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Bayerisches Rotes Kreuz

Szenario mit Explosion und Massenpanik: Wie 191 Einsatzkräfte eine Großrettung in Traunstein übten

In der eigens eingerichteten Zentrale für Notfallkoordination des Klinikums Traunstein musste das Team um Chefarzt Prof. Dr. Kolja Gelse (Zweiter von rechts) zum Teil mehrere Schwerverletzte parallel sichten und versorgen.
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In der eigens eingerichteten Zentrale für Notfallkoordination des Klinikums Traunstein übte das Team um Chefarzt Prof. Dr. Kolja Gelse (Zweiter von rechts) die parallele Sichtung und Versorgung zum Teil mehrerer Schwerverletzter.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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Wo alles in Chaos und Panik verfällt, da müssen sie einen kühlen Kopf bewahren. Deshalb übten 191 Einsatzkräfte und das Klinikum Traunstein die koordinierte Versorgung vieler Verletzter bei einer Großrettung. Das vorgestellte Unfallszenario: Eine Party mit Pyrotechnik gerät aus dem Ruder.

Traunstein – „Helft mir, es tut so weh“ – Schmerzensschreie aus allen Richtungen, verwirrt herumlaufende Personen unter Schock und rund 32 Leicht-, Mittel- und Schwerverletzte, die an zum Teil schwer einsehbaren Orten liegen: Es war ein recht unübersichtliches Bild, mit dem sich die 191 Einsatzkräfte einer Großrettungsübung in Traunstein konfrontiert sahen.

Angenommen wurde, dass es bei einer Party mit Pyrotechnik zu einer Explosion mit Massenpanik und vielen Verletzten gekommen war. Ziel des fiktiven Unfallszenarios war es, das Zusammenspiel verschiedener Rettungskräfte des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) bei einem Massenanfall von Verletzten zu üben sowie deren organisierte Sichtung, Erstversorgung, Transport und Übergabe im Klinikum Traunstein. Die rund 35 Mitarbeiter des Klinikums Traunstein standen wiederum vor der Herausforderung, die im Minutentakt eintreffenden Verletzten zügig zu erfassen, die gesundheitliche Lage zu beurteilen und die passende Versorgung abzuwickeln.

Partygäste als Verletzte geschminkt

Mit eingebunden in das Übungsgeschehen waren neben den BRK-Rettungskräften aus Traunstein und den umliegenden Landkreisen auch Notärzte, Unterstützungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr Wolkersdorf, der Polizei- und Grenzpolizeiinspektionen Traunstein und Piding, des Malteser Hilfsdienstes sowie von Bergwacht und DLRG. Auch die Geschäftsführung der Kliniken Südostbayern war vertreten.

Zu Übungsbeginn hatte das Team für die Notfalldarstellung beim BRK mit Kollegen der Malteser die rund 45 „Partygäste“ auf dem Baugelände realistisch hergerichtet: Zwischen Baggerschaufeln, Baumaschinen und Steinhaufen lagen Verwundete mit blutenden Platz- und Schnittwunden, offenen Brüchen oder auch Schwerverletzte mit Brandwunden oder ohne Bewusstsein. Eine Frau mit Drogenvergiftung war hinter einem Kieshaufen zusammengebrochen. Halbversteckt zwischen Eisenträgern lagen zwei junge Männer mit simuliertem Polytrauma und Wirbelsäulenverletzung.

Mithilfe vorbereiteter Checklisten für Art und Schweregrad der Verletzungen gelang den Notfallsanitätern die schnelle Erfassung und Zuweisung der Verletzten.

Ziel der ersten eintreffenden Rettungskräfte war es, sich bei der Vorsichtung ein schnelles Lagebild der chaotischen Situation zu verschaffen und das weitere Vorgehen zu koordinieren. Trainiert werden sollte auch der Umgang mit der Verletztenanhängekarte. Anhand einer Checkliste konnten die BRK-Ersthelfer damit schnell den Verletzungsgrad und die Versorgungsdringlichkeit feststellen, während die Notärzte die Erstversorgung vornahmen.

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Im Klinikum Traunstein koordinierte das Team der Zentralen Notaufnahme unter Leitung von Prof. Dr. Kolja Gelse, Chefarzt der Unfallchirurgie, die medizinische Versorgung. Dafür wurde eigens eine Zentrale für Notfallkoordination eingerichtet.

Insgesamt 18 Rettungsfahrzeuge aus vier Landkreisen waren bei der Großübung in Traunstein im Einsatz, hier im Wartebereich in Wolkersdorf.

„Gelber Patient, Beckenfraktur, Kreislauf stabil“, lautete die Anweisung bei der Übergabe einer Patientin auf der Rettungsliege. Die begleitenden Rettungskräfte schilderten kurz die Situation. Die sichtenden Oberärzte fragten nach möglichen weiteren Verletzungen und prüften per Handdruck auf Bauch und Becken, ob weitere Beschwerden vorlagen. Eine Krankenschwester notierte die Fakten auf Klebezettel. Wo und wie die Patienten weiterbehandelt werden, zeigte die Übersicht auf einem Whiteboard: „rot – Operation, gelb – Intensiv, grün – Station“.

Alle Verletzten gut versorgt

Nach rund dreieinhalb Stunden waren alle Verletzten gut versorgt. Bei der Schlussbesprechung zog BRK-Übungsleiter Robert Hauptenbuchner Bilanz: „Wir sind froh, dass wir nach zwei Jahren Corona wieder in solchen Dimensionen üben können. Mit den Ergebnissen und dem Ablauf der Übung sind wir sehr zufrieden.“ Jakob Goess, Leiter Rettungsdienst des BRK in Traunstein, ergänzte: „Erkannte Verbesserungsmöglichkeiten werden wir in die Schulung der haupt- und ehrenamtlichen Rettungskräfte einfließen lassen.“ Chefarzt Dr. Maximilian Wiedemann bilanzierte als klinikinterner Übungsleiter: „Die Ersteinschätzung und unmittelbare Patientenversorgung hat sehr gut funktioniert. Die Übung hat uns gute Informationen gegeben, wie man gewisse Abläufe noch verbessern kann.“

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