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Neues Angebot in Seebruck

Paddeln auf der Alz: Nur wenige Gäste nutzen Shuttle-Bus

Selbst unter der Woche sind an schönen Tagen die Parkplätze an der Haushoferstraße in Seebruck voll. Besonders an den Wochenenden ist hier viel Betrieb, sodass sogar eine Einbahnstraße eingerichtet wird.
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Selbst unter der Woche sind an schönen Tagen die Parkplätze an der Haushoferstraße in Seebruck voll. Besonders an den Wochenenden ist hier viel Betrieb, sodass sogar eine Einbahnstraße eingerichtet wird.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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An schönen Sommertagen von Juli bis September ist es immer wieder das gleiche Bild: Die Autos der Alz-Paddler „stapeln“ sich fast in Seebruck und Truchtlaching. Ein Shuttle-Bus, den die Gemeinde eingeführt hat, soll eigentlich Abhilfe schaffen. Nur klappt das noch nicht so wie erwartet.

Seeon-Seebruck – „Freitag, Samstag und Sonntag hören wir vor allem ein Geräusch: Pfft, Pfftt, Pfft“, erzählt Angelika Recknagel, die in der Haushoferstraße in Seebruck lebt. Es ist die Kehrseite einer beliebten Freizeitaktivität. Denn in einem oberbayerischen Sommer gibt es eigentlich nichts Schöneres, als sich bei strahlendem Sonnenschein auf einem Schlauchboot die sanft fließende grüne Alz herunter treiben zu lassen.

Doch wie so oft, mit Nebenwirkungen: Anwohner stöhnen über die riesige Verkehrsbelastung, die die Paddler bei der Anreise verursachen. Seit diesem Sommer soll eigentlich ein Pendelbus Abhilfe schaffen – mit mäßigem Erfolg.

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Schon früh am Morgen reihen sich die Fahrzeuge in der Haushofer Straße in Seebruck aneinander und auch am Truchtlachinger Parkplatz beim Alzbad ist viel los. Gefühlt halb Südostbayern will an diesem schönen Tag auf der Alz paddeln. Die Lärmkulisse ist entsprechend: Da werden Boote aufgepumpt, Fahrzeuge rangiert und Kinder kreischen. Wer nicht früh genug da war, der muss ein paar Kreise ziehen, bis er noch einen Parkplatz findet.

Einfahrten zugeparkt und Müll am Zaun

„An den Wochenenden ab Juli ist es immer das gleiche Bild“, erzählt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Es ist einfach nur voll. Manchmal stehen die Leute sogar in unserer Einfahrt und wir kommen kaum raus“, sagt die Seebruckerin entnervt. Sieht man sich um in der Haushofer Straße, so entdeckt man viele Einfahrten, die abgesperrt oder mit entsprechenden Schildern versehen sind.

Müll von den Paddlern

Doch nicht nur die Parkerei sei oft ein Problem, hinzu komme Müll, den einige Paddler vor ihrem Gartenzaun hinterlassen, berichtet die Seebruckerin. Distanzlos und laut empfindet sie viele Paddler. Früher sei es nicht so gewesen: „Seit drei bis vier Jahren ist das extrem geworden.“

Erst seit wenigen Wochen wohnen Angelika und Hans-Dieter Recknagel in der Haushofer Straße und sind noch etwas überrascht von der Invasion der Paddler. „Wir sind ja bewusst dorthin gezogen, wo andere Urlaub machen“, meint Hans-Dieter Recknagel. Da müsse man halt in Kauf nehmen, dass sich der Tourismus auf den Alltag auswirke. Seine Frau stören lediglich die Menschen, die sich direkt vor ihrem Zaun umziehen. Noch sehen die Beiden den Ansturm auf die Alz entspannt. Sie begrüßen, dass an den Wochenenden eine temporäre Einbahnstraße wegen der zahlreichen Paddler eingerichtet worden ist. „Tempo 30 würden wir uns allerdings noch zusätzlich wünschen“, so Hans-Dieter Recknagel.

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Verständlich ist, dass die Alzfahrten so beliebt sind: Nur die Parkgebühren und Benzinkosten fallen an. Im Vergleich zu einem Familienbesuch in einem Schwimmbad ein äußerst kostengünstiges Vergnügen. Um den Druck durch die Paddler in den Wohngebieten zu mindern, hat die Gemeinde einen Shuttle-Bus eingeführt, der an den Wochenenden stündlich zwischen Seebruck und Truchtlaching pendelt. Denn schließlich sind die Paddler meist mit zwei Autos unterwegs, um ihre Boote wieder zurückzutransportieren.

