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Von der Pandemie getroffen

Null Euro Umsatz in sechs Monaten: Das Corona-Leid der Busunternehmen am Chiemsee

Hoffen auf einen halbwegs normalen Betrieb: Der Priener Busunternehmer Helmut Krumrey wagt einen optimistischen Blick aufs anstehende Reisejahr.
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Hoffen auf einen halbwegs normalen Betrieb: Der Priener Busunternehmer Helmut Krumrey wagt einen optimistischen Blick aufs anstehende Reisejahr.
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Mal eben mit dem Bus an den Gardasee oder an die Krimmler Wasserfälle? Nix wars – In der Pandemie haben auch die Busunternehmen am Chiemsee stark gelitten. Von einer Branche, die tief getroffen ist.

Bernau/Gstadt/Prien – Nach wie vor hält die Corona-Pandemie unser gesellschaftliches wie auch wirtschaftliches Leben fest in ihren unberechenbaren Klauen. Von den Negativ-Auswirkungen der beiden Corona-Jahre sind - wie viele andere wirtschaftliche Zweige – auch die Reisebusunternehmen quer durchs Land massiv betroffen. Vor allem jene, die auf den Tourist- oder Gelegenheitsverkehr angewiesen sind, wie eine Umfrage der Chiemgau-Zeitung bei Betrieben am westlichen Chiemsee deutlich macht. Bedingt durch die behördlichen Verbote brachen zum Beispiel Freizeittouren, Tagesausflüge oder mehrtägige Reisetouren weg, was zu größeren Löchern im Säckel der Busbetriebe sorgte.

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Die Schlüssel abziehen und die Bustüren zu, hieß es vor knapp zwei Jahren für Helmut und Bianka Krumrey in Prien. „Die Pandemie bedingten Einschränkungen haben uns sehr stark getroffen, auch deshalb, weil wir keinen Schulbusbetrieb fahren“, sagt der 54-Jährige auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

„Von November bis Mai Null Euro“

„Zwischen November 2020 und Mai 2021 gab’s für uns einen Umsatz von Null Euro.“ Dennoch sei’s irgendwie wirtschaftlich weitergegangen, „weil wir uns mit staatlicher Förderung über Wasser halten konnten“.

Unverständnis zeigt der Busunternehmer für manche staatliche Regelungen und Auflagen, vor allem mit dem Informationsverhalten einiger Behörden steht er auf dem Kriegsfuß, wie er zugibt. Krumrey: „Nach dem ersten Lockdown 2020 wurde in der Pfingstwoche dienstags veröffentlicht, dass wir am Samstag vor dem Festtag wieder fahren dürften. „Meine sofortige Email-Anfrage bei der Regierung von Oberbayern, zu welchen Bedingungen wir den Reisebetrieb wieder aufnehmen können, wurde freitags beantwortet mit dem Hinweis, dass vielleicht am Nachmittag eine Bekanntgabe erfolgen werde. Die kam aber erst am Dienstag nach den Feiertagen.“

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Mit Blick aufs Reisegeschäft in diesem Jahr sei er verhalten optimistisch, „dass die Hauptreisemonate Mai, Juni, Juli und September und Oktober gut laufen werden“, hofft der 54-Jährige.

„Mit dem ersten Lockdown gab’s einen dicken roten Strich durchs Auftragsbuch – und die Busse standen still“, blickt Annemarie Harlander zurück. „Zunächst auch auf den Schullinien für die Franziska-Hager-Schule, Prien, die Wildenwarter Grundschule und die Bernauer Schule.“ In Bernau betreibt sie mit ihrem Mann Dieter seit 35 Jahren das Busunternehmen Harlander; auch die Tochter arbeitet mit. „Es war eine schwere Zeit für uns. Wir haben halt sparsam gelebt. Zum Glück haben wir staatliche Unterstützung bekommen und mussten unsere zwei Angestellten nicht in Kurzarbeit bringen“, erklärt die 63-Jährige unserer Zeitung.

Abwarten statt Fahren

Mittlerweile laufe das Geschäft wieder, wenn auch verhalten. Im touristischen Bereich seien noch keine größere Fahrten geplant, „wir warten erst ab, wie sich die Situation entwickelt“. Ein Grund dafür sei, dass die Hotels Vorkasse für Buchungen verlangen, „und das kann schnell mal zu unseren Lasten gehen“, so Harlander. Wie schon 2020 geschehen: „Anfangs der Corona-Pandemie hatten wir eine Hamburgfahrt geplant, die aber aufgrund des Lockdown ausfiel. Wir hätten beinahe die halbe Vorauszahlung auf die Bettenbuchungen selbst tragen müssen. Es hat sehr lange gedauert, bis wir das abwenden konnten und nur noch einen geringen Betrag zu zahlen hatten.“

„Relativ unbeschadet“

Relativ unbeschadet hat sich das Gstadter Busunternehmen Karl Heinz Heitauer durch die Pandemie-Zeit manövrieren können, wie Gabi Heitauer (61) am Redaktionstelefon erklärt. „Zwar sind auch bei uns Mehrtagesreisen, Wochenendausflüge, Tagesfahrten, Vereins- oder Fußballfahrten dem Rotstift zum Opfer gefallen. Aber wir haben mit Kfz-Werkstatt und Postagentur im Haus mehrere unternehmerische Standbeine; so konnten wir unsere zehn Angestellten wie auch die Busse halten.“ Außerdem sei der Schulbusbetrieb mit sechs Fahrzeugen zum Teil weitergelaufen, so Heitauer; „die Ausfallzeiten wurden von Landratsamt, Gemeinden und Schulen mit entsprechenden Beträgen kompensiert“. Jetzt hoffe sie mit ihrem Mann auf ein besseres Jahr, „unser touristisches Programm steht dafür“.

Stephan Rabl, Geschäftsführer des Landesverbands Bayerischer Busunternehmer:

„Wie es weitergeht für die Busunternehmer, ist schwer vorherzusagen, denn bislang hat uns die Pandemie immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Anfang 2021 hatten wir auch gehofft, dass das Schlimmste hinter uns liegt. Aber es kam anders. Grundsätzlich gehen wir davon aus, das die Situation heuer nach Ostern – wenn das Wetter besser wird und Omikron seinen Scheitelpunkt erreicht hat - auch wieder deutlich besser wird. Wir hoffen auf ein gutes Sommer- und Herbstgeschäft, wissen aber auch, dass wir im Winter wieder vor dem gleichen Problem stehen könnten.“

Stephan Rabl, Geschäftsführer des Landesverbands Bayerischer Busunternehmer.

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