Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Zwischen Missmut und Misstrauen

Pfingsturlaub: Tourismusbetriebe am Chiemsee klagen über Ungewissheit

Volle Kraft voraus: Das würde sich für Pfingsten nicht nur die Chiemsee-Schifffahrt wünschen. Aber ob so viele Gäste wie auf dem Bild von 2019 kommen dürfen, ist ungewiss.
+
Volle Kraft voraus: Das würde sich für Pfingsten nicht nur die Chiemsee-Schifffahrt wünschen. Aber ob so viele Gäste wie auf dem Bild von 2019 kommen dürfen, ist ungewiss.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
    schließen

Pfingsten naht und Priens Touristiker hängen sorgenvoll in der Schwebe: Obwohl es seitens der Politik bereits die eine oder andere frohe Botschaft gibt, weiß man weder bei der Chiemsee-Schifffahrt noch in der Hotellerie etwas Konkretes zum Pfingsturlaub. Das stimmt missmutig und auch misstrauisch.

Prien – Der Tourismus zu Pfingsten? Michael Feßler von der Chiemsee-Schifffahrt greift bei dieser Frage auf ein geflügeltes Wort antiken Ursprungs zurück: „Wir wissen nur, dass wir nichts wissen.“

Dabei ließ Staatsministerin Michaela Kaniber gestern in einer Pressemitteilung verlauten: „Gute Aussichten für unsere Betriebe und Gäste“. Urlaub auf dem Bauernhof soll zum 21. Mai wieder möglich sein, sowie Gäste- und Naturführungen. Vorausgesetzt, die Vorgaben der Bundes-Notbremse werden eingehalten und die 7-Tages-Inzidenz im betreffenden Landkreis liegt unter 100.

Man könnte sofort loslegen – theoretisch

Doch Gäste wollen nicht nur auf den Bauernhof, sie wollen im Chiemgau zum Beispiel auch mit dem Schiff auf die Inseln fahren, vielleicht eine Gästeführung mitmachen oder ziehen einen Hotelaufenthalt vor. Nur: In diesen Branchenzweigen weiß man noch gar nichts von den rosigen Pfingst-Plänen der Politik. Aber der Reihe nach.

Wäre der Inzidenzwert von 100 drei Tage hintereinander unterschritten, könnte man die Saison schon einläuten, sagt Chiemsee-Schifffahrts-Geschäftsführer Michael Feßler: „Geht es nach uns, könnten wir loslegen und aus dem Notbetrieb rauskommen.“

Niemand kann Inzidenz voraussagen

Jedoch: Niemand könne voraussagen, wie sich die Inzidenzen um Pfingsten herum entwickelten. Und dann sind da noch die Gedanken, wie man etwaige weitere Auflagen erfüllen könnte. Personal-Kapazitäten, um beispielsweise auch noch Impfpässe zu checken, sieht Feßler in seinem Betrieb keine. Die Mitarbeiter seien schon genug gefordert, Atteste für Maskenbefreiungen zu kontrollieren, ebenso wie die Einhaltung der Maskenpflicht.

Lesen Sie auch: Corona: Deutschlands Inzidenz sinkt nun gewaltig - Doch vor Pfingsten droht aber Chaos

Das wiederum wäre für Gästeführerin Helga Schömmer kein Problem, denn ihre Touristengruppen müssten heuer ohnehin kleiner sein als gewohnt und sicher sei auch ein Corona-Test für die Teilnahme erforderlich.

Auch sie hat noch keinen blassen Schimmer von den Plänen aus Kanibers Staatsministerium: „Aber freuen würde es mich. Vor allem würde ich so gern wieder eine Kirchenführung in Urschalling machen. Diese war vor dem zweiten Lockdown bis zuletzt besonders beliebt.“ Dass mit den Führungen bislang so gezaudert wurde, versteht sie nicht: „Man hält sich doch im Freien auf und kann bestens Abstand halten.“

Urlaub ist nicht planbar

Während Michael Feßler möglicherweise bis Pfingsten „noch viele freie Abende“ haben wird, wie er von sich sagt, hängt ein anderer permanent am Telefon. Für einen Hotelier wie Andreas Neuer sollte das eigentlich ein gutes Zeichen sein, aber: „Es handelt sich leider vor allem um Stornierungen.“

Sein Hotel Neuer am See sei im Mai fast ausgebucht gewesen, „aber über 50 Prozent haben schon wieder abgesagt.“ Wegen mangelnder Planbarkeit des Urlaubs und erwartbaren Stimmungs-Killern wie die Abhängigkeit vom Inzidenzwert in der Region. Öffnen, schließen, öffnen, schließen – „wie soll man so wirtschaftlich arbeiten können?“, fragt er sich und befürchtet, dass Gäste dann lieber ins Ausland fahren, weil sie es dort leichter haben. Bitter für ihn. „Unsere Mannschaft steht parat, wir sind bereit, aufzusperren“, sagt er.

Klage über Bürokratismus

„Aber wir kämpfen damit, was die Politik sich an nicht umsetzbaren Aufgaben und neuem Bürokratismus ausgedacht hat. Das zeigt klar, dass unsere Politiker keine Ahnung von der Praxis haben.“ Er nennt ein Beispiel aus der jüngsten Zeit: „Als es hieß, die Biergärten dürfen wieder öffnen, vergingen sieben Tage, bis wir auch endlich eine schriftliche Verordnung dazu erhielten.“

Das könnte auch interessant sein: Corona: Urlaub 2021 an Pfingsten doch noch nicht möglich? Ab wann Reisen wieder denkbar ist

Neun DIN A4-Seiten wegen einer Terrasse

Eine Woche, in der sein Telefon nicht mehr stillstand, „weil die Leute so viele Fragen hatten.“ Die Zeit und Nerven hätte er auch anders investieren können. Zum Beispiel in das Studium der neun DIN A4-Seiten, auf denen ihm detailliert erklärt wird, wie er die Öffnung seiner Terrasse handhaben solle.

Und dann sind da noch die 200 bis 400 Corona-Testkits, die er – ohne zu wissen, wie viele Gäste er beherbergen dürfte – bestellen muss, „das Stück für fünf Euro.“ Alles in allem eine „abenteuerliche Situation“. Er wünscht sich mehr Klarheit, und hätte für ein fixes Öffnungsdatum lieber eine noch längere Schließung in Kauf genommen, zur Not auch über Pfingsten.

Kommentare