Noch zwei Kriegsteilnehmer unter den Mitgliedern

Blick zurück: Die Feier zum 100-jährigen Bestehen der Kameradschaft am Kriegerdenkmal.
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Blick zurück: Die Feier zum 100-jährigen Bestehen der Kameradschaft am Kriegerdenkmal.

Rimsting –. Wenn es auch nur noch zwei Mitglieder gibt, die am Zweiten Weltkrieg teilgenommen haben, ist die Krieger- und Soldatenkameradschaft Rimsting noch lange kein „verstaubter Verein“, wie manchmal behauptet werde.

Mit verjüngtem Vorstand und neuem Vorsitzenden Florian Friedrich und rund 100 Mitgliedern nimmt er rege am Gemeindeleben teil.

Der Verein wurde am 30. Juni 1901 von 58 ehemaligen Soldaten und Kriegsteilnehmern gegründet und könnte im nächsten Jahr seinen 121. Geburtstag begehen. Schon vorher bestand eine lose Vereinigung aus den Kriegsteilnehmern der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, der gedienten Soldaten aus den Kriegen von 1866 und 1870/71. In den Kriegsjahren von 1914 bis 1918 mussten 134 Männer den Soldatenrock anziehen. Dabei ließen 21 Kameraden im Ersten Weltkrieg ihr Leben. Geschichtlich interessant: Bereits 100 Jahre vorher, 1813, mussten beim Napoleon-Krieg gegen Russland, Johann Förg von Kalkgrub und Josef Rappl, Hölzlsohn von Hochstätt, ihr Leben lassen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1921 das Vereinsleben wieder aufgenommen. Die Führung übernahmen Johann Wimmer, Holzlbauer von Hochstätt, Hans Fritz, Simmernbauer von Stetten, und Max Bartl, Hauptlehrer in Rimsting.

Am 27. August 1922 wurde das erste Kriegerdenkmal an der Hauptstraße eingeweiht, drei Jahre später die zweite Vereinsfahne. Diese stiftete Georg Rieger, Bäckerssohn von Rimsting. Er war zwar bereits 1912 nach Amerika ausgewandert, es folgte eine symbolische Übergabe über den Ozean hinweg an einen deutschen Soldaten.

Der Zweite Weltkrieg bedeutete einen gewaltigen Aderlass von der Gemeinde Rimsting. 333 Väter und Söhne mussten in den Krieg ziehen. 64 von 905 Einwohnern ließen 1939 ihr Leben. Die Chronik schreibt, dass die Vereinsfahne 36-mal bei Gefallenengottesdiensten gesenkt worden sei.

Danach begann eine Neuorganisation des Vereins unter Führung von Nikolaus Bauer mit 50 Kriegsheimkehrern. Eine Kriegerheimkehrfeier mit 222 Personen fand 1951 statt.

1955 wurde bei den Neuwahlen Rimstings Bürgermeister Josef Mayer zum neuen Vorsitzenden berufen. Die Erweiterung des Kriegerdenkmals mit einer großen Namenstafel der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges weihte Prälat Dr. Michael Höck am 8. Oktober 1962.

Zum 75. Jubiläum wurde am 13. Juni 1976 eine dritte Fahne geweiht, um die bisherigen, mittlerweile verschlissenen Vereinsfahnen zu ersetzen.

Im Jahr 1980 erfolgte der Beitritt zur Interessengemeinschaft der Krieger- und Soldatenvereine im Landkreis Rosenheim. Daraus folgte die verpflichtende Teilnahme am alljährlichen Bezirkstreffen.

Am Kirchweihsonntag 1991 ging die fast 4o-jährige Ära von Mayer als Vorsitzendem und Josef Fritz als Schriftführer zu Ende. Sie kandidierten aus Altersgründen nicht mehr. Heinz Steinberger wurde zum Vorsitzenden und Georg Werndl als Stellvertreter gewählt. 2017 gab es noch sechs Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs. Der Verein schrumpfte auf rund 100 Mitglieder. Eine Auflösung des Vereins wurde zwar debattiert, aber bei der guten Finanzlage nicht ins Auge gefasst.

Eine Satzungsänderung mit Öffnung des Vereins und Beitrittsmöglichkeit auch für Nichtgediente wie auch Frauen, wurde beschlossen. Ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte war im Jahre 2010 das Bezirkstreffen der Vereine des Landkreises in Rimsting.

2016 kandidierte Steinberger nach 24 Jahren nicht mehr. Florian Friedrich konnte als Nachfolger gewonnen werden. Stellvertreter Georg Werndl und Schriftführer Raimund Steinberger blieben im Amt.

Mit dem Wahlspruch „In Treue fest“ geht der Verein nach fast 120 Jahren weiter in die Zukunft. th

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