Positive Rückmeldungen

Zum 2. Juli ist das Projekt gestartet. „Wir bekommen durchweg positive Rückmeldungen bezüglich des neuen Angebotes“, so heißt es auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung aus dem Rathaus. Die Kosten des Projekts für die Gemeinde seien noch unklar und werden erst Ende des Jahres feststehen.

Drei Euro kosten die Bus-Tickets, Kinder bis 14 Jahren müssen einen Euro zahlen. Gegen Vorlage eines Tagestickets für die gemeindlichen Parkplätze ist die Fahrt sogar kostenfrei. Nur haben viele Anwohner an der Haushofer Straße nicht den Eindruck, dass der Bus schon genutzt werde. Ähnliche Erfahrungen machte die Autorin dieses Textes (siehe Infokasten). Die Gemeinde räumt ein, dass „die Kapazität des Shuttle-Busses aktuell noch nicht ausgereizt wird“, die liege aber auch am unbeständigen Wetter. Passagierzahlen nennt die Gemeinde keine.

„Muss sich erst rumsprechen“

Warum nutzen also so wenige das Shuttle? „Der Bus steht auf unserer Internetseite und wird regelmäßig im Amtsblatt veröffentlicht. Auch auf unseren Social-Media-Kanälen weisen wir darauf hin“, so die Antwort aus dem Rathaus. Ebenso kommuniziere die Tourist-Information das Angebot und die Gastgeber seien informiert. Auf der Instagram-Seite der Gemeinde ist zum Shuttle jedoch kein Beitrag zu finden.

„Ich denke, wir sind da auf einem guten Weg“, sagt Zweiter Bürgermeister Norbert Maier (PWT). Er sei sich sicher, dass der Shuttle-Bus mit der Zeit noch stärker genutzt werde. „Es muss sich einfach noch mehr rumsprechen. Das dauert seine Zeit“, so Maier. Vorerst macht es ohnehin nicht „pffft“ an der Haushoferstraße: Das Landratsamt Traunstein hat wegen des erhöhten Wasserstands Bootsfahren auf der Alz bis 19. September 2021 verboten.

Reporterin testet das Shuttle

„Kurz nach neun sind wir an einem Sonntag im August in Seebruck und ergattern noch einen der letzten freien Parkplätze in der Haushoferstraße in der Nähe der Anlegestelle. Aufpassen müssen wir dort, denn rund um uns herum liegen Paddel, SUPs und Schlachboote werden aufgepumpt. Wir haben unser Boot zwar daheim aufgepumpt, aber ein bisschen mehr Luft braucht es trotzdem noch, sonst hätte es nicht ins Auto gepasst. Schließlich sind auch wir gerüstet und paddeln los. Nach ein paar Schlägen legt sich das Gwurl und es wird ganz still. Wir genießen das tolle Wetter und kühlen uns zwischendurch an den tieferen Stellen in der Alz ab. Schon vorher haben wir uns den Busplan aufs Handy geladen und diskutieren, wie wir es zeitlich am besten machen. Stündlich geht der Bus an den Wochenenden, immer zehn Minuten vor der vollen Stunde. Ob es jetzt an der Fließgeschwindigkeit liegt oder an unserer Kraft beim Paddeln: Besser hätte unser Timing nicht sein können. Kurz vor Abfahrt des Busses erreichen wir Truchtlaching und verlassen die Alz. Wir packen unsere Sachen, lassen die Luft aus dem Boot und schon steht der kleine Shuttlebus bereit. Wir steigen ein und sind erst einmal verblüfft: Um Platz für das Schlauchboot müssen wir uns nicht sorgen. Denn außer uns zwei ist nur ein anderer Gast an Bord und fährt zurück nach Seebruck! Er erzählt, dass er das Auto holt und dann zurück zu Boot und Familie nach Truchtlaching fährt. Nach ein paar Minuten sind wir in Seebruck angekommen und tragen unser Boot noch ein paar Meter zurück zum Auto. Wir sind uns einig: Das würden wir jederzeit wieder so machen.“

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