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Sommerinterview

Ohne dickes Fell geht‘s nicht: Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber zu Bernaus brennenden Themen

Als ehemaliger Gymnasiallehrerin ist Irene Biebl-Daiber die Schulsanierung und auch die sozialpädagogische Betreuung der Kinder ein besonderes Anliegen.
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Als ehemaliger Gymnasiallehrerin ist Irene Biebl-Daiber die Schulsanierung und auch die sozialpädagogische Betreuung der Kinder ein besonderes Anliegen.
  • VonOliver Lang
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Mit warm baden im Hallenbad Bernamare wird es diesen Winter vermutlich nichts mehr. Doch zumindest wird das Trinkwasser trotz Sanierung einer wichtigen Quelle nicht knapp. Was sonst noch in Bernau ansteht und was Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber in ihrer Arbeit motiviert, erfahren Sie hier.

Bernau – Gut zwei Jahre ist Irene Biebl-Daiber nun im Amt. Einige ihrer ursprünglichen Ziele konnte sie inzwischen verwirklichen. Doch die aktuelle Lage macht neue Priorisierungen notwendig.

Hätten Sie sich als Kind auch einen Kinder-Gemeinderat gewünscht, wie er neulich in Bernau im Rahmen des Ferienprogramms stattfand?

Irene Biebl-Daiber: Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich als Kind teilgenommen hätte. Als Jugendlicher ja, da hätt’s mich interessiert. Obwohl … wir haben in der 4. Klasse schon heiß diskutiert, ob der McDonald’s, der jetzt in Prien steht, nach Bernau kommen soll.

Die Kinder im „Gemeinderat“ hätten ja aktuell eher für den Mountainbike-Pumptrack und nicht für die Sanierung der Grundschule gestimmt...

Biebl-Daiber: Die Sanierung der Grundschule ist eine Pflichtaufgabe, da sie nicht barrierefrei ist und von der Lernumgebung her nicht dem entspricht, was heute gefordert ist. Zwei Klassenzimmer befinden sich in der Aula... Nichtsdestotrotz werden wir schauen, ob wir den Pumptrack hinbekommen. Wobei das Thema Asphaltierung unter heutigen Umweltgedanken schon ein heißes Thema ist.

Läuft die Sanierung der Grundschule bereits?

Biebl-Daiber: Sie ist ganz in den Kinderschuhen angestoßen. Wir waren mit einem Planungsbüro unterwegs und haben eine Arbeitsgruppe mit einigen Eltern und der Schulleitung gegründet. Auch eine kleine Machbarkeitsstudie ist bereits erstellt worden, die wir im Herbst vorstellen.

Schulpsychologie war Teil Ihres Studiums. Gibt es so ein Angebot in der Bernauer Grundschule?

Biebl-Daiber: Nicht mehr. Doch im Gemeinderat haben wir letztes Jahr einstimmig einer Jugendsozialarbeiterin zugestimmt. Da laufen bereits die Vorstellungsgespräche.

Liegt Ihnen die psychologische Unterstützung von Kindern besonders am Herzen?

Biebl-Daiber: An jeder Schule sollte es schulpsychologische oder sozialpädagogische Unterstützung geben. Und gerade nach Corona erscheint es mir noch wichtiger, weil es ja im sozialen Gefüge schon Probleme gibt, glaube ich.

Was motiviert Sie jeden Tag aufs Neue, Ihre Arbeit zu machen?

Biebl-Daiber: Es sind lange Arbeitstage, und man braucht oft ein dickes Fell, aber was mich motiviert, sind meine engagierten Mitarbeiter im Rathaus und der Gemeinde und ein gelegentliches Lob von den Bürgern. Und mich fasziniert immer noch die Vielfältigkeit dieser Arbeit.

Bei Ihrem Amtsantritt standen Themen wie der Radweg entlang der Priener Straße oder die Weiterentwicklung des Chiemseeparks Felden auf dem Programm. Den Radweg gibt es ja inzwischen. Was passiert mit dem Strandbad?

Biebl-Daiber: Ende 23 wird das Strandbad abgerissen und bis zur Saison 24 wieder aufgebaut. Zur Neugestaltung gibt es einen Kriterienkatalog, in dem steht, was sein muss und sein soll. Mit einem Ideenwettbewerb haben wir uns inzwischen an verschiedene Planungsbüros gewandt.

Bleibt das Strandbad denn auch nach der Neueröffnung kostenfrei?

Biebl-Daiber: Dafür wollen wir uns auf jeden Fall einsetzen. Die Bernauer sollen mit dem Radl runterfahren, dann haben sie auch keine Parkgebühren und können die ganze Anlage kostenfrei nutzen.

Ein Viertel des Wasserbedarfs von Bernau stammt aus der Quelle Reit. Auch sie muss saniert werden. Was steht an?

Biebl-Daiber: Rund 120.000 Kubikmeter liefert uns diese Quelle. Aber besonders die Quellfassung, also der heikle Punkt für eine hygienische Wassergewinnung, muss erneuert werden.

