Hilfe für Familien

Notbetreuung im Corona-Lockdown ist unabhängig vom Beruf – so ist die Lage vor Ort in Bernau

Größtenteils verwaist sind aktuell die Kindergärten, allerdings gibt es auch Notbetreuungen, wie hier im „Haus für Kinder“ der Arbeiterwohlfahrt.
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Größtenteils verwaist sind aktuell die Kindergärten, allerdings gibt es auch Notbetreuungen, wie hier im „Haus für Kinder“ der Arbeiterwohlfahrt.

Die geschlossenen Kindergärten und Schulen bringen Bernauer Familien an ihre Grenzen. Für Linderung in ganz schwierigen Situationen sorgt die Notbetreuung.

Von Tanja Weichold

Bernau – Wie sieht es mit Angebot und Nachfrage vor Ort aus? Die OVB-Heimatzeitungen hörten sich in Bernauer Kindertageseinrichtungen um. Sie sei von Natur aus optimistisch, erklärt Eva Höfling-Freund, Leiterin des Katholischen Kindergartens St. Laurentius. Gut jede zehnte Familie nimmt aktuell die Notbetreuung in Anspruch. Die Kinder sind von ein bis sechs Jahre alt. Höfling-Freund spricht in fröhlichem Ton, lässt trotzdem Sorgen durchblicken. „Wenn so etwas nächstes Jahr noch einmal kommt, fliegt uns das um die Ohren, wir sind einfach müde.“ Mit „das“ ist der Lockdown gemeint, mit „uns“ die Eltern und das Personal.

Nach eineinhalb Stunden Homeschooling zur Arbeit

Höfling-Freund ist dreifache Mutter, sie erhöhte trotzdem aus gegebenen Anlass auf einen Vollzeitjob. Wenn sie zur Arbeit kommt, hat sie bereits eineinhalb Stunden Homeschooling mit ihren Grundschulkindern hinter sich. Die meisten ihrer Kolleginnen haben ebenfalls Kinder. „Generell stoßen wir total an unsere Grenzen“, sagt Höfling-Freund.

Mit Wechselschichten und vielen Absprachen versuchen alle miteinander bestmöglich die Situation zu meistern. „Wir sitzen alle in einem Boot.“ Viel Verständnis macht die Kindergartenleiterin bei den Eltern aus. Wenn die Schließung nach den Ferien andauert, sagt sie einen Bedarf an Notbetreuung von 75 Prozent voraus. „Aktuell spielt uns noch Weihnachten in die Hände.“

Niederschwelligkeit des Angebots ist ein Fortschritt

Sandra Reichl von der Zentrale der Arbeiterwohlfahrt in Rosenheim lobt beim aktuellen zweiten Lockdown die Niederschwelligkeit des Angebots. „Es gab keine beruflichen Einschränkungen.“ Alle Eltern, die nachweislich keine andere Möglichkeit hatten, konnten ihre Kinder zur Notbetreuung anmelden. Die Arbeiterwohlfahrt betreibt in Bernau das Hauses für Kinder.

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Unklare Vorgaben vom Ministerium

Veronika Schnaiter-Porschitz, Leiterin beim „Netz für Kinder“ in Bernau dagegen sagt: „Die Vorgaben des Familienministeriums sind schwammig.“ Beim Netz für Kinder sind fünf Vier- bis Achtjährige in der Notbetreuung, das ist genau ein Drittel der sonst üblichen Zahl. „Wir haben keine offizielle Information vom Landratsamt oder vom Ministerium, wer Anspruch auf die Notbetreuung hat.“ Die Entscheidung habe sie nach Rücksprache mit dem Vorstand und mit anderen Kindergartenleiterinnen getroffen.

Schweren Herzens Absagen beim ersten Lockdown erteilt

Im ersten Lockdown im Frühjahr habe ihr oft das Herz geblutet, weil sie jenen Eltern, die nicht in systemrelevanten Berufen arbeiteten, aber trotzdem in Betreuungsnot waren, keinen Platz geben konnte. Viele seien durch jedes Raster gefallen. Diesmal ist es anders. Die Eltern mussten lediglich glaubhaft versichern, dass sie selbst keine Betreuung organisieren konnten. Aus welchem Beruf sie kamen, spielte keine Rolle.

Urlaub aufgebracht, soziales Umfeld bis an die Grenze belastet

„Dort, wo die Eltern eine echte Not haben, ist die Betreuung gerechtfertigt“, so Schnaiter-Porschitz. Jeder sei angehalten gewesen, alle Möglichkeiten zu prüfen. Diejenigen Eltern, die die Notbetreuung benötigten, seien dankbar dafür. „Grundsätzlich haben die meisten ihren Urlaub schon aufgebraucht und das soziale Umfeld bis an die Grenze belastet.“

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