SCHWERES AMT IN SCHWIERIGER ZEIT

Ökumenische Sozialstation Prien: Neue Pflegedienstleitung im Amt

Herzliche Begrüßung der neuen Pflegedienstleiterin Marisa Sejdic-Kucuk (Mitte) der Ökumenischen Sozialstation Prien durch (von links): Geschäftsführerin Beate Bolz, Diakonie-Vereinsvorsitzender Hans-Jürgen Schuster, Praxisanleiterin Melanie Wiegand, Wundexpertin Cornelia Jahn, Erwin Lehmann, Kreisgeschäftsführer des Caritas-Zentrums Rosenheim, und Anja Rüttinger, stellvertretende Pflegedienstleiterin. Berger
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Herzliche Begrüßung der neuen Pflegedienstleiterin Marisa Sejdic-Kucuk (Mitte) der Ökumenischen Sozialstation Prien durch (von links): Geschäftsführerin Beate Bolz, Diakonie-Vereinsvorsitzender Hans-Jürgen Schuster, Praxisanleiterin Melanie Wiegand, Wundexpertin Cornelia Jahn, Erwin Lehmann, Kreisgeschäftsführer des Caritas-Zentrums Rosenheim, und Anja Rüttinger, stellvertretende Pflegedienstleiterin. Berger
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Merisa Sejdic-Kucuk ist neue Pflegedienstleiterin der Ökumenischen Sozialstation Prien. Über ihr neues Aufgabenfeld und ihre Erfahrungen im Pflegedienst sprach die 33-Jährige im Interview mit der Chiemgau-Zeitung.

Prien – Ein schweres Amt in schwierigen Zeiten hat vor kurzem Marisa Sejdic-Kucuk angetreten: Sie leitet jetzt den Pflegedienst in der Ökumenischen Sozialstation Prien mit ihren 16 Mitarbeitern. Über ihr neues Aufgabenfeld und ihre Erfahrungen im Pflegedienst sprach die 33-Jährige im Interview mit der Chiemgau-Zeitung.

Sie übernehmen in einer sehr schwierigen Zeit ein wichtiges Amt. Welche Erfahrung haben Sie in der kurzen Zeit gemacht, seit Sie im Amt als Leiterin sind?

Merisa Sejdic-Kucuk: Es ist für die Pflegedienste und deren Mitarbeiter in der Tat eine schwierige und belastende Zeit. Im Moment ist aber alles ruhig und der Dienst läuft rund, weil wir die benötigten Pflege- und Hilfsmittel mittlerweile bekommen und im Lager haben. Das fehlte uns bis vor kurzem, Arbeitsmaterial wie zum Beispiel auch Schutzausrüstungen.

Woran lag das?

Sejdic-Kucuk: Wir hatten zwar Lagerbestände, aber zum Teil waren diese Mittel auf dem Markt für Nachlieferungen nicht verfügbar. Damit konnte keiner rechnen…

Sie bieten mit dem Pflegedienst sogenannte körpernahe Dienstleistungen. Wie gehen Sie und Ihre Mitarbeiter mit der Angst davor um, sich bei den Patienten mit dem Corona-Virus infizieren zu können?

Sejdic-Kucuk: Anfangs der Pandemie hatten wir davor schon Angst, uns zu infizieren. Die hat sich jetzt aber gelegt, weil uns die entsprechenden Schutzmittel zur Verfügung stehen. Vor allem bei Patienten, die negativ getestet aus Krankenhäusern kommen, haben wir jetzt mehr Sicherheit bei der Pflege.

Ihr Beruf ist sehr anspruchsvoll. Was treibt Sie an, anderen Menschen zu helfen?

Sejdic-Kucuk: Die Pflege ist etwas sehr Spezielles. Wir wissen, wie sehr uns die Betroffenen brauchen; gerade in dieser schwierigen Zeit aufgrund der Corona-Pandemie. Die Motivation kommt bei uns von innen, es ist die Liebe zu Menschen und die Wertschätzung, die uns antreibt, diesen Dienst zu erfüllen. Wichtig ist, auf sie zugehen und ihnen auch zuhören. Wir sind ein relativ kleiner ambulanter Dienst, es geht bei uns recht familiär zu, weil wir unsere Patienten zum Teil schon länger pflegen. Deshalb bedeutet der tägliche Besuch bei ihnen nicht nur Arbeit für uns.