Bis wann soll die Sanierung abgeschlossen sein? Und bleibt die Wasserversorgung gesichert?

Biebl-Daiber: Bis Herbst nächsten Jahres. Den Zeitraum haben wir großzügig abgesteckt, da auch wir darunter leiden, dass man schwer Planungsbüros und ausführende Firmen findet. Insbesondere für so spezielle Vorhaben... Gesichert bleibt sie, aber wir werden nicht umhinkommen, Wasser anzukaufen.

Wie hoch belaufen sich denn die Kosten?

Biebl-Daiber: Aktuell rechnen wir mit 200.000 bis 250.000 Euro inklusive der Ankaufkosten fürs Wasser. Mögliche Preissteigerungen sind aktuell leider schwer abzuschätzen.

Was ist mit der von Ihnen ursprünglich angestrebten Flaniermeile in der Chiemseestraße?

Biebl-Daiber: Zunächst stehen brennend andere Themen wie die Schulsanierung an. Das wird sich also noch ziehen. Die Flaniermeile ist ein Thema, das von langer Hand mit der Städtebauförderung und dem Landkreis geplant werden muss. Ich rechne aktuell mit drei Jahren Vorbereitungszeit.

Geht es denn mit der Umgestaltung des Kurparks schneller? Da kamen ja zuletzt viele Ideen zusammen...

Biebl-Daiber: (lacht) Schneller schon, aber der Gemeinderat ist in der Sommerpause. Alle Ideen habe ich aber an unseren Planer weitergegeben.

Ihr persönlicher Favorit?

Biebl-Daiber: Ich hänge an der Neugestaltung des Musikpavillons. Ansonsten soll der Kurpark einfach zu einem gemütlichen Treffpunkt werden mit Brotzeitbankerln und Chill-Out-Liegen.

Wie wichtig sind große Unternehmen wie Schuster Hoteleinrichtungen, die kürzlich in Bernau neu gebaut haben?

Biebl-Daiber: Unheimlich wichtig. Wir haben zwar Einnahmen durch die Einkommenssteuer und den Tourismus, aber die reichen nicht für die großen kommenden Ausgaben wie die Schule, das Strandbad oder die Chiemseestraße.

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Worin sehen Sie die wesentlichen Anreize für Unternehmen, sich in Bernau anzusiedeln?

Biebl-Daiber: Wir haben alles, was Unternehmen brauchen. Die Infrastruktur, die Lage zwischen München und Salzburg – all das ist unschlagbar. Schwierig ist nur, noch ein Grundstück zu bekommen.

In Sachen Digitalisierung hat Breitbrunn gerade positive Schlagzeilen gemacht. Woran hapert der Ausbau digitaler Leistungen in Bernau aktuell?

Biebl-Daiber: So ganz schlecht stehen wir nicht da… Aber es hat tatsächlich noch ein bisschen am Personal gehapert, denn eine Fachkraft ist heillos überfordert. Doch nach längerer Suche haben wir vor einem Monat unseren zweiten EDVler gefunden.

Treffen Teuerungen beim Strom und Gas auch die Gemeinde Bernau mit voller Wucht?

Biebl-Daiber: Ja, das Hallenbad ist das beste Beispiel dafür. Wir rechnen mit einer Vervierfachung der reinen Gaskosten (das wären circa 120 000 anstelle von 30 000 Euro jährlich, Anm. d. Red.).

Den Warmbadetag im Bernamare wird es dann wohl nicht mehr geben?

Biebl-Daiber: Den lassen wir zunächst wirklich weg, wenn wir am 20. September wieder öffnen. Wegen der Gasvorräte sind wir erst mal ganz vorsichtig.

Was haben Sie bis jetzt gemacht, um die Entscheidungen des Gemeinderates und die politischen Entscheidungen für die Bürger zugänglicher zu machen?

Biebl-Daiber: Gleich zu Amtsbeginn habe ich ja den kostenlosen Rathaus-Newsletter eingeführt. Auch bei Facebook hat das Rathaus eine Seite bekommen, auf der regelmäßig informiert wird. Seit einigen Monaten veröffentlichen wir nun auch die Protokolle der Gemeinderatssitzungen im Internet. Und bald wird der Bürger auch online über ein Programm auf unseren Haushalt zugreifen können. Es ist dann nachvollziehbar, wo die Einnahmen der Gemeinde herkommen oder in welche Projekte wie viel Geld bereits geflossen ist.

Sie sind Mitglied vieler Vereine, doch die Klarinette hat es Ihnen besonders angetan. Kommen Sie denn noch zum Spielen? Wann dürfen wir Sie das nächste Mal sehen?

Biebl-Daiber: Ein Jahr Elternzeit habe ich mir in der Musikkapelle ausbedungen. Wenn die Zwillinge nur noch einmal in der Nacht aufwachen, wollte ich wieder zum Spielen kommen (lacht). Und jetzt habe ich mich tatsächlich wieder eingeklinkt und spiele auch nächsten Dienstag ganz normal mit.

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