Panne beim staatlichen Bauamt: Fehler in den Plänen für Umgehung von Prien-Prutdorf

Es geht sehr eng zu in der Ortsdurchfahrt von Prutdorf. Die Anwohner wünschen sich schon seit Jahrzehnten eine Umgehungsstraße.
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Es geht sehr eng zu in der Ortsdurchfahrt von Prutdorf. Die Anwohner wünschen sich schon seit Jahrzehnten eine Umgehungsstraße.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Vor fast 40 Jahren sind falsche Daten für den Verlauf der Staatsstraße in Prien-Prutdorf erfasst worden. Bei der Planung für eine Umgehungsstraße ist der Fehler jetzt aufgefallen. Die zuständige Behörde erklärt, warum dies keinen Einfluss auf den Verlauf der neuen Straße und auf den Zeitplan habe.

Prien – Die einen lächelten ungläubig, die anderen schüttelten nur den Kopf. Als Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) dem Gemeinderat am Ende der jüngsten Sitzung von Fehlern in der Planung für die Umgehungsstraße von Prutdorf berichtete, schwand die Hoffnung auf einen baldigen Bau einmal mehr. Das staatliche Bauamt Rosenheim bestätigt zwar im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung „Diskrepanzen“, widerspricht aber der Befürchtung längerer Verzögerungen.

So soll die Staatsstraße künftig zwischen dem Wildenwarter Kreisel (links oben) und der Ortseinfahrt von Bachham verlaufen.

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Auf der engen Durchfahrt von Prutdorf wird der Verkehr jedes Jahr mehr, Geh- und Radwege gibt es nur stellenweise. Der Ruf der Prutdorfer nach einer Umgehung ist schon vor Jahrzehnten erstmals erklungen. Inzwischen hat die Gemeinde längst Geld für den Bau beiseite gelegt, aber auf dem Weg zum Spatenstich gibt es immer wieder Rückschläge.

Verhandlungen seit bald zehn Jahren

Vor knapp zehn Jahren begann der Markt Prien mit den Grundeigentümern zu verhandeln, über deren Besitz die 1,2 Kilometer lange Schleife südlich von Prutdorf verlaufen soll. Die Gespräche waren zäh und just, als der damalige Bürgermeister Jürgen Seifert ein positives Ergebnis verkündete und einen Baubeginn bis 2020 versprach, wurden die Karten völlig neu gemischt. Das staatliche Bauamt in Rosenheim, für die Staatsstraße zwischen Wildenwart und Bachham zuständig, machte nach einem Führungswechsel deutlich, dass die Umfahrung Prutdorf nur in einem Paekt mit einem zweiten Bauabschnitt zu machen sei.

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Nämlich mit dem Ausbau des Abschnitts zwischen Prutdorf und Bachham, ebenfalls inklusive breiterem Geh- und Radweg. Auf einen Schlag kam über ein Dutzend weiterer Grundeigentümer als Verhandlungspartner dazu. In der Summe sind es jetzt 23 Verhandlungspartner. Aber bis auf Weiteres ruhen die Gespräche. Der Markt Prien, der die Grundstücke beschaffen muss, darf erst weiterverhandeln, wenn der Verlauf der Straße mit allen Details exakt feststeht.

Pläne für Prutdorf im Juli 2019 ausgelegt

Vor dem Eindruck der schwierigen und sehr zeitraubenden Gespräche mit den Eigentümern in Prutdorf wählte der Markt Prien einen neuen Weg. Er beantragte bei der Regierung von Oberbayern ein Planfeststellungsverfahren. Durchgeführt wird es vom staatlichen Bauamt Rosenheim. Die Behörde entwickelte Pläne und legte sie im Juli 2019 aus.

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In dieser Entwurfsplanung ist vorgesehen, in zwei Bauabschnitten 2,15 Kilometer Straße neu- beziehungsweise auszubauen, so dass die Fahrbahn am Ende durchgehend 6,5 Meter breit ist. Ein neuer Geh- und Radweg zwischen der Einmündung Atzinger Straße bei der Firma Togu und der Einmündung der Ludwigstraße nach Prutdorf, wo Radfahrer bisher auf die Fahrbahn ausweichen müssen, wird 2,5 Meter breit.

Daten in der Entwurfsplanung stimmen nicht

Offenbar stimmten aber einige Daten in dieser Entwurfsplanung nicht, wie Matthias Geitz, Leiter der „Abteilung Planung“ des Staatlichen Bauamtes, und Projektleiter Bernhard Bauer im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung bestätigten. Offenbar sind vor 38 Jahren falsche Zahlen in die Datensammlung geraten. Wie das geschehen konnte, sei heute nicht mehr nachvollziehbar.

„Die Geländedaten sind nicht ganz plausibel, aber das hat auf die Lage der Straße keinen Einfluss“, betont Bauer. Es gehe nur um Höhendaten. Geitz erklärte, dass die Bedenken und Einwendungen aus der Auslegung der Pläne derzeit abgearbeitet würden und im Zuge dessen auch die Daten an die Planung angepasst würden.

Acht Anlieger schalten Anwalt ein

Nach Angaben der Behördenvertreter haben 20 Behörden, 28 Privatpersonen selbst sowie acht weitere durch anwaltschaftliche Vertreter Stellungnahmen abgegeben. An Spekulationen, dass Einzelne, die sich juristische Hilfe geholt haben, später eventuell gegen die Pläne klagen könnten, wollten sich Geitz und Bauer nicht beteiligen. Der Projektleiter erklärte aber, dass er mit einigen Grundbesitzern und deren Anwälten schon Bedenken in persönlichen Gesprächen aus dem Weg räumen konnte.

Wie es weitergeht, wenn die Stellungnahmen abgearbeitet sind, wird die Regierung als Herr des Verfahrens entscheiden. Möglicherweise müssen die korrigierten Pläne nochmals ausgelegt werden. Es sei aber auch denkbar, dass dann gleich ein Erörterungstermin anberaumt wird, wie es das Planfeststellungsverfahren vorschreibt.

Trotz der Rückschläge bleibt das Straßenbauamt zuversichtlich, dass der Baubeginn nun näherrückt. „Die wesentlichen Punkte, die den Leuten unter den Nägeln brennen, haben wir korrigiert. Wir sind auf einem guten Weg“, so Bauer.

Viel mehr Verkehr zwischen Prien und Frasdorf

Die Verkehrsbelastung auf der Staatsstraße zwischen Prien und Frasdorf war offenbar ein oft genannter Punkt in den Einwendungen der Anlieger bei der Auslegung der Pläne. Das Staatliche Bauamt Rosenheim hat deshalb im Februar eine neue Verkehrszählung veranlasst. Drei Wochen lang seien mit einem sogenannten Seitenradar alle Fahrzeuge in beiden Fahrtrichtungen erfasst worden, erläuterte Bernhard Bauer von der Behörde.

2015 waren zuletzt noch 2900 Fahrzeuge pro Tagesschnitt gezählt worden. Heuer waren es laut Bauer 3700. Die eklatante Steigerung hängt wahrscheinlich mit dem bereits erfolgten Ausbau des Abschnitts zwischen Wildenwart und Frasdorf zusammen. Aus den neuen Daten hat das Straßenbauamt eine Belastung von 4000 Fahrzeugen im Jahr 2030 hochgerechnet, von denen 150 schwere Lkw sind.

Die Behörde hat sich Bauer zufolge entschieden, einen „lärmmindernden Belag“ einzubauen. Das sei bisher nicht in den Plänen berücksichtigt worden.

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