FRANZISKA-HAGER-MITTELSCHULE

Planen, wenn „Transferfenster“ schließt

Die Regale im Keller sind voll. Heuer gibt es für alle Sechstklässler einen kompletten Satz neue Bücher, die dem neuen Lehrplan plus angepasst sind, der seit einem Jahr gilt. Rektor Hans-Joachim Reuter (rechts) und sein Stellvertreter Marcus Hübl lesen sich schon mal ein. db

Die Spekulationen um Neuverpflichtungen überschlagen sich an Schulen gegen Ferienende mitunter wie im Profifußball, bevor Ende August das Transferfenster schließt und keiner mehr wechseln darf. Pädagogen sagen erst zu – und dann doch wieder ab. Das heißt für die Stundenplanung manchmal: Zurück auf Anfang.

Prien – In der guten alten Zeit wurde der Stundenplan noch mit Kärtchen an einer Steckwand zusammengestellt. Heute undenkbar. Konrektor Marcus Hübl fütterte an der Franziska-Hager-Mittelschule (FHM) in Prien an den letzten Ferientagen ein Spezialprogramm des Computers mit vielen Daten: Fächerkombinationen der Lehrer in Relation mit den Pflichtstunden pro Fach und Jahrgang laut Lehrplan, Verfügbarkeit von Fachräumen und Turnhallen, Teilungsmöglichkeiten der Klassen für Gruppenarbeiten, Stundenkontingente von Teilzeitkräften – solche und viele andere Parameter bilden die Grundlage für die große Rechenaufgabe der Software.

Vor ein paar Tagen hätte die Franziska-Hager-Mittelschule noch eine Sportlehrerin gebraucht, dann wäre alles unterm Strich aufgegangen. Es war aber keine mehr zu finden. Also stellte Hübl das Programm wieder auf Null.

Rechtzeitig zum Schuljahresbeginn waren dann doch alle knapp 800 Wochenstunden der 20 Klassen durchgeplant. 69 Kinder kommen neu an die Schule, eine der drei Fünften wird eine Ganztagsklasse.

Die sogenannten gebundenen Ganztagsklassen, in denen die Teilnahme die ganze Woche verpflichtend ist, sind seit Jahren fester Bestandteil des Angebots der Priener Mittelschule. Zusätzlich gibt es die offene Ganztagsschule, für die Kinder individuell auch nur für bestimmte Tage angemeldet werden können, je nach Bedarf und Möglichkeiten der Eltern.

Dass Mütter und Väter auch im Chiemgau immer öfter als Doppelverdiener den Lebensunterhalt bestreiten müssen, lässt sich auch daran ablesen, dass die Nachfrage für Kinderbetreuung an Schulen außerhalb des Unterrichts stetig steigt. Bis zu 120 Mittagessen werden mittlerweile von Hans Blösl und seinem Team ausgegeben, erzählen Rektor Hans-Joachim Reuter und sein Stellvertreter Hübl im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Die Kinder aus der Grundschule nebenan sind eingerechnet. Der große Zulauf mag auch ein bisschen daran liegen, dass Blösl die Speisen frisch zubereitet. Für 4,20 Euro bekommt der Schüler eine Hauptspeise mit Salat, Getränk und Nachspeise.

Wegen der Menge müssen manche Schüler in Klassenzimmern essen, wenn die Mensa voll ist, obwohl die Mittagszeiten ohnehin schon zeitlich gestaffelt werden. Nicht nur die Schulleitung beobachtet deshalb mit großem Interesse die Planungen der Gemeinde für eine offene Ganztagsschule mit vier Gruppen auf dem alten Hartplatz neben der Turnhalle. Zusätzlicher Platz für Mittagspausen scheint notwendig, zumal heuer ja die Priener Kindergärten überraschend großen Zulauf haben (wir berichteten) und diese Mädchen und Buben in drei Jahren Grundschüler werden.

Im 41-köpfigen Kollegium der FHM gibt es auch heuer ein paar neue Gesichter. Zwei Vollzeit-Lehrkräfte kommen nach Prien.

Überschaubar ist Reuter zufolge die Zahl der Kinder aus Migrantenfamilien, was vor allem daran liegt, dass 20 ausländische Mädchen und Buben aus dem Schulsprengel Prien in eine spezielle Deutschklasse in Bad Endorf gehen, bis man dort glaubt, dass ihre Deutschkenntnisse ausreichen, um am regulären Unterricht in Prien teilzunehmen.

Mit 406 Schülern (167 Mädchen, 239 Buben) ist die Gesamtzahl im Jahresvergleich nahezu konstant. Über zwei Drittel sind Fahrschüler, kommen also per Bus oder Bahn in die Schule.

Die Klassen sind vergleichsweise klein, was für Schüler und Lehrer gleichermaßen angenehm ist, etwa 20 Kinder sind es im Schnitt.

Sie sollen im Sinne politischer Vorgaben sensibel an das Thema Digitalisierung herangeführt werden. „Wir setzen uns kritisch mit den Möglichkeiten eines sinnvollen Einsatzes digitaler Medien auseinander“, betont Hübl, dass es um Modernisierung mit Augenmaß gehe. Handys müssen auf dem Schulgelände ausgeschaltet sein, in Abstimmung mit dem Elternbeirat hat die FHM vor wenigen Jahren auch ein Handyverbot im Skilager verordnet und laut Hübl damit nur gute Erfahrungen gemacht.

Bei der Integration neuer Medien in den Unterricht stößt die FHM aber auch an praktische Grenzen. Die Schule verfügt Hübl zufolge nur über einen Internet-Sammelanschluss mit 20 Mega bite (MB).

Ebenfalls an Kapazitätsgrenzen stößt die FHM beim Sportunterricht. Weil Kontingente der schuleigenen Halle unter anderem an die staatliche Realschule abgetreten werden müssen, müssen Mittelschüler dreimal in der Woche zum Turnen nach Bernau fahren. Eine zusätzliche Möglichkeit, sich zu bewegen, wird voraussichtlich noch heuer auf dem Schulgelände geschaffen. In Abstimmung mit der Gemeinde soll ein „Pumptrack“ gebaut werden, also eine Querfeldeinpiste mit Sprungschanzen für Mountainbiker.

Und auch dem Umweltschutz werden sich die Schülerinnen und Schüler auf dem Areal im neuen Schuljahr widmen, kündigte Reiter an. Jede Klasse werde eine kleine Parzelle der Grünanlagen pflegen.

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