„BETEN STATT GETÖSE UND MUMMENSCHANZ“

Pfarrei Prien dem 40-stündigen Gebet seit 270 Jahren verpflichtet

Der Stifter des 40-stündigen Gebets: der Priener Weißgerber Joseph Lechner (Gemälde von 1760, im Pfarrhof Prien).
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Der Stifter des 40-stündigen Gebets: der Priener Weißgerber Joseph Lechner (Gemälde von 1760, im Pfarrhof Prien).
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Corona verhindert Einhaltung eines Jahrhunderte alten Gelübdes: Die katholische Priener Pfarrgemeinde will das 40-stündige Gebet zu Beginn der Fastenzeit trotzdem feiern - aber in anderer Form.

Prien –Der Aschermittwoch liegt hinter uns, aus und vorbei ist’s mit der kalendarischen Faschingszeit, Fasten und Beten sind jetzt bis Ostern im kirchlichen Jahreskreis angesagt. Diese 40-tägige Fastenzeit wurde den Katholiken per Edikt im 11. Jahrhundert auferlegt. Recht streng wurde dies ab Mitte des 18. Jahrhunderts für die Priener Gläubigen mit einer kirchlichen Verpflichtung geregelt, die sich ein Handwerker bei der Pfarrei erkauft hatte – mit dem 40-stündigen Gebet.

Fasching fiel dem Virus zum Opfer

Dieser Handwerker – der Lechner Joseph – hätte seine wahre Freude gehabt, würde er heute noch leben: Das ausgelassene Treiben rund um den Fasching gab’s heuer auch im Markt Prien nicht, Maskenbälle, Umzüge und Partys fielen einem heimtückischen Virus zum Opfer.

Letztmalig kamen die Gläubigen im Februar 1988 in der (damals eingerüsteten) Kirche zum 40-stündigen Gebet während der Faschingszeit zusammen. Archiv Berger

Wobei dem Weißgerber aus dem Handwerkerviertel Gries posthum hier nicht unterstellt werden soll, dass er die Corona-Pandemie willkommen geheißen hätte, um dem „Getöse und Mummenschanz“ vor der Fastenzeit ein Ende zu bereiten.

„Die lasterhaften Umtriebe waren dem Priener zu arg“

Fakt aber ist: „Die lasterhaften Umtriebe waren dem Priener (1700–1778) wohl zu arg. Er hinterlegte 1751 bei der Pfarrei einen Geldbetrag mit der Auflage, durch Rosenkränze, Stiftsämter und Predigten dem damals allzu heftigen Faschingstreiben einen Riegel vorzuschieben“, wie im neuen Priener Heimatbuch zu lesen ist. Und weiter: „So wurden von diesem Jahr an vom Abend des Samstags bis zum Faschingsdienstag strenge Gebetstage eingeführt, zu denen lange Zeit auswärtige Prediger eingeladen wurden.

40-stündiges Gebet in die Fastenzeit verschoben

1989 wurde das 40-stündige Gebet unter Pfarrer Josef Preis in die Fastenzeit verschoben.“ Darüber hätte sich der Lechner Joseph sicherlich geärgert. Was ihn aber heuer besonders furchtbar gefuchst hätte: „Das 40-stündige Gebet können wir, wie so vieles andere in diesen Zeiten, nicht in gewohnter Weise begehen.

Das betrifft das Leben in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Kirche, in den Vereinen, ja in der ganzen Welt“, bedauert Werner Hofmann, Gemeindereferent der katholischen Pfarrei Mariä Himmelfahrt Prien. „Als Priener Pfarrgemeinde sind wir gegenüber dem Willen des Stifters zur Eucharistiefeier zum 40-stündigen Gebet und innerhalb unserer Erzdiözese zum Tag der Ewigen Anbetung verpflichtet. Dem wollen wir verantwortungsvoll folgen“, betont Hofmann.

Gemeindereferent Werner Hofmann.

Mit einer Alternative zu den Gebetstagen in der Kirche: „Da wir nicht in großer Zahl in der Kirche zusammenkommen dürfen, können wir uns verbinden im Gebet. Zu Hause innehalten, eine Kerze anzünden, mit der Familie beten, einen Rosenkranz beten, an Radio oder Fernsehen einen Gottesdienst mitfeiern oder ‚sinnvolle‘ Sendungen verfolgen“, schlägt er vor.

Ewige Anbetung am 27. Februar

„Am Samstag, 27. Februar, begehen wir den Tag der Ewigen Anbetung und feiern das Stiftungsamt zum 40-stündigen Gebet“, so Werner Hofmann. „Um 10 Uhr beginnt das Stiftungsamt zum 40-stündigen Gebet mit Aussetzung des Allerheiligsten, eucharistische Anbetung bis 18 Uhr.

Von 17 bis 18 Uhr gibt’s Beichtgelegenheit im Pfarrheim; zur gleichen Zeit ist Rosenkranzbeten und Andacht in der Pfarrkirche; um 18 Uhr Eucharistischer Segen und Einsetzung; ab 19 Uhr Wort-Gottes-Feier.“

Das 40-stündige Gebet im Wandel der Jahrhunderte

„Das 40-stündige Gebet in Prien wird seit 1751 gepflegt; seit dem Jahr 1989 aber nicht mehr im Fasching, sondern zu Beginn der Fastenzeit. Der für den Termin im Fasching ausschlaggebende Sühnegedanke hatte längst kaum mehr eine Rolle gespielt, vielmehr erhofften sich die Gläubigen von der Teilnahme Stärkung, Vertiefung und Erneuerung ihres Glaubens. Fand das Gebet zunächst am ersten Fastenwochenende statt, wurde es seit dem Jahr 2003 eine Woche später angesetzt, um den neu eingeführten Faschingsferien auszuweichen“, heißt es unter anderem im neuen Haimatbuch der Marktgemeinde Prien.

Prediger in den letzten „normalen“ Gebetstagen im März 2020 vor Ausbruch der Corona-Pandemie in der Priener Pfarrkirche war Dr. Winfried Haunerland. Der 64-Jährige ist Professor für Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München und Direktor des Herzoglichen Georgianums.

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