Noch herrscht bei der Bernauer Segeljugend Flauten-Stimmung

Die jungen Seglerdes Bernauer Segelclubs Felden bei der Nikolausregatta: Selbst kühle Temperaturen schrecken sie nicht ab. BSCF
  • vonElisabeth Kirchner
    schließen

Segeln in Zeiten von Corona: Jugendwarte des Bernauer SCF über die Geduldsprobe

Bernau – In Bayern dürfen derzeit (Stand zum Redaktionsschluss) nur Segler als „kontaktlose Einzelsportler“ aufs Wasser. Da aber auch beim Wassersport noch immer gilt, den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten, sind es höchstens Einhandsegler, die ihre Jollen benutzen dürfen.

Für den Bernauer Segel Club Felden (BSCF) ist der Lockdown in mehrfacher Hinsicht schade: Nicht nur müssen sich die Segelfans gedulden. Sie dürfen auch nicht so flott wie gedacht tatkräftig bei der Rundumerneuerung ihrer Club-Stege mithelfen. Besonders traurig macht es die Jugendabteilung des BSCF, dass sie nicht gemeinsam hinausdürfen aufs Bayerische Meer. Die Chiemgau-Zeitung hat sich im Yachtzentrum Bernau mit drei Verantwortlichen der Jugendabteilung des BSCF getroffen: Den Jugendwarten Martin Hespe und Piotr Kampa, sowie der Trainerin und Jugendsprecherin Maya Inninger.

Was bedeutet der Stillstand für die jüngsten Segler?

Martin Hespe: Segeln ist eine Leidenschaft, und als Jugendwart bin ich sehr nahe an den jungen Leuten dran. Da freut es mich immer wieder aufs Neue, mit welcher Hingabe selbst die Jüngsten dabei sind. Aber heuer ging noch gar nichts. Den jüngsten Seglern, die 2019 begonnen haