Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Die junge Generation lernt Weisheiten

Obst- und Gartenbauverein Nußdorf bindet Kräuterbuschen und überliefert altes Wissen im Chiemgau

Maria Himmelfahrt ist der Höhepunkt des Kräuterjahrs. Bis dahin sammeln, trocknen und binden die Jugendlichen des Nußdorfer Obst- und Gartenbauvereins die duftenden Pflanzen zu Kräuterbuschen, die später in der Kirche gesegnet werden.
+
Maria Himmelfahrt ist der Höhepunkt des Kräuterjahrs. Bis dahin sammeln, trocknen und binden die Jugendlichen des Nußdorfer Obst- und Gartenbauvereins die duftenden Pflanzen zu Kräuterbuschen, die später in der Kirche gesegnet werden.

In diesen Tagen ist die Jugend des Nußdorfer Obst- und Gartenbauvereins recht aktiv. Überall auf den Wiesen blühen derzeit Pflanzen in allen Farben und die Wiesen duften.

Nußdorf im Chiemgau – Was für den einen nach Unkraut oder wild wachsenden Blumen ausschaut, ist für anderen ein Meer voller Heilkräuter, die nun gesammelt und zu Kräuterbuschen zusammengestellt werden. „Zu dieser Zeit haben unsere heimischen Heilkräuter durch Wärme und den hohen Sonnenstand in den letzten Tagen ihren Höchstgehalt an Wirkstoffen erreicht“, sagt Maria Liegl, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, unter deren Anleitung die Nußdorfer Junggärtner Kräuter eifrig sammeln.

Denn mit dem Sonntag Mariä Himmelfahrt wird der Höhepunkt des Kräuterjahrs erreicht, der in der katholischen Kirche gleichsam den feierlichen Abschluss der Heilkräuterernte bildet.

Lesen Sie auch: Mühldorf: Besuch in der Naturapotheke – Wie Heilkräuter auch heute Menschen helfen können (Plus-Artikel OVB-Online)

Zunächst werden die gesammelten Kräuter sortiert, getrocknet und zu duftenden Buschen zusammengestellt, um in der Kirche gesegnet zu werden. So haben die Jugendlichen Getreideähren, Fenchel, Baldrian, Kamille, Kornblumen, Lavendel, Petersilie, Salbei und vieles mehr zusammengetragen.

Kräuter sollen vor Unwetter genauso wie vor bösen Geistern schützen

„Später werden sie dann in den Stuben im Herrgottswinkel aufgehängt oder als Schutz an die Türen gehängt“, weiß Liegl zu berichten. Dabei kennt sie viele Geschichten, die sie den Jugendlichen erzählt und somit altes Wissen und Tradition an die kommenden Generationen weitergibt.

So habe man früher bei starkem Gewitter die Kräuterbuschen zum Schutz des Hauses vor Blitzschlag, Hagel und anderem Unwetter am Ofen verräuchert. Mancherorts wurden Kräuterbuschen auch zum Schutz des Viehs in den Ställen verräuchert. Und in den kommenden wilden und kalten Rauhnächten könne ihr Rauch gar böse Geister verjagen.

Aberglaube spielte bei Heilkräutern große Rolle

Neben viel Aberglauben bieten getrocknete Kräuter auch Nützliches. „Früher, als die medizinische Versorgung noch nicht so gut war, hat man die getrockneten Kräuter zu Tees, Tinkturen oder Elixieren mit heilender Wirkung verarbeitet. So sorgt zum Beispiel Baldrian für ruhigen Schlaf und Arnika wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend“, erzählt sie den Jugendlichen, die währenddessen eifrig ihrer Arbeit nachgehen.

Auch sei die Zusammenstellung der Kräuterbuschen mit altem Wissen und Symbolik verknüpft. Demnach spielt die Anzahl der zusammengebundenen Kräuter eine Rolle. Wichtig sei nur, dass immer eine „heilige Zahl“ infrage komme. Das sei die Drei für die Dreifaltigkeit, die Sieben für die sieben Sakramente oder die Zwölf für die Anzahl der Apostel und ganz nach Belieben kann auch immer ein Vielfaches der heiligen Zahlen in einem Kräuterbuschen vorkommen. „Früher gehörten zu einem richtigen Kräuterbuschen 77 verschiedene Gräser und Kräuter“, erinnert sich die Hobbygärtnerin.

Weitere Artikel und Nachrichten aus dem Rosenheimer Land finden Sie hier.

Eine kleine Gärtnerin hatte abschließend einen Tipp auf Lager: „Ich stelle mir einen großen Kräuterbuschen in mein Zimmer, der mich im kalten Winter an den schönen warmen Sommer erinnert.“ Die geweihten Kräuterbuschen können gegen eine Spende, die für die Jugendarbeit im Verein verwendet wird, nach der Kirche am Sonntag erworben werden.

Mehr zum Thema

Kommentare