwachs von 400 Personen zusätzlicher Wohnraum für 1000 Personen benötigt. Für diese wären in den kommenden 20 Jahren rund 520 Wohneinheiten erforderlich.

Die Verdichtung und Neuausweisung im Plangebiet Adersbergstraße trage zur Deckung des Wohnbedarfs anteilig bei. Mit dieser Wohnraumanalyse könne belegt werden, dass Bedarf für die vier Doppelhäuser im Plangebiet bestehen, so Jantke. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein fordert einen Uferstreifen von zehn Metern zum Bernauer Bach, der von jeder Bebauung freigehalten werden soll.

Das, so Jantke, würde aber eine komplette Änderung des Bebauungsplans bedeuten. Abgelehnt wird das Vorhaben auch vom Landwirtschaftsamt, das auf die Immissionen des landwirtschaftlichen Betriebs und auf künftig noch strengere Immissionsschutzregelungen verweist. Mit drei Gegenstimmen (Winfried Drost, Mehdi Akbari, Hans Genghammer) wurde der erneute Auslegungs- und Billigungsbeschluss gefasst. tb

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