Orchideen, Farn und alter Tannenwald: UN ehrt Biodiversität der Inzeller Gaßlalm

Bei der Übergabe der Urkunde für den„Biodiversitäts-Hotspot Gaßlalm“ (von links): MdL Klaus Steiner (Sprecher für den Wald im Landtag), Forstdirektor Dr. Daniel Müller, Bayerns Forst- und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Inzells Bürgermeister Hans Egger. Wegscheider

Mit einer Urkunde der Vereinten Nationen hat Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber den Forstbetrieb Berchtesgaden für die biologische Vielfalt auf der Graßalm in Inzell geehrt. Dort gedeihen über 160 Pflanzenarten, viele davon stehen schon auf der Roten Liste.

Inzell – Eine beeindruckende Orchideenvielfalt, dazu über 160 Arten von Farnen, Bärlapp und Samenpflanzen: Das bietet die wilde Blumenwiese rund um die Gaßlalm in Inzell. Dieses Kleinod, gehegt und nachhaltig gepflegt von Revierförster Georg Berger ist heute nicht mehr selbstverständlich. Umgeben von altem Tannenwald mit Totholz ist dieser Bereich sehr naturbelassen und der Wald wird naturschutzgerecht behandelt. Der zuständige Forstbetrieb Berchtesgaden wurde für die Gaßlalm am Wochenende von Landwirtschafts- und Forstministerin Michaela Kaniber mit einer Urkunde ausgezeichnet, welche sie als „Biodiversitäts-Hotspot“ ehrt.

Gemeinsam die UN-Ziele erreichen

Forstdirektor Dr. Daniel Müller lobte bei der Urkundenverleihung inmitten der blühenden Pracht den „langen Atem“ bei der Aufrechterhaltung dieser nachhaltigen Orchideenwiese: „Die biologische Vielfalt ist ein Ergebnis der dauerhaften Pflege. Seit Revierförster Georg Berger dieses Projekt übernommen hat, erlebt man einen wirklichen Artenreichtum. Dies ist ein leuchtendes Beispiel für die Arbeit mit der Natur und dafür braucht man auch gut ausgebildetes Personal“.

Biodiversität sichern

Der „Biodiversitäts-Hotspot Gaßlalm“ ist einoffizielles Projekt der Vereinten Nationen, das die biologische Vielfalt im Fokus hat und besondere Vorhaben als „UN-Dekade-Projekt“ durch die Biodiversitätskonvention (CBD) ehrt.

Unter dem Eindruck des weltweit nahezu ungebremst fortschreitenden Rückgangs der biologischen Vielfalt hatten die Vertreter der CBD-Mitgliedsstaaten im Oktober 2010 neue Ziele und eine neue Strategie für den Schutz der Biodiversität beschlossen. Durch effektive und dringliche Maßnahmen soll die Biodiversität weltweit gesichert werden – dieses Jahr, 2020, soll dies erreicht sein. In Deutschland trägt die UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ seit November 2011 dazu bei, die gemeinsamen weltweiten Ziele der UN-Konvention zu erreichen.

Nachhaltige Nutzung

Herzstück der Aktivitäten in Deutschland ist der UNProjektwettbewerb. Eine Fachjury aus Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen wählt aus den Bewerbungen Modellprojekte aus. Jede Woche wird ein Projekt ausgezeichnet, das sich in besonderer Weise für die Erhaltung, nachhaltige Nutzung oder Vermittlung der biologischen Vielfalt einsetzt – so auch die Gaßlalm in Inzell.

Revierförster Berger ging kurz auf ihre Vergangenheit ein: Einst eine Verlandungszone des Gletschereises, ist auf der Gaßlalm ab etwa 1100 n.Chr. bis 1962 die Alm- und Forstwirtschaft nachweisbar.

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Eingriff des Menschen ist hier positiv

Typisch sind die vielen Vegetationsgebiete auf kleinen und unregelmäßigen Feuchtflächen. „Nun wird die Wiese einmal im Herbst gemäht und dieses Pflegekonzept stellte sich als genau richtig heraus“, erläuterte Berger.

Ministein Kaniber freute sich über den regen Zuspruch bei der Urkundenübergabe, bei der Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde, der Jägerschaft und der kommunalen Politik zugegen waren. „Das hier ist ein gutes Beispiel, wie wir mit Zusatzarbeit Gutes schaffen können, denn es ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass die Natur bei uns hier so schön ist“.

Das Kultur- und Naturerbe schützen

Das Eingreifen des Menschen sei hier mitverantwortlich für die Artenvielfalt mit vielen Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen. „Das Kultur- und Naturerbe ist nur zu schützen, wenn die Zusammenarbeit mit dem Ehrenamt so gut funktioniert“, so die Ministerin.

Inzells Bürgermeister Hans Egger sprach aus Sicht der „schönsten Gemeinde im Chiemgau“ von einem „sehr beeindruckenden Projekt“: „Die Zusammenarbeit aller Beteiligten ist bei uns sehr gut und daher findet man bei uns auch so viel intakte Natur vor“.

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