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Appell an die Politik

Pflegedienste vor dem Kollaps? Inflation und Personalnot machen Betrieben in Prien zu schaffen

Beate Bolz von der Ökumenischen Sozialstation gibt einem Patienten Medikamente.
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Beate Bolz von der Ökumenischen Sozialstation gibt einem Patienten Medikamente.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Vom Kollaps in der Pflege ist oft die Rede. Nun hat sich die Lage abermals verschärft: Inflation, hohe Energiepreise und Fachkräftemangel treffen auch Priener Betriebe in der Altenpflege. Dr. Marliese Biederbeck, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Landespflegerats, stellt einen dringenden Appell an die Politik.

Prien – Beate Bolz ist Geschäftsführende Pflegedienstleitung bei der Ökumenischen Sozialstation in Prien. Die Inflation hinterlässt auch in ihrem Betrieb Spuren. „Wir bekommen 4,92 Euro Anfahrtspauschale von den Kassen“, berichtet Bolz im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Auf den ersten Blick mag das gar nicht so schlecht klingen. Die enorm gestiegenen Benzinkosten seien ein Problem, räumt Bolz ein. Nur muss von den 4,92 Euro noch mehr bezahlt werden: „Das betrifft ja auch Reifen, Reparatur, Versicherung und schlussendlich auch die Finanzierung von neuen Fahrzeugen.“

Kurze Strecken, viel Verschleiß

Man dürfe nicht unterschätzen, wie viel Verschleiß anfalle. „Dadurch, dass nur kurze Strecken gefahren werden, brauchen wir meist alle anderthalb Jahre eine Batterie“, sagt Bolz. Auch Kupplung, Bremsen und Reifen müssen oft ersetzt werden. Früher hatten die Landkreise und Kommunen einen Zuschuss zu den Investitionskosten gegeben, erzählt Bolz. Nur gebe es den nicht mehr. Die Investitionskosten werden daher seit einigen Jahren an die Pflegebedürftigen weitergereicht in einem von der Regierung genehmigten Prozentsatz.

„Jüngst haben wir eine sehr hohe Nebenkostennachzahlung bekommen und auch die Nebenkosten sind für das Folgejahr erhöht worden“, sagt Bolz. Sie könne den Vermieter verstehen, der habe schließlich auch höhere Kosten. Wobei die Inflation das eine Thema sei, der Mangel an Fachkräften aber das Hauptproblem. „Wir kennen das schon lange, aber in den vergangenen drei Jahren hat das enorm zugenommen“, sagt die Pflegedienstleiterin. Und mit dem Personal stehe und falle eben alles.

Es werde immer schwieriger, den Pflegedienst zu betreiben. „Wir sind zwar gemeinnützig, aber wir müssen dennoch unsere eigenen Kosten erwirtschaften“, sagt Bolz. Mit Spenden sei man bemüht, für Bedürftige die Zuzahlungen zu mindern.

Frage der Versorgungsgerechtigkeit

So sei es beispielsweise sehr herausfordernd, Menschen in abgelegenen Weilern zu versorgen. „Wenn unser Personal 15 bis 20 Minuten im Auto sitzt, ist das nur sinnvoll, wenn es dort mehrere Patienten gibt, die wir versorgen“, erklärt Bolz. Wobei sie mit „sinnvoll“ weniger den Profit meine, sondern die Versorgungsgerechtigkeit.

„In der Zeit könnten wir je nach Leistung ja zwei bis vier andere Pflegeempfänger versorgen, die sonst unter Umständen unversorgt bleiben, weil auch andere Dienste an ihrer Kapazitätsgrenze sind“, betont Bolz. Sie lehne Patienten aber nicht leichtfertig ab, es werde immer versucht, eine Lösung zu finden. Wobei man den Radius des Pflegedienstes im Vergleich zu früher schon eingeschränkt habe.

Besondere Situation

Im Priener Caritas Altenheim St. Josef ist die Situation derzeit speziell, berichtet Heimleiterin Theresia Meisl. Denn der jetzige Bau wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. „Wir haben die Bewohneranzahl inzwischen auf die Hälfte reduziert, weil der Neubau kommt“, sagt Meisl. Insofern treffe das Priener Altenheim der Fachkräftemangel derzeit nicht wirklich, weil man natürlich auch weniger Personal für weniger Plätze benötige.

St. Josef wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Schon jetzt sind dort weniger Plätze im Angebot.

„Gott sei dank sind die Mitarbeiter geblieben“, sagt Meisl. Denn sie bekomme mit, wie drastisch die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist. Trotz der besonderen Rahmenbedingungen in St. Josef ist aber auch Meisl nicht ohne Personalnöte: „Die Ausfälle durch Corona treffen uns auch.“ Sie mache sich auch Gedanken, wie das weitergehe mit den Fachkräften. „Die höchsten Kosten sind Personalkosten“, erklärt Meisl. Allerdings sei es schon ein Problem, dass auch andere Kosten durch die Inflation steigen: „Da müssen Nachverhandlungen geführt werden.“

Appell an die Politik

Das sieht auch Dr. Marliese Biederbeck, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Landespflegerats (BLPR), so: „Die Inflation – insbesondere die hohen Energiepreise – trifft die Pflegeeinrichtungen ganz besonders hart.“ Am Beispiel der ambulanten Pflege seien das unter anderem die hohen Spritpreise, die bisher durch die Kassen nicht refinanziert werden. In der Akut- und Langzeitpflege liege es besonders an den stark gestiegenen Energiepreisen, die die Einrichtungen belasten.

„Wir als BLPR appellieren an die Politik, auf die Pflege- und Krankenkassen einzuwirken, höhere Gebühren für die gestiegenen Betriebskosten zu vereinbaren“, sagt Biederbeck. Nur dann seien die Einrichtungen in der Lage, eine hochqualifizierte Pflege- und Gesundheitsversorgung sicherzustellen.

Das sieht auch Beate Bolz so und zieht einen Vergleich: „Wir bekommen 49 Euro in der Stunde für die Versorgung von Patienten. Jeder weiß, dass man deutlich mehr zahlen muss, wenn man sein Auto in die Werkstatt gibt.“

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