Persönliche Nähe trotz Corona-Distanz

Bernau – Auf der Einkaufsliste stehen zwei Blumensträuße und der Zusatz – „einer für meine Frau und einer für Sie“: Der Einkaufsdienst des Bernauer Helferkreises schafft persönliche Nähe und das in Zeiten von Corona-Distanz.

Der Einkaufsdienst der sozialen Einrichtung ist eine Erfolgsgeschichte. Wer kann, der hilft. Solidarität lautet die Devise. Und dabei ist diese blumige Einkaufsliste nur einer von zahlreichen berührenden Momenten.

23 Dienste werdenpro Woche geleistet

Zusätzlich zu den Einkaufs- und Besorgungsdiensten durch Familienangehörige, Bekannte und Nachbarn sowie durch die Kranken- und Bürgerhilfe, konnten in der Corona-Hochzeit (Mitte März bis Ende Anfang Mai) durch das „CORNetzwerk Bernau“ durchschnittlich 23 zusätzliche und kontaktlose Dienste pro Woche geleistet werden.

Diese Anfragen konnten durch elf Koordinatoren meistens bereits in der ersten Stunde nach Anfrage zu einem oder einer der rund 70 gemeldeten Helfer vermittelt werden. „Die eingesetzten Helfer bewegten sich in der Hochzeit um die 20. Das heißt, sollte sich auch weiterhin ein Helferbedarf ergeben, sind Kapazitäten vorhanden beziehungsweise können kurzfristig aktiviert werden“, so Gregor Thalhammer (Helfernetzwerk-Organisator). Die in Anspruch genommenen Leistungen sind zwar leicht rückläufig (derzeit unter 20 pro Woche), aber nach wie vor wichtig, da sich zwar das Ansteckungsrisiko durch die geringeren Fallzahlen gesenkt hat, die grundsätzliche Ansteckungsgefahr jetzt im Juni nicht anders als im März ist.

Eine Helferin, Denise Galland, berichtet von ihren persönlichen Erfahrungen: „Ich kaufe für einen Haushalt ein. Dieser Haushalt gehört zu einer Risikogruppe. Den Haushaltsmitgliedern ist es bei dem Gedanken nicht sehr wohl, in Lebensmittelgeschäfte, wie Aldi, Penny, Edeka oder der Bäcker am Samstag, gehen zu müssen, in denen viele Personen gleichzeitig sind.“

Insgesamt geht es hauptsächlich um die Einkäufe von Lebensmitteln: Ein- bis zweimal die Woche fragt sie telefonisch die Einkaufsliste ab. „Dann erledige ich die Einkäufe zusammen mit meinen eigenen Einkäufen“, so Galland. An der Kasse rechne sie extra ab, damit ich einen Kassenbon habe. Die Lieferung stelle ich dann vor die Haustüre, klingle, entferne mich mindestens zwei Meter und winke. „Am Anfang habe ich jeden Einkauf separat bargeldlos überwiesen bekommen, mittlerweile führe ich eine kleine Abrechnungsliste, diesen netten Menschen war ein Vorschuss lieber“, so Galland.

Ansonsten ist schon mal viel geholfen, wenn man mal anruft und zuhört. Oder auch mal nachfragt, ob man eine kleine Erledigung machen soll, damit die Bernauer, welche gerade nicht unter Menschen dürfen oder können, sich nicht ganz vergessen fühlen. „Es sind oft Kleinigkeiten, wie einen Brief zur Post bringen oder eventuell am Friedhof zum Jahrtag eine Kerze anzünden“, erläutert die Helferin. Allerdings immer unter Auflage sämtlicher Schutzmaßnahmen für mich, meine Familie und diejenige, für die man Hilfe anbietet. Handschuhe, Mundschutz, Desinfektionsmittel und Abstand sind Pflicht. Mittlerweile wurden rund 50 Paare vermittelt, die Zahl wächst täglich weiter. Zwischenzeitlich hat die Einsatzleiterin Marion Philipp durch die Kranken- und Bürgerhilfe auch das Nähen von Masken angestoßen, die dann an ältere Bürger verteilt werden. Wer eine Maske benötigt, kann sich bei Rosmarie Steindlmüller melden unter Telefon 0 80 51/88 05. Es wird allerdings darauf hingewiesen, dass es sich hier nur um Masken handelt, durch die beim Tragen andere Menschen vor einer möglichen Tröpfcheninfektion geschützt werden.

Auch die Bernauer Hausärzte Dr. Zagorac, Dr. Althaus, Dr. Flaischlein und Dr. Jell, haben sich in einer Initiative zusammengeschlossen, um über die Osterfeiertage einen eigenen Bereitschaftsdienst in Bernau anzubieten. Die Flyer mit den entsprechenden Telefonnummern und Erreichbarkeiten liegen in den Bernauer Geschäften und der Apotheke auf. Hintergrund dieser Initiative ist die Erkenntnis, dass die allgemeine Bereitschaftsnummer 116117 schwer erreichbar ist und im Falle eines Notfalls nur schwierig ein Arzt kontaktiert werden kann.

Große Freudeüber schnelle Hilfe

Eine nette Episode haben Galland und ihr Mann beim Einkaufsservice erlebt: Hefe wurde von dem über 70-jährigen Pärchen, für das sie einkauften, benötigt. „Ganz dringend.“ Doch die Hefe war natürlich lange vergriffen. Ihr Mann, ein Koch, tat dann doch noch einen Würfel in einer anderen Stadt auf. Dafür musste er aber sogar seinen Helferausweis vorzeigen, da die Ausgabe reglementiert war. Die Freude bei dem Pärchen war groß. Und letztlich auch bei Gallands. Denn die Hefe war für einen Zopf für die beiden ehrenamtlichen Einkäufer gedacht. Sylvia Mischi

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