Trend in der Region

Was Wohnhäuser aus Holz Häusern aus anderen Baustoffen voraus haben

Bisher erfreuen sich Gebäude aus Holz mit modernem Erscheinungsbild vor allem bei privaten Bauherren steigender Beliebtheit, wie dieses Beispiel von 2015 aus Unterwössen zeigt.
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Bisher erfreuen sich Gebäude aus Holz mit modernem Erscheinungsbild vor allem bei privaten Bauherren steigender Beliebtheit, wie dieses Beispiel von 2015 aus Unterwössen zeigt.
  • vonAxel Effner
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Innovationen und neue Standards steigern die Nachfrage nach dem Baustoff Holz. Er lässt sich energieeffizient gewinnen und speichert obendrein CO2. Bauexperten aus Rosenheim, Traunstein und Seebruck bestätigen sowohl die klimaschonenden Eigenschaften von Holz und die wachsende Nachfrage danach.

Rosenheim/Traunstein/Seebruck – Im Zusammenhang mit Stichworten wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung erfreut sich auch der Holzbau wachsender Beliebtheit. Seit etwa sechs Jahren verzeichnen Wohngebäude in Holzbauweise mit einer bundesweiten Steigerung von 15,1 auf 18,7 Prozent einen stetigen Aufwärtstrend. In Bayern (23,2 Prozent) und Baden-Württemberg (31,9 Prozent) liegt die Quote der genehmigten Wohnbauten aus Holz laut Statistischem Bundesamt noch deutlich darüber.

In der Energiebilanz weit überlegen

„Holz gewinnt in jüngster Zeit eine immer stärkere Bedeutung in der Bauwirtschaft, vor allem, weil sich die Anforderungen von Planern und Bauherren stark geändert haben“, sagt Professor Thorsten Ober. Er ist Dekan der Fakultät für Holztechnik und Bau an der TH Rosenheim. Als nachwachsender, einheimischer Rohstoff sei Holz den mineralischen und erdölbasierten Baustoffen aufgrund seiner Energiebilanz „weit überlegen“.

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Der im Holz und in Gebäuden gebundene Kohlenstoff könne nicht in die Atmosphäre entweichen und sei damit ein „entscheidender Faktor im Kampf gegen die Erderwärmung“, sagt Ober. Nach einem aktuellen Report des Thünen-Instituts für internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie in Braunschweig lassen sich pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche bei Einfamilienhäusern 77 bis 207 und bei Mehrfamilienhäusern 18 bis 178 Kilogramm CO2-Äquivalente einsparen.

Überdurchschnittliche Marktpreise

„Auch beim Schall- und Brandschutz können Massivholzbauten längst mit Gebäuden in herkömmlicher Bauweise mithalten“, erklärt Diplomingenieur Josef Egle aus Traunstein. Er untersucht als öffentlich bestellter und vereidigter Gutachter rund 70 bis 80 Holzhäuser im Jahr. Zu erreichen ist die hohe Schutzwirkung durch die „intelligente Aneinanderreihung verschiedener Bauteilschichten“.

Qualitativ hochwertige Holzhäuser – am besten mit Gütezeichen –  können auf dem Immobilienmarkt sogar „überdurchschnittliche Marktpreise“ erzielen, sagt Egle.

Dr. Florian Siemer, Geschäftsführer des Chiemgauer Holzhauses in Traustein, verzeichnet eine „deutlich zunehmende Nachfrage nach ökologischen Bauweisen“. Bestätigen kann das Norbert Kendler von der Zimmerer-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land, der von „massiven Engpässen“ bei Holz-Lieferanten berichtet.

Noch kann Siemers Familienbetrieb das beliebte Material in erforderlicher Weise beschaffen: Rund 2000 Kubikmeter Holz verarbeitet er pro Jahr für etwa 30 Wohnhäuser in Massivholzbauweise.

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Deutlich verkürzte Bauzeit

Wie er erklärt, machten natürliche Baustoffe und Wandaufbauten chemische Hilfsmittel wie Kleber, Leim, Lösungs- oder Schutzmittel überflüssig. Durch die höhere Auskühl- oder Aufheizdauer klimaregulierender Holzwände im Vergleich zu Ziegelbauten könne Energie gespart werden. Wesentlich weniger Energie erfordere zudem die Gewinnung, Herstellung und Entsorgung des Baustoffs Holz. „Man sollte dabei den Gesamtlebenszyklus des Hauses im Blick haben“, sagt Siemer.

„Der persönliche CO2-Fußabdruck wird aus meiner Sicht der Wert- und Zahlungsmaßstab der Zukunft“, ergänzt Michael Regnauer. Er ist Geschäftsführer von Regnauer Fertigbau in Seebruck. Mit 240 Mitarbeitern verarbeitet das Familienunternehmen jährlich bis zu 10 000 Kubikmeter Holz im Wohn- und Gewerbebau. Regnauer setzt auf Vorfertigung von Holz- und Hybridbausystemen, was die Montagezeit vor Ort im Vergleich zu mineralischer Bauweise „deutlich“ verkürze. In Zukunft, ist Regnauer überzeugt, „wird am Rohstoff Holz kein Weg vorbeiführen.“

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