„SEEWÄRTS“-FESTIVAL

Österreicher rocken die Bühne

„Neo-Austropop“vom Feinsten hatten „Granada“ im Gepäck.

Urlaubsstimmung, perfektes Sommerwetter, 2000 Beachparty-Besucher am Freitag und 1400 Musikfans beim „Seewärts“-Festival am Samstag – besser hätte die zweitägige Veranstaltung der Chieminger Wasserwacht nicht verlaufen können.

Chieming– „Wir bringen das Wasser zum Kochen“, hatte Beat Schmutz von „Schmutzki“, der siebten und letzten Band des Abends, noch versprochen, und dann mit grandiosem Punkrock Wort gehalten. Die 2011 gegründete Stuttgarter Band hat sich längst deutschlandweit einen Namen gemacht. Die Zutaten dazu sind denkbar einfach: Ein paar scharfkantige Riffs, dreckig getackerte Rhythmen und ein Satz rostige Stimmbänder. Mit großer Klappe, zwinkerndem Auge und viel Herz mischen die drei Freunde den Punkrock auf. Noch dazu sind sie authentisch und alles andere als Mainstream. So etwas liebt das „Seewärts“-Festival-Publikum.

Dass heuer auffallend viele Musikfans aus Österreich da waren, lag nicht zuletzt am Line-up mit fünf Bands aus der Alpenrepublik: „Granada“, „Lea Santee“, „Farewell Dear Ghost“, „Viech“ und „Rev. Stomp“. Die fünfköpfige Grazer Mundart-Band „Granada“ um Sänger Thomas Petritsch zog die Besucher mit feiner Popmusik, herzergreifenden Balladen, geilen Ziach- und Bassklängen und einer Bühnenshow der Extraklasse in ihren Bann. Die Band, deren Erfolgsgeschichte 2015 begann, verleiht dem erfolgreichen „Neo-Austropop“ eine besondere Note.

„Ich bin für mein Leben gern Stuttgarter, doch als ich vorhin am Strand war, wusste ich nicht mehr warum. Wisst ihr eigentlich, dass ihr hier im Paradies lebt“, fragte „Antiheld“-Sänger und -Gitarrist Luca Opifanti, womit er bei den heimischen Fans gleich mal einen Stein im Brett hatte. Was folgte, war deutschsprachige Popmusik der Extraklasse: rau, ehrlich und mit schwäbischer Quetschkommode. „Chieming – ich brauche euch alle“, schallte es von der bebenden Bühne, und die Mannen von „Antiheld“ fingen alle ein mit ihrer Show und einem Rucksack voller Kindheitsräume. Sie wurden gefeiert und durften dann als wahre Helden noch fleißig Autogramme schreiben. Gerade ihre weiblichen Fans schienen sie gar nicht mehr loslassen zu wollen.

Der österreichischen Indie-Pop-Band „Farewell Dear Ghost“ war es zuvor gelungen, die Stimmung zum Kochen zu bringen, und das lange bevor Sänger und E-Gitarrist Philipp Szalay singend und tanzend ein Bad in der Menge nahm.

Zuvor hatte die befreundete Band „Viech“ ihren ausgeprägten Hang zur Eigenheit zelebriert und mit textstarker Popmusik aufgetrumpft – allerdings etwas später als geplant. Da man bei der Anreise mehrmals im Stau steckte, durfte „Lea Santee“ aus Wien vor ihnen auf die Bühne. Das ursprünglich vom Indie-Rock kommende, elektronische Duo aus Songschreiberin und Sängerin Lea Stöger und Produzent Manuel Hops brillierte mit alten und ganz neuen Liedern und bewies, dass die Nominierung als „Best Pop Newcomer“ bei den UK Music Video Awards im Oktober 2017 in London kein Zufall war. Zum Festival-Auftakt hatte die Band „Rev. Stomp“ um Christoph Mooser für die passende Einstimmung gesorgt.

Zwischen den Bandauftritten lohnte ein Bummel durch die Basar- und Infostände. Da gab es eine Fotobox, Lose, Stoffbeutel-Bemalen, Fare-Trade-Kleidung aus der Region, und auch die Graffiti-Meile stand bei Jung und Alt hoch im Kurs. Wer es sich bequem machen wollte, der suchte sich ein lauschiges Plätzchen in der Chillout-Area unter dem einladenden Sternsegel mit romantisch leuchtenden Eiskristallen.

Der Erlös aus „Seewärts“-Festival und der Beachparty kommt der Chieminger Wasserwacht zugute, um Wache, Boote und Ausrüstung instandzuhalten und aufzustocken.

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