DERBLECKEN HEUER PER VIDEO-STREAM

Online-Fastenpredigt für Prien: „Herr, schick‘ mir eine Eingebung“

„Klappe, die x-te“ – Bruder Johannes am Set vorm König Ludwig Saal mit den Ratschkatln. Berger
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„Klappe, die x-te“ – Bruder Johannes am Set vorm König Ludwig Saal mit den Ratschkatln. Berger
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Altbekannte Prediger-Spezl an der Seite: Bruder Johannes liest den Prienern am 27. März die Leviten auf der Internetseite der Blaskapelle.

Prien – Januar 2021, eine kleine Kapelle im Vatikan in Rom: Ein schwarz Gekleideter kniet in einer Kirchenbank, die Hände zusammengelegt, ein Gebet ist zu hören: „Herr, was soll ich bloß mit meinen Preanern tun? Im letzten Jahr hat ihnen schon keiner die Leviten gelesen, und heuer ist wegen Corona auch kein Starkbierfest möglich, schick mir eine Eingebung.“ Ein Lichtstrahl trifft ihn, jetzt ist er zu erkennen: Es ist Bruder Johannes, der aus Prien in den Vatikan gereist ist, um seine Starkbier-Festrede zu retten. Jetzt trifft ihn eine Eingebung, die er strahlend verkündet: „Ich predige übers Internet, dann können die Priener daheim bleiben und zuhören. Aber jetzt habe ich viel zu tun.“

Ortswechsel: Tage später staunen viele Priener nicht schlecht, als sie einen schwarz Gekleideten – in Soutane, mit einem Birett auf dem Kopf – auf einem E-Scooter durchs Dorf jagen sehen…

Mysteriös anmutenden Vorgänge

Für Aufklärung dieser zunächst mysteriös anmutenden Vorgänge sorgt der Vorsitzende der Blaskapelle Prien, Stefan Hackenberg. Merke: Seit langer Zeit organisieren die Musiker das jährliche Starkbierfest, das traditionell während der Fastenzeit im König Ludwig Saal über die Bühne geht. In normalen Zeiten.

Die Ratschkatln Brigitte Sperber (links) und ihre Schwester Rosi Hell hatten am Set „viel zu putzen“.

„Mitte Januar hat uns Bruder Johannes gefragt, ob wir uns ein Online-Starkbierfest vorstellen könnten, weil es eh keine Alternative gebe, er aber so viele Themen habe, die unters Volk gebracht werden müssten“, erklärt Hackenberg unserer Zeitung. Und augenzwinkernd: „Wir distanzieren uns natürlich vom Inhalt seiner Fastenpredigt, denn wir waren bei der geistlichen Erleuchtung nicht dabei.“ Aber beim Videodreh der Vatikan-Episode, die natürlich nicht in Rom gefilmt wurde, sondern in einer heimischen Kirche, und auf der Internetseite der Priener Blasmusik die Web-Präsentation der Predigt ankündigt.

Irgendwann nachts um halb drei habe Bruder Johannes dann den Bauer Uli angerufen, „ein sehr Erfahrener“ in Sachen Starkbierfest-Predigten. „Schließlich war der viele Jahre am Nockherberg Double des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude und Co-Autor des Singspiels“, erinnert Hackenberg.

Auch die Ratschkatln und Uli Bauer machen mit

Er sei noch wach gewesen, bestätigt Bauer auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung. Für ihn eigentlich nichts Ungewöhnliches, weil diese Uhrzeit für den Bauer Uli im Vergleich zu einem Normalsterblichen gleichbedeutend ist mit der Tagesthemen-Zeit gegen 22 Uhr im ZDF (Anm. d. Red.) „Ich habe mitgemacht, weil ich Johannes Dreikorn (alias Bruder Johannes) schon lange kenne und es gut finde, wie er die Reden hält“, bekennt der Kabarettist und Schauspieler. „Natürlich macht es mir auch Spaß, mal wieder einen Sketch zu bringen, weil ich schon seit einem halben Jahr im Berufsverbot bin.“ Wofür die Corona-Pandemie gesorgt hat. Die auch irgendwie was mit dem Bauer-Beitrag zu tun haben könnte, war in dem Gespräch zu erahnen.

Wenn in Prien Derbleck‘n angesagt ist, sind die Ratschkatln nicht weit: Rosi Hell und ihre Schwester Brigitte Sperger haben schon öfter ihren Mitbürgern die Leviten gelesen. Auch heuer sind sie dabei, allerdings relativ einsam vor der Kamera statt vor vielen Gästen.

Die Kamera hat nicht gestört

„Es war trotzdem total witzig“, schwärmt die Hell Rosi. „Wir haben losgelegt, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Die Kamera hat uns nicht gestört – warum auch, uns stören andere Dinge in Prien.“

Für die Predigt schlüpfte Uli Bauer nochmals in die Rolle des Bürgermeisters Moosbauer aus Oberstrasskirchen.

Mittlerweile sind die Szenen im Kasten, derzeit wird der Film geschnitten. Das es was G‘scheits wird, dafür sorgt Severin Schwarz mit seinem Zwillingsbruder Cornelius.

Für Severin war es eine große Herausforderung, wie er lachend zugibt: „Wer den Johannes kennt, der weiß, dass Improvisieren angesagt ist. Oft hat er die Texte erst am Set geschrieben.“ Severin Schwarz arbeitet ehrenamtlich beim Bad Endorfer BRK und studiert seit September 2020 „Digitale Filmproduktion“ an der privaten „School Of Audio Engineering“ (SAE) München.

Brotzeit-Lieferung schon ausverkauft

„Deshalb wird‘s was Guad’s“, ist sich Stefan Hackenberg sicher. Gut war sicherlich auch die Idee, den Zuschauern kurz vor der Ausspielung im Youtube-Kanal der Blaskapelle Prien auf Bestellung Brotzeiten auszuliefern. „Die sind jetzt allerdings ausverkauft“, freut sich Hackenberg.

Bruder Johannes rollt an auf seinem E-Scooter.

Nachgefragt hätten wir gerne auch bei Bruder Johannes, was wir zu erwarten haben. Daraus wurde allerdings nichts, denn er war wohl wieder auf seinem Roller unterwegs im Dorf – oder erholt sich im Dauerschlaf von den Strapazen…

Der Internet-Link zur Fastenpredigt

Der Link zur Starkbierfest-Predigt per Video-Stream am Samstag, 27. März, 19 Uhr, ist auf der Internetseite der Blaskapelle Prien zu finden.

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