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Interview mit Marc Nitschke

Overtourism und Wohnqualität – Das will die „Allianz in den Alpen“ erreichen

Bei einer Fachtagung der Allianz in den Alpen gingen die Teilnehmer auch auf eine Exkursion.
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Bei einer Fachtagung der Allianz in den Alpen gingen die Teilnehmer auch auf eine Exkursion.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Übersee – Digitalisierung Klimawandel und nachhaltiger Tourismus sind Megatrends, die auch vor den Alpen nicht Halt machen. Marc Nitschke, Vorsitzender der „Alianz in den Alpen“ mit Sitz in Übersee, über die Herausforderungen im Alpenraum.

Herr Nitschke, was ist die „Allianz in den Alpen genau“?

Marc Nitschke: Die „Allianz in den Alpen“ ist ein Gemeinde-Netzwerk mit fast 300 Mitgliedsgemeinden, das sich über den ganzen Alpenraum erstreckt. In allen Staaten, nämlich in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Liechtenstein und Slowenien haben wir Mitglieder. Das Netzwerk besteht schon seit über 20 Jahren. Wir sind ein eingetragener Verein nach deutschem Recht, wobei unsere Ausrichtung aber international ist. Außerdem haben wir zwei feste Mitarbeiter in unserer Geschäftsstelle in Übersee und zwei Projektmitarbeiter.

Wie hat sich das Netzwerk gegründet?

Nitschke: Damals war der grundlegende Gedanke, dass sich die Gemeinden eigentlich gleich an der Schnittstelle zwischen Gesetzgebung und Umsetzung vor Ort befinden. Die Gründungsgemeinden haben sich daher entschlossen, mit einer Stimme für die Gemeinden im Alpenraum zu sprechen.

Wie sind Sie dazu gekommen?

Nitschke: Die Gemeinden im südlichen Chiemgau sind auch seit vielen Jahren Mitglied. Mich hat das Thema der nachhaltigen Entwicklung von Kommunen schon immer interessiert und ich war dann zunächst deutsches Vorstandsmitglied und zwei Jahre später wurde ich zum Vorsitzenden des Vereins gewählt.

Wie finanziert sich die Allianz in den Alpen?

Nitschke: Zum einen über Mitgliedsbeiträge, wobei diese für die einzelnen Gemeinden recht moderat sind. Außerdem beantragen wir für unsere Projekte Fördermittel von der EU oder Ministerien.

Was konnten die Mitglieder schon voneinander lernen?

Nitschke: Wir haben schon einige Projekte erfolgreich umsetzen können. Es sind drei grundsätzliche Themen, die uns beschäftigen. Da ist einerseits das Thema Natur, Umwelt und Landschaft zu erhalten. Außerdem dass Gemeinden im Alpenraumals Wirtschaftsraum attraktiv bleiben. Und schließlich die Frage, wie man in den Alpen langfristig leben und arbeiten will. Organisiert sind wir so, dass es in jedem Land Betreuer gibt, die die Gemeinden vor Ort unterstützen, etwa bei der Umsetzung von Projekten.

Wie stark unterscheiden sich die Gemeinden bei diesen Themen?

Nitschke: Mitunter sind die Voraussetzungen sehr unterschiedlich und das macht es auch interessant. Aktuell gibt es ein Projekt zum Thema Overtourism und da merken wir schon, dass der Zuzug und die Besucherströme zum Teil ganz anders sind. Denn es gibt auch Gemeinden, die von Abwanderung betroffen sind und wo man gar nicht weiß, wie man die Infrastruktur zukünftig erhalten soll.

Was kann sich der Chiemgau von anderen Regionen abschauen?

Nitschke: Jede Region hat ihre Stärken und Schwächen. Was ich sehr zum Beispiel an Vorarlberg schätze, ist, wie dort das Thema Nachhaltigkeit seit vielen Jahren umgesetzt wird. Ich denke gerade an die nachhaltige Beschaffung für Kommunen, das ist dort in einem Verband gebündelt. Auch bei den Themen Naturschutz und Wohnqualität ist man dort gut organisiert. Und mit der Architektur hat sich Vorarlberg einen Namen gemacht. Das Bauen mit Holz ist auch bei uns mehr und mehr im Kommen. Über das Netzwerk können wir uns sehr gut austauschen zu Chancen und Risiken.

Worauf müssen wir im Chiemgau achten, damit unser Tourismus nachhaltig bleibt?

Nitschke: Aus meiner Sicht sind wir sehr gut aufgestellt und bieten eben keinen Massentourismus an. Qualität statt Quantität ist das Ziel. Wir können nur attraktiv bleiben, wenn wir unsere Stärken erhalten. Erholung und intakte Natur sollten weiter der Schwerpunkt sein.

Oft wird Südtirol als Vorbild für den Tourismus genannt.

Nitschke: Die Südtiroler haben den Vorteil, dass sie eine zentrale Marke haben. Und weil natürlich die Landschaft wunderschön ist. Auch das kulinarische Angebot und die Kultur werden dort sehr gelungen vermarktet. Das Label Südtirol ist eben eine richtige Marke.

Was sind die Pläne für 2022?

Nitschke: Wir wollen die laufenden Projekte fortführen und abschließen und uns für ein Projekt im Alpine Space Programm bewerben. Außerdem wollen wir nach zwei pandemiebedingt abgesagten Terminen unsere Fachtagung in Saas-Fee im Sommer durchführen. Unter dem Motto „Wohn.Raum.Alpen – Werkstatt für neue Ideen des Zusammenlebens“ werden wir uns über Lebensqualität im Alpenraum austauschen. Die Bedürfnisse zum Thema Wohnen ändern sich ja sehr, insofern müssen sich die Kommunen fragen, wie sie darauf reagieren.

Sie sind nicht mehr Bürgermeister. Spielt das eine Rolle für Ihre Funktion im Verein?

Nitschke: Grundsätzlich ist immer ein Bürgermeister aus jedem Alpenstaat Mitglied im Vorstand. Aufgrund einer Satzungsänderung ist eine weitere Tätigkeit inzwischen auch nach Ausscheiden aus dem Amt möglich. Ich bin ja mittlerweile wieder als Rechtsanwalt tätig. Der Wunsch unserer Mitglieder bei den Neuwahlen im vergangenen Jahr war aber, dass ich Vorsitzender bleiben soll.

Ich hoffe aber, dass das Amt künftig wieder ein amtierender Bürgermeister übernimmt, der dann doch aktiver an der Gemeindepolitik dran ist. Ich bin noch für die nächsten zwei Jahre gewählt und wir werden bis dahin einen Nachfolger suchen.

Marc Nitschke.

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