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Spurensuche im Achental

Papst Benedikt XVI. in Nöten: Zahlreiche Besuche in Unterwössen belegbar

Die Wanderschuhe eines Ratzingers am Bichlhof in Unterwössen.
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Die Wanderschuhe eines Ratzingers am Bichlhof in Unterwössen.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Viele Menschen in Unterwössen reiben sich die Augen. Der emeritierte Papst will hier nie im Urlaub gewesen sein. So steht es zumindest im Missbrauchsgutachten. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich auf eine Spurensuche im Achental gemacht.

Unterwössen – Die Chiemgau-Gemeinde Unterwössen könnte beleidigt sein. Jahrelang rühmte sie sich, ein oft frequentierter Urlaubsort von Papst Benedikt XVI. gewesen zu sein. Doch nun behauptet das emeritierte Oberhaupt der Katholischen Kirche, dort nie Ferien gemacht zu haben. Diese für viele Menschen im Achental irritierende Bemerkung stammt aus dem Missbrauchsgutachten der Erzdiözese München-Freising.

In diesem für die Katholische Kirche brisanten Dokument wird als „Fall 22“ der schwere sexuelle Missbrauch an acht Jugendlichen durch Priester T. in Unterwössen geschildert. Der Nachfolger T.s in der Chiemgau-Gemeinde war Pfarrer N., ein enger Freund des Papstes schon aus Studientagen. Im Missbrauchsgutachten wurde der Papst gefragt, ob er Kenntnis über „Fall 22“ gehabt habe. Benedikt XVI. verneint dies, er verneint sogar jemals in Ferien in Unterwössen gewesen zu sein. 

Die OVB-Heimatzeitungen haben sich im Achental auf Spurensuche gemacht und zahlreiche Belege für Aufenthalte Ratzingers in Unterwössen gefunden:

Ein Ausflug an den Taubensee

Schon 1966 war der damalige Professor für Theologie in Unterwössen. Den OVB-Heimatzeitungen liegen drei Fotos vor, die den damaligen Joseph Ratzinger bei einem Ausflug am Taubensee zeigen. Der Taubensee gehört zum Teil zum Gemeingebiet Unterwössen, die Landesgrenze zu Österreich geht mitten durch den See. Ratzinger trägt auf den Aufnahmen einen Pullover, robuste Schuhe und eine Baskenmütze. Unterwegs ist er mit zwei anderen Männern. Es macht den Eindruck eines Wanderausflugs. Wie berichtet, hatte eine Quelle gegenüber unserer Zeitung angegeben, dass der spätere Papst schon in den 1960er Jahren in Unterwössen zu Gast war - als Urlauber. Mehrfach sei dies wegen der Freundschaft zu Pfarrer N. der Fall gewesen. 

Die Bergschuhe eines Ratzingers

Den OVB-Heimatzeitungen liegt auch ein Bild von einem Paar Wanderschuhe auf dem Bichlhof vor. Diese Schuhe wurden in der Boulevard-Presse als „die Bergschuhe des Papstes“ veröffentlicht. Nach Auskunft von Wolfgang Dausch, Sprecher der Barmherzigen Schwestern, die den Bichlhof früher besaßen, soll es sich jedoch nicht um Joseph Ratzingers Bergschuhe handeln, sondern um die seines Bruders Georg. 

Leger unterwegs „Am Hochgern“

Dass Joseph Ratzinger aber tatsächlich auf den Bergen im Achental unterwegs war, zeigt ein weiteres Bild aus dem Jahr 1995 aus einem privaten Foto-Album. Es zeigt Joseph Ratzinger und einen Unterwössner und ist betitelt mit „Am Hochgern“. Der Hochgern ist der Hausberg der Unterwössner, wobei ein Teil des Massivs auch in anderen Gemeinden liegt. Ob die beiden lediglich spazieren gegangen sind oder wandern waren, ist unklar. Joseph Ratzinger trägt allerdings Freizeitkleidung und keine kirchliche. Es ist nicht erkennbar, ob er besagte Wanderschuhe trägt. 

Die Orts-Chronik

In der Orts-Chronik der Gemeinde Unterwössen heißt es über den Bichlhof: „Die Bichlhof-Villa war dann in den 1980er und 1990er Jahren das Ferienziel von Kurienkardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt. Mit seinem Studienkollegen Pfarrer N. unternahm er ausgedehnte Bergwanderungen im Achental.“ Wolfgang Dausch, Sprecher der Barmherzigen Schwestern, fügt hierzu an, dass Ratzinger laut einiger Schwestern bei seinen Besuchen in Unterwössen am Katechismus gearbeitet haben soll. Es habe sich also um keine reinen Ferien gehandelt.  

Die Gemeindezeitung

Die Wössner Gemeindezeitung titelte am Freitag, 6. Mai 2005: „Unterwössen gratuliert dem heiligen Vater Papst Benedikt XVI.“ Unter dem Foto, das einen Besuch Ratzingers zeigt, steht: „In seiner Zeit als Theologieprofessor in Bonn, Tübingen und Regensburg, als Erzbischof von München und Freising und als Kurienkardinal in Rom hat er oft Urlaubstage in unserem Dorf verbracht und mit uns den Gottesdienst gefeiert.“

Abgesehen von den Hinweisen auf Ferienbesuche in Unterwössen gibt es auch zahlreiche Belege dafür, dass Joseph Ratzinger dienstlich im Ort war: 1978 war er beim Adventsingen zugegen, die Dokumentation seiner Predigt liegt den OVB-Heimatzeitungen vor. Inhaltlich ging es um das Thema Trost. Zudem liegen der Redaktion mehrere Fotografien vor, die Joseph Ratzinger bei Gottesdiensten zeigen, unter anderem aus dem August 1982 sowie aus dem April 85.  

Der „Fall 22“

Zu „Fall 22“ war Benedikt XVI. im Missbrauchsgutachten befragt worden, weil er ab 1977 Erzbischof der Diözese München-Freising war. Der Unterwössener Priester T. war nach Verbüßung seiner Strafe wegen sexuellen Missbrauchs an Jugendlichen in den 1970er Jahren zum Pfarrer befördert worden. Trotz seiner Vorgeschichte wurde er wieder als Seelsorger eingesetzt – auch im Bereich der Erzdiözese München-Freising.