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Instagrammer „runwiththeflow“

„Pläne machen mich verrückt!“ - Florian Neuschwander aus Inzell rennt trotzdem allen davon

Um in den Bergen laufen zu können, ist Florian Neuschwander extra nach Inzell gezogen.
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Um in den Bergen laufen zu können, ist Florian Neuschwander extra nach Inzell gezogen.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Inzell – Wer an Langstreckenlauf denkt, hat wahrscheinlich strenge Ernährungs- und Trainingspläne und disziplinierte Sportler vor Augen. Dass es auch kann anders gehen kann, beweist Florian Neuschwander aus Inzell. Der 41-Jährige rennt dennoch nicht nur extrem weite Strecken, sondern hat auch 114000 Follower auf Instagram auf seinem Kanal „runwiththeflow“.

Herr Neuschwander, wie sind Sie zum Laufen gekommen?

Florian Neuschwander: Ich laufe eigentlich schon seit 26 Jahren und bin seitdem dreimal um die Welt gerannt. Es war eher Zufall: 1996 hat ein Freund bei einem Waldlauf mitgemacht und hat mich gefragt, ob ich nicht spontan auch mitlaufen will. Damals war ich noch im hinteren Feld, aber so kam das alles. 1997 habe ich dann meinen ersten Lauf gewonnen.

Wird Ihnen das nicht manchmal langweilig?

Neuschwander: Ok, wenn das Wetter nicht so toll ist, dann hab ich auch wenig Lust. Aber ich brauch das einfach, ich mache das ja schon so lange jeden Tag.

Keine Ruhetage?

Neuschwander: Nein. Ich versuche es mit Abwechslung. Es gibt ja hier in der Region so viele Strecken, das wird noch dauern, bis ich die alle kenne.

Sie kommen ja ursprünglich aus dem Saarland – wie geht‘s Ihnen mit den Bergen?

Neuschwander: Ich laufe eigentlich am liebsten am Berg. Aber ganz ehrlich: Es ist schwierig an Die Profis, die in den Bergen aufgewachsen sind ranzukommen. Hannes Namberger ist auch ein Kumpel von mir und wir trainieren manchmal gemeinsam.

Wie viel trainieren Sie in der Woche?

Neuschwander: Das sind so 100 bis 150 Kilometer, manchmal auch 200 Kilometer. Es sind so zehn bis 16 Trainingsstunden. Ruhetage mache ich nur, wenn ein Wettkampf bevorsteht.

Wie ist denn da Ihr Kalorienbedarf?

Neuschwander: Der ist ziemlich hoch! (lacht) So viel kann man eigentlich gar nicht futtern, um das reinzukriegen. Der Körper ist das wohl einfach so gewöhnt. Ich gehe das nicht wissenschaftlich an, ich mach einfach mein Ding. Ich habe eigentlich immer Energie.

Sie ernähren sich vegan: War das eine bewusste Entscheidung für den Sport?

Neuschwander: Nein. Tatsächlich ist meine Frau Veganerin und zuhause haben wir schon lange vegan gelebt. Aber ich hab unterwegs schon auch mal Burger gegessen. Das hat sich dann einfach so entwickelt. Natürlich ernähre ich mich gesund, aber ich habe auch keinen Ernährungsplan. Pläne machen mich verrückt. Ob ich sportlich von der veganen Ernährung profitiere, weiß ich eigentlich gar nicht. Ich glaube nicht, dass ich dadurch schneller oder ausdauernder bin. Aber ich habe das Gefühl, dass ich recht schnell regeneriere. Vor Kurzem bin ich 100 Kilometer gelaufen und drei Tage später war alles wie immer.

Das klingt ganz anders wie bei vielen Läufern, die alles detailliert planen und verbissen umsetzen.

Neuschwander: Ich hab einfach meinen eigenen Ansatz. Ganz vorne kann ich wahrscheinlich eh nicht mithalten. Ich habe da eher andere Ziele. Ich würde zwar gerne beim Mont Blanc Ultra Trail (UTMB) mitlaufen, aber da geht es eher ums dabei sein. Dafür bin ich vielleicht eher bei 100 Kilometer auf der Straße laufen. Einen Trainingsplan habe ich nicht, wobei ich schon weiß, was ich brauche. Aber ich will halt Spaß haben.

Bekommen Sie auch mal Kritik für Ihren unkonventionellen Ansatz?

Neuschwander: Direkt nicht. Aber ich höre schon mal, dass ich viel besser sein könnte, wenn ich nach Plan trainieren würde. Aber das ist mir ehrlich gesagt egal. Das funktioniert für andere, aber nicht für mich. Die jungen kann ich eh nicht schlagen und ich mach dann lieber eigene Challenges.

Ist diese Leichtigkeit denn überhaupt so etwas, was Sie durchs Leben begleitet?

Neuschwander: Ja, das mach ich eigentlich nur so. Klar gehen auch mal Sachen schief, aber jetzt bin ich 26 Jahre dabei und hab immer noch Lust. Es gibt einfach viele Läufer, die an Plänen verzweifeln. Ich kann mich eigentlich ganz gut einschätzen. Und manchmal kommt auch einfach was ungeplantes, kürzlich hatte ich eine Grippe und dann noch Corona. Ich hab mich dann durchchecken lassen. Es war alles in Ordnung, aber mir fehlt halt Training, das ich jetzt nachhole.

Sie haben ja auch den Weltrekord über 100 Kilometer auf dem Laufband aufgestellt. Ist das nicht sehr eintönig?

Neuschwander: Ich hatte ja virtuelle Mitläufer, die mir auch Nachrichten geschrieben haben oder mich anfunken konnten. Das lenkt dann schon ab. Im Winter laufe ich auch öfters auf dem Laufband. Man muss ja auch sehen, dass man da gute Bedingungen hat: Kein Gegenwind, Getränke in der Nähe, kein Rucksack und man kann eine kurze Hose anziehen.

Gibt es wirklich einen Trailrunning Boom?

Neuschwander: Auf Social Media schon. Aber wenn ich hier laufen gehe, bin ich meistens komplett alleine und sehe nur ganz selten Läufer.

Sie haben über 100000 Follower auf Instagram. Sehen Sie sich als Influencer?

Neuschwander: Nein. Ich bin da als Profi-Sportler, der da einfach das macht, worauf er Lust hat. Vielleicht ist das das Geheimnis.

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