Hatten Sie anfangs Berührungsängste bei der Patientenpflege?

Sejdic-Kucuk: Vor drei Jahren habe ich meine Ausbildung abgeschlossen, bin also noch recht frisch in diesem Pflegeberuf. In den ersten Tagen hatte ich diese Berührungsängste schon, die waren aber schnell verflogen.

Die Belastung ist hoch, der Verdienst niedrig – das wird schon länger medial diskutiert …

Sejdic-Kucuk: …ja, das stimmt, es ist manchmal schon recht schwer, die Motivation hochzuhalten. Oft stellt sich uns die Frage, ist das noch zu schaffen, wollen wir diese Belastungen bei der nicht adäquaten Bezahlung? Wir tragen eine große Verantwortung, oft sind wir einer der wenigen Ansprechpartner im Tagesablauf der Patienten, deshalb sind auch oft Emotionen mit im Spiel. Aber dann passiert etwas Schönes, und man ist wieder dabei.

Haben Sie eine hohe Erwartungshaltung, die Sie an sich selbst richten, um Ihre Aufgabe zu erfüllen?

Sejdic-Kucuk: Ja, an mich selbst schon. Meine Hilfe wird doch auch von den Patienten erwartet, und die muss ich 100-prozentig bieten.

Wie gestaltet sich Ihr neues Aufgabenfeld als Pflegedienstleiterin?

Sejdic-Kucuk: Ich bin auch weiterhin in die Pflege vor Ort eingebunden, dazu kommen Mitarbeiter- und Pflegevisiten, die Organisation des Pflegedienstes unter anderem der Tourenpläne, der Kommunikation mit den Angehörigen der Patienten, den Krankenkassen…

…das klingt nach einem langen Arbeitstag…

Sejdic-Kucuk: …schon, aber ich muss mich aufgrund meines Vertrags täglich auf fünf Stunden beschränken. Ich bin vor Kurzem erst aus der Elternzeit zurückgekommen, ich habe eine kleine Tochter daheim, deshalb kann ich nicht in Vollzeit arbeiten.

Was mussten Sie lernen, um diesen Beruf ausüben zu dürfen?

Sejdic-Kucuk: Nach einer dreijährigen Altenpflege-Ausbildung habe ich zunächst eineinhalb Jahre gearbeitet, dann folgte die Ausbildung zur verantwortlichen Pflegefachkraft.

Im Gespräch: Pflegedienstleiterin Marisa Sejdic-Kucuk (links) mit der Auszubildenen Johanna Guggenberger.

Hat es schon Situationen gegeben, wo Sie aufgeben wollten? Weil Sie Ihre Arbeit nicht mehr schaffen konnten?

Sejdic-Kucuk: Während meiner Ausbildungszeit gab es schon Situationen, die oftmals schwierig zu bewältigen waren, zum Beispiel als Pflegeschülern zehn bis zwölf Patienten in einer Schicht zu waschen, neben den „normalen“ Dienstleistungen vor Ort. Das war nicht so angenehm.

Was ist Ihr großes Ziel, das Sie sich in Ihrem Beruf gesteckt haben? Was sind Ihre Wünsche?

Sejdic-Kucuk: Zunächst möchte ich mich gut in mein neues Arbeitsfeld hier in der Sozialstation in Prien einarbeiten. Höhere Ziele setze ich mir da derzeit nicht. Meine Wünsche: Es muss Änderungen in der Pflege geben. Mehr Zeit für die Patienten, bessere Leistungsentlohnung durch die Krankenkassen und mehr Anerkennung der Pflegedienste in der öffentlichen Wahrnehmung.

Das Pflegeleitbild der Sozialstation

Die Ökumenische Sozialstation Prien gGmbH wird paritätisch getragen durch den Diakonieverein Prien und den Diözesan-Caritasverband München-Freising. Seit 40 Jahren pflegen und betreuen die Mitarbeiter alte und kranke Menschen in der Chiemseeregion. „In unserem Handeln fühlen wir uns den Werten unserer Träger und den sich uns anvertrauenden Menschen verpflichtet: Wir pflegen unsere Patienten als wertvolle und geliebte Geschöpfe Gottes mit Gerechtigkeit und Nächstenliebe“, heißt es unter anderem im Pflegeleitbild der Diakonie-Einrichtung. „Wir begegnen einander und unseren Kunden mit Wertschätzung, Respekt und Hochachtung.

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