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Gewaltige Gewitterwalze rollt auf uns zu: Erste Warnungen für die Region

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Jugend „mit angezogener Handbremse“

„Noch nie so viele blaue Flecken gesehen“: Jugendtreff-Leiterin über Gewalt in Corona-Zeiten

Claudia Sasse, Leiterin des PrienAYou, hilft dort auch bei den Hausaufgaben.
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Claudia Sasse, Leiterin des PrienAYou, hilft dort auch bei den Hausaufgaben.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Corona hat manche Jugendliche ins soziale Abseits manövriert. Wohin das führen kann, schilderte Claudia Sasse, Leiterin des Priener Jugendtreffs, beim Treffen von Elternbeiratsvertretern aller örtlichen Schulen. Dort scheinen die Auswirkungen noch händelbar, wie eine Nachfrage bei Lehrern zeigte.

Prien – Es war ein teilweise erschreckendes Bild, das Sasse im Chiemsee Saal zeichnete. Die Leiterin des Jugendtreffs PrienAYou berichtete unter anderem von Depressionen, Essstörungen, steigendem Drogenkonsum, zunehmender Gewaltbereitschaft und häuslicher Gewalt in Lockdown-Zeiten. „Ich habe noch nie so viele blaue Flecken gesehen“, so Sasse unter anderem.

Rektor und Lehrer der Franziska-Hager-Mittelschule, in die etwa die Hälfte der Stammgäste des Jugendtreffs geht, skizzierten aus ihrem Haus im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen ein anderes Bild. Sie schilderten zwar durchaus Schwierigkeiten, vor allem aus der Zeit des Distanzunterrichts, widersprachen aber Sasses drastischer Darstellung.

Sie diskutierten mit den OVB-Heimatzeitungen darüber, wie sich Corona und Distanzunterricht auf ihre Schüler ausgewirkt haben (von links): Mittelschulrektor Marcus Hübl sowie die Lehrer Andrea Fischer, Setenay Götz, Daniela Heß und Georg Leidel.

„Bedauerliche Einzelfälle“

Bürgermeister Andreas Friedrich sprach auf Nachfrage der Redaktion von „bedauerlichen Einzelfällen“, die ihm bis dato nicht bekannt gewesen seien und die intensiv aufgearbeitet werden müssten. Sasse selbst betonte auf Nachfrage der Redaktion, dass die größten von ihr geschilderten Probleme junge Leute träfen, die nicht mehr in eine Priener Schule gingen.

Das sich manches zum Schlechteren verändert hat, darin sind sich Sasse und Mittelschul-Rektor Marcus Hübl einig. Hübl weiß, dass sich die Problematik übermäßiger Nutzung sozialer Medien „massiv verstärkt“ hat und „soziale Auffälligkeiten zunehmen“. Das sei aber ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Durch das Klassleiterprinzip an der Mittelschule, bei dem ein Pädagoge die allermeisten Stunden mit seiner Klasse hat, fielen Probleme eher auf als an anderen Schulen, wo die Lehrkräfte von Fach zu Fach wechseln, schildert Hübl.

Daniela Heß, die ihre Ganztagsklasse viermal in der Woche acht Stunden betreut, und Andrea Fischer, die eine neunte Abschlussklasse unterrichtet, hatten eigens für das Gespräch mit der Redaktion eine Blitzumfrage unter ihren Schülern gemacht. Die Stimmungslage wurde überwiegend als gut bewertet. Ein Punkt einte alle Mittelschüler: Sie sind sehr froh, nach mehreren Lockdowns endlich wieder im Präsenzunterricht zu sein und wieder Mitschüler zu treffen. Für das Minigolfturnier ihrer Klasse zum Wiedersehen hätte man „früher keinen Hund hinter dem Ofen hervorgeholt, so war es das Highlight“.

„Wir pflegen eine Pädagogik des Hinschauens“, betont Heß und verneint Fragen nach Spuren häuslicher körperlicher Gewalt bei ihren Schützlingen entschieden. Ihre Kollegen nicken bestätigend.

Während des Distanzunterrichts haben die Lehrer den Kontakt zu den Elternhäusern intensiviert. Vor einem Jahr hat sogar jeder Klassleiter die Zwischenzeugnisse bei allen seinen Schülern persönlich zuhause abgeliefert, erinnert Setenay Götz.

„Es sind welche da, die wegtauchen“

Dass es schwierig war, während der Lockdowns den intensiven Kontakt zu halten, verhehlt Georg Leidel nicht. Der Leiter einer zehnten M-Klasse hat erlebt, was passiert, wenn er nur einzelne Schüler auf dem Laptop-Bildschirm sieht während des digitalen Unterrichts. „Es sind welche da, die wegtauchen, die mit der Situation nicht zurechtkommen.“

Heß berichtet von einem halben Dutzend Schülern, bei denen es die häusliche Situation nicht zugelassen habe, kontinuierlich mitzuarbeiten. Sie wurden in die Notbetreuung zurück in die schulische Obhut geholt.

Die Pädagogen sind überzeugt, dass die Abschlussschüler trotz aller Versäumnisse wegen des Distanzunterrichts ihre Prüfungen in ein paar Monaten schaffen werden. Ein bis zwei Woche habe es gedauert, wieder Struktur in den schulischen Alltag zu bekommen, schildert Fischer.

Die Lehrer haben Verständnis für die Probleme ihrer Schüler. Soziale Kontakte sind minimiert, „sie können sich nicht ausprobieren“, formuliert es Klassleiterin Andrea Fischer. Sie spricht von einer Jugend „mit angezogener Handbremse“.