Polizei löst Feier auf

Verstoß gegen Corona-Auflagen in Übersee: Party am Chiemsee-Ufer sorgt für Unverständnis

Bei schönstem Fön-Wetter saßen 30 ältere Herrschaften auf Bierbänken und feierten gemeinsam – ohne Abstand und Maske. Nachdem die Polizei kam, bleiben die Tische leer und die Teilnehmer erwartet ein Bußgeld.
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Bei schönstem Fön-Wetter saßen 30 ältere Herrschaften auf Bierbänken und feierten gemeinsam – ohne Abstand und Maske. Nachdem die Polizei kam, bleiben die Tische leer und die Teilnehmer erwartet ein Bußgeld.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Party-Tourismus ist am Chiemsee-Ufer in Feldwies nichts Neues. Dass nun 30 ältere Menschen in Feldwies eine Party ohne Abstand und Masken gefeiert haben, sorgt für Kopfschütteln im Ort.

Übersee – Am Dienstag, 20. Oktober 2020, hatte der Landkreis Traunstein den Corona-Inzidenzwert von 35 überschritten. Dies hielt 30 Menschen nicht davon ab, den Saisonabschluss ihres Vereins ohne Abstand und Masken einen Tag später am Chiemseeufer in Feldwies zu feiern – bis die Polizei die Party beendete.

„Da waren sogar die Kollegen überrascht“, sagt Polizeihauptkommissar Hans Huber von der Polizeiinspektion Grassau. Erlaubt waren nämlich angesichts der Corona-Warnstufe gelb maximal 10 Personen oder 2 Hausstände bei privaten Feiern und im öffentlichen Raum.

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Die Gruppe feierte zwar nach Polizeiangaben immerhin draußen, die Corona-Regeln beziehen sich jedoch nicht nur auf Innenräume, sondern gelten auch im freien Gelände.

Keine jugendlichen Partytouristen, sondern Ältere

Auffällig sei einerseits gewesen, dass es sich hauptsächlich um ältere Personen aus verschiedenen Gemeinden gehandelt habe, so Huber. Und eben nicht um jüngere Partytouristen, die an der Feldwieser Feiermeile einkehrten. Nicht erst seit diesem Sommer steht die Beachbar Übersee in der Kritik wegen der hohen Zahl von Besuchern.

Heuer nahm die Kritik spürbar zu angesichts der Corona-Krise. Aufnahmen von dicht gedrängten Menschen an der Beachbar führten immer wieder zu Diskussionen in Facebook-Gruppen. Echte Verstöße gegen Corona-Auflagen konnten dabei bislang allerdings nicht festgestellt werden.

Wenig Problembewusstsein

Betreiber Andreas König hat dennoch schon mehrfach Vorwürfe bekommen, die Beachbar sei zu überlaufen angesichts Corona. Die Feier am Mittwoch soll sich jedoch im westlichen Seeuferbereich von Feldwies nahe des FKK-Geländes zugetragen haben und nicht bei der Beachbar. Zwar hätte die Gruppe mit der Polizei kooperiert und die Feier sofort aufgelöst, aber auch Unverständnis geäußert und wenig Problembewusstsein gezeigt.

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Angesichts des Lock-Downs im Nachbarlandkreis Berchtesgadener Land und stetig steigender Zahlen auch im Landkreis Traunstein ist so eine Feier verwunderlich, wie Huber anmerkt. Für die Teilnehmer wird nun pro Person ein Bußgeld in Höhe von bis zu 250 Euro fällig.

Wer hat gefeiert?

In ganz Übersee wird gerätselt, welcher Verein dort so unvorsichtig gefeiert haben soll. Diese Information möchte die Polizei jedoch nicht preisgeben. Einige Vereine haben ihre Anlagen in Feldwies.

Sicher ist, dass weder der Segelclub Feldwies, noch die Wassersportgemeinschaft Katek oder der Anglerbund Chiemsee gefeiert haben. „Wir haben unsere Hütte wegen Corona geschlossen und halten uns an die Auflagen“, so Josef Schiller, Vorsitzender des Anglerbunds Chiemsee.

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Markus Speckbacher, Vorsitzender des Segelclubs Chiemsee-Feldwies, bestätigt ebenfalls, dass sich die Vereinsleitung strikt um die Einhaltung der Corona-Maßnahmen bemühe und aus diesem Grund viele Aktivitäten im Verein abgesagt worden seien. Ähnlich äußerst sich Franz Pöschl, zweiter Abteilungsleiter der Wassersportabteilung der Sportgemeinschaft Katek schließt sich an: „Wir haben uns an alles gehalten.“

Bürgermeister Bauerdick enttäuscht über die Party am See

Der Überseer Bürgermeister Eberhard Bauerdick hält das Verhalten der Teilnehmer für äußerst bedenklich und zeigt sich enttäuscht: „Wir haben eine Pandemie-Zeit, und die erfordert nun mal, dass jeder Einzelne sich an die Regeln hält.“ Diese schwere Zeit müsse man gemeinsam meistern.

„Ich appelliere an alle Bürgerinnen und Bürger mitzumachen“, so der Bürgermeister. Strengere Maßnahmen wegen der illegalen Feier seien seitens der Gemeinde nicht geplant.

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