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LOTHAR OBERMAIER UND WOLFGANG SCHNAITER

Pioniere im Kajak: Zwei Bernauer erinnern sich an das Wildwasser-Abenteuer ihres Lebens

Wolfgang Schnaiter und Lothar Obermaier (v.l.) in Bernau-Felden auf dem Chiemsee – Obermaier im übrigen mit seinem Original-Boot von 1973, mit der er in der Türkei unterwegs war.
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Wolfgang Schnaiter und Lothar Obermaier (v.l.) in Bernau-Felden auf dem Chiemsee – Obermaier im übrigen mit seinem Original-Boot von 1973, mit der er in der Türkei unterwegs war.
  • Anton Hötzelsperger
    vonAnton Hötzelsperger
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Lothar Obermaier und Wolfgang Schnaiter sind Kajak-Pioniere. Ihr größtes Abenteuer war 1973 eine 400 Kilometer lange Erst-Wildwasser-Fahrt in der Türkei auf den Flüssen Kelkit und Yesilirmak in Richtung Schwarzes Meer. Zwischendurch landeten die beiden sogar im Gefängnis.

Bernau – Auslöser für die Türkei-Exkursion war ein Aufenthalt von Lothar Obermaierim Jahr 1968 am Fluß Euphrat. Trainiert haben er und Wolfgang Schnaiter in heimischen Gewässern, etwa auf der Tiroler Ache oder der Saalach. Erste sportliche Erfahrungen und Erfolge hatten sie vorher schon bei nationalen und internationalen Wildwasser-Wettbewerben mit dem damaligen Verein „Chiemgauer Wildwasserfahrer Bernau“ gesammelt. Ihr größter Erfolg war mit einem C-2-2er-Kanadier-Stechpaddel der Zweite Platz bei der Österreichischen Staatsmeisterschaft im Jahr 1971.

Mit einfacher Ausrüstung unterwegs

Der 82-jährige „Lodschi“ Obermaier und derzehn Jahre jüngere „Wolfi“ Schnaitererinnern sich gerne an ihr Abenteuer, in dass sie sich nur mit Kajak und Camping-Zelt ausgerüstet ohne die heutigen modernen Kommunikationsmöglichkeiten und ohne Navigationsgerät stürzten.

Vier Wochen dauerte die Exkursion mit einer Anreise von 4000 Kilometern über Bulgarien und Griechenland in den Osten der Türkei bis unterhalb des Berges Arrarat. Lothar und Wolfgang erinnern sich noch gut und gerne: „Überall wurden wir mit großer Gastfreundschaft empfangen, für Kinder und Familien hatten wir Kleinigkeiten dabei, mit unseren wenigen Sprachkenntnissen kamen wir zurecht und wir waren überrascht, welch großes Interesse unsere im Jahr 1968 gebauten Klepper-Kajaks hervorriefen“.

Eine Nacht im Gefängnis verbracht

Start mit schwer beladenen Kajaks war ein paar Kilometer unterhalb der Ortschaft Kelkit. Die Reise brachte Obermaier und Schnaiter sogar einen Gefängnisaufenthalt ein. So mussten sie sich einmal an Land retten und wurden plötzlich am Ufer von bewaffneten Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett empfangen.

„Wir standen in Verdacht, Russische Kommunisten zu sein und das ganze Tal aufzuwiegeln“, erzählen sie. „Nach einer abenteuerlichen, stundenlangen Jeep-Fahrt, steckte man uns bei Wasser und Brot ins Gefängnis. Die Aktion stellte sich schnell als Irrtum heraus. Bei einem versöhnlichen Essen am Morgen hat man sich bei uns entschuldigt, und unsere Expedition konnte fortgesetzt werden.“

Unterwegs auf unbekanntem Gewässer

Da der Wasserstreckenverlauf vorab unbekannt war, wurde immer auf Sicht gefahren. „Zwischen den Felsen und Schwellen fuhren wir nach Gehör und nach dem Fluß-Charakter, zum Teil war das psychisch sehr belastend. Wir waren ein eingespieltes Team und hatten keine Angst. Was überwog, war die Faszination, dass wir bislang unbefahrenes Gewässer meisterten, die Schönheit einer filmreifen Landschaft sowie, dass wir das Rauschen und Donnern im Wasser genießen konnten“, erklären die neugierigen Naturburschen aus dem Chiemgau.

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Sie machten auch auf den Straßen neue Erfahrungen und Bekanntschaften, denn ihr Auto machte ob der langen Strecke und der miserablen Straßenzustände mehrmals schlapp. „Dank der freundlichen Leute und unseres kleinen Sprachführers, den wir dabei hatten, gab es bei den Reifenpannen immer wieder eine Reparaturmöglichkeit und es ging weiter.“

Grenzenlose Gastfreundschaft

Lothar und Wolfgang können es heute fast selbst nicht glauben, dass die Abenteuerreise vor 48 Jahren mit damaligen Mitteln so gut gelang. „Was bleibt, sind die freude an der Erinnerung und die Gewissheit, dass Gastfreundschaft grenzenlos ist.“ Am Ende der Yesilirmak-Schlucht entstand 1973 ein Staudamm. So waren Wolfgang Schnaiter und Lothar Obermaier vermutlich die letzten Kajakfahrer, die diese Schlucht durchfuhren – als Wildwasser-Pioniere aus Bernau.

Verein besteht heute nicht mehr:

In der Zeit als Lothar Obermaier und Wolfgang Schnaiter aktiv waren, gab es den Verein „Chiemgauer Wildwasserfahrer Bernau“. Der Verein, den Obermaier zuweilen als Vorstand führte und bei dem Schnaiter Kassier war, hatte nur ein gutes Dutzend Mitglieder. Einige Mitglieder schlossen sich später dem Kajak-Club Rosenheim an, der Chiemgauer Verein löste sich wieder auf. Marktführer bei den Kajaks war damals die Firma Klepper in Rosenheim. Von dieser Firma stammten auch die Boote, mit denen Obermaier und Schnaiter 1973 in die Türkei fuhren.

Königlich fahren auf dem Chiemsee:

Mit dem Kajak auf dem Chiemsee unterwegs sein, das beschreibt Lothar Obermaier so: „Auf dem stillen Wasser dahingleiten, das ist ein königliches Gefühl.“ Weiter ergänzt er: „Seeufer und Berggipfel sind besondere Orte, ebenso jene Plätze, an denen Wasser und Land zusammentreffen.“ Zu beachten für die Wildwasser- oder Kajak-Fahrer auf dem See sind die Ufer- und Schutzzonen sowie die entsprechenden Schilder. An Land gehen kann der Kajak-Sportler sowohl bei der Fraueninsel als auch bei der Herreninsel westlich vom Königsschloss.

Eindrücke von der Abenteuer-Kanu-Reise im Jahr 1973 in der Türkei.

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