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Persönliches Jahrhundert-Kapitel ging zu Ende

Wenn es die Zeit erlaubte, kutschierte Rosi Oellinger, geborene Schuhbeck (rechts), auch schon mal kleine Patienten des „St.-Anna-Hauses“ auf der Ladefläche des Milchlasters durch Ruhpoldings Straßen. Links im Bild ihr Vater Michael Schuhbeck. Schick
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Wenn es die Zeit erlaubte, kutschierte Rosi Oellinger, geborene Schuhbeck (rechts), auch schon mal kleine Patienten des „St.-Anna-Hauses“ auf der Ladefläche des Milchlasters durch Ruhpoldings Straßen. Links im Bild ihr Vater Michael Schuhbeck. Schick

Ruhpolding – Sie war die erste Frau im Ort, die schon 1938, mit 18 Jahren, den Führerschein in der Tasche hatte – und lange die älteste in Ruhpolding geborene Bürgerin: Jetzt ist Rosa Oellinger, eine der betagtesten Chiemgauerinnen, im gesegneten Alter von 101 Jahren verstorben.

Sie saß täglichmit am Steuer

Mit ihrem Ableben geht ein persönliches Jahrhundertkapitel zu Ende; geprägt von weitreichenden Ereignissen und einschneidenden Lebenserfahrungen – und verbunden mit viel Arbeit. Denn schon früh musste die jüngste Schuhbeck-Tochter auf dem elterlichen Wimmer-Hof (heute Hotel Ruhpoldinger Hof) kräftig mit anpacken. Der frühe Tod der Mutter 1930 stellte die damals Zehnjährige sowie die ganze Familie auf eine harte Probe. Doch der Schicksalsschlag förderte ihre Fähigkeit, das Leben trotz aller Hindernisse zu meistern.

Kaum im Besitz des Führerscheins, saß sich täglich am Steuer, um mit dem Lieferwagen die Milch von den Gehöften rings um Ruhpolding einzusammeln, die in der elterlichen Molkerei weiterverarbeitet wurde.

Wenn es die Zeit erlaubte, legte sie auch schon mal auf Bitten der Ordensschwestern des nahegelegenen „St.-Anna-Hauses“ eine Spritztour mit den kleinen Patienten ein, die dort ihre Lungenkrankheiten auskurierten. 1942 lernte sie ihren späteren Mann, den gelernten Schriftsetzer Johann Oellinger aus Traunstein, kennen und lieben. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft wurde 1946 geheiratet. Beide Söhne sind heute angesehene Ärzte, die mitunter ehrenamtlich für die international tätige Vereinigung Interplast Germany in Entwicklungsländern aktiv sind.

Als naturverbundenes Paar betrieben die Oellingers zehn Jahre lang die Neue Traunsteiner Hütte auf der Reiteralm und verköstigten dort in Spitzenzeiten täglich bis zu 300 Skifahrer und Alpinisten. Auch privat zog es sie immer wieder auf die Gipfel der umliegenden Berge.

Emanzipation war für Rosi Oellinger schon in frühester Jugend kein Fremdwort. Dass sie als junge Frau mit Bravour die Führerscheinprüfung bestand, brachte ihr nicht nur in der Männerwelt allgemeine Hochachtung ein.

Zum Unterricht fuhr sie damals mit einer weiteren Kursteilnehmerin immer „schwarz“ nach Traunstein, wie sie an ihrem 100. Geburtstag augenzwinkernd erzählte. Die letzten zehn Jahre ihres Lebensabends verbrachte Rosi Oellinger im Seniorenheim SenVital.Ludwig Schick

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