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„Wer den anderen kennt, fördert den Frieden“

Pendeln zwischen Nordafrika und Prien: Die Direktorin des Goethe-Instituts Marokko im Portrait

Von Marokko auf Stipvisite an den Chiemsee: Auf einer Bank am Herrnberg genießt Susanne Baumgart die Natur rund um Prien.
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Von Marokko auf Stipvisite an den Chiemsee: Auf einer Bank am Herrnberg genießt Susanne Baumgart die Natur rund um Prien.

Die Prienerin Susanne Baumgart leitet das Goethe-Institut Marokko. Wie sie an die Stelle kam, was sie an ihrem Job besonders begeistert und was internationale Gäste zu ihrer Heimat im Chiemgau sagen.

Von: Karla Sichelschmidt

Prien – Ihre Familie, die grüne Umgebung und die regionalen Käsespezialitäten vermisst Susanne Baumgart am meisten, wenn sie an ihr Zuhause in Prien denkt. Die 60-Jährige ist Leiterin des Goethe-Instituts Marokko und hat zugleich ihren Wohnsitz am Chiemsee. Schon 1992, zu Beginn ihrer Tätigkeit, wurde sie an das damals noch bestehende Goethe-Institut in der Marktgemeinde versetzt. Seitdem ist sie der Region verbunden und wohnt seit über zehn Jahren hier.

Ihre Laufbahn führte Susanne Baumgart nach Warschau, Tel Aviv und Kairo. Von dort aus baute sie ein Verbindungsbüro des Goethe-Instituts in Saudi-Arabien auf. „Schon seit meinem Politik-Studium interessiert mich der Nahe Osten,“ erläutert sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Auswärtige Kulturpolitik wichtig

„Ich kann mir einfach gut vorstellen, warum die Leute dort so handeln, wie sie handeln“. Auswärtige Kulturpolitik sei deshalb so wichtig, weil sie Begegnungen ermögliche. „Wer den anderen kennt, fördert den Frieden“.

Die Kulturveranstaltungen des Goethe-Instituts Marokko reichen von Breakdance bis Barockoper. „Im Frühjahr haben wir ein „Street-Art-Festival“ gemacht,“ erzählt die Institutsleiterin. Graffiti-Sprayer aus Deutschland und Marokko haben sich auf den Wänden der Dachterrasse verewigt. Eine Kunstprofessorin aus Berlin verknüpfte Tanz und „Action-Painting“ und Break-Dancer führten ihre komplizierten „Moves“ vor. „Damit haben wir vor allem viele jüngere Leute aus Marokko angesprochen, die mit klassischen Kunstformen weniger anfangen können,“ berichtet Baumgart.

Günstig war, dass sie eine Expertin als Mitarbeiterin hat: Friederike Frost, Sachbearbeiterin für Kultur, ist selbst „B-Girl“ (so nennen sich die Breakdancerinnen selbst), hat Sport mit Schwerpunkt Tanz studiert und schreibt ihre Doktorarbeit zum Thema „Die Entwicklung von Breakdance in Deutschland“.

Das Engagement von Susanne Baumgart und ihrem Team, die Kooperation mit dem marokkanischen Kulturministerium sowie die Finanzierung durch die Deutsche Botschaft machten es möglich, dass Ende September erstmalig die einzige in Marokko spielende Oper dort aufgeführt wurde. „Ormindo“ heißt die selten gespielte Komposition des italienischen Barockkomponisten Francesco Cavalli. Rund 600 Zuschauern verfolgten die Aufführung im Theater der marokkanischen Hauptstadt. Unter der Regie von Pascual Jordan und der künstlerischen Leitung von Thomas de Vries musizierte ein internationales Ensemble, und eine marokkanische Schauspielerin führte erzählend durch die komplizierte Handlung, die sich um Liebe, Betrug und Versöhnung dreht.

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„Nachdem es im vergangenen Jahr einige diplomatische Irritationen im deutsch-marokkanischen Verhältnis gegeben hatte, zeigte diese Aufführung, dass wir im Nachgang zum Besuch von Außenministerin Annalena Baerbock wieder gemeinsam große Kulturprojekte veranstalten können,“ erläutert Baumgart.

Vermittlung der deutschen Sprache

Als Direktorin des Goethe-Instituts ist Susanne Baumgart Vorgesetzte von fast 80 Personen. Hauptsitz der Institution ist die Hauptstadt Rabat, aber auch das größere Casablanca verfügt über einen erfolgreichen Sprachkursbetrieb. Etwa Dreiviertel der Belegschaft sind Marokkaner, der Rest Deutsche. „Die meisten Deutschen sind hier verheiratet und leben dauerhaft in Marokko.“

Die Vermittlung der deutschen Sprache ist neben der kulturellen Zusammenarbeit der zweite Eckpfeiler der Aktivitäten. 15.000 Deutsch-Prüfungen nehmen die dafür qualifizierten Goethe-Mitarbeiter pro Jahr in Marokko ab. „Viele junge Leute interessieren sich für ein Studium oder einen Ausbildungsplatz in Deutschland,“ erzählt Susanne Baumgart. Die Gesetzgebung zur Zuwanderung von Fachkräften ermögliche es, vor allem in den Bereichen Pflege, Handwerk und Gastronomie Ausbildungsplätze in Deutschland mit marokkanischen Bewerbern zu besetzen. Zwei Gastronomie-Azubis hat Baumgart zufälligerweise selbst bei einem Hotelaufenthalt in Reit im Winkl getroffen.

Begegnungen zweier Welten

Gelegentlich begegnen sich auch die zwei Welten, in denen Susanne Baumgart lebt. So hat die Firma „Bindewerk“ mit der Druckerei Rieder aus Prien ein Buch mit arabischen Kalligraphien für das Goethe-Institut Marokko produziert. Armin Pongs, Kinderbuchautor und Leseförderer aus Rimsting war schon auf Rundreise im nordafrikanischen Königreich. Und mit einer Gruppe von ägyptischen Fortbildnern hat sich Susanne Baumgart vor einigen Jahren auf der Fraueninsel einquartiert. „Die fanden es hier so unglaublich schön und haben gemeint, hier wäre das Paradies,“ fasst sie deren Eindrücke zusammen.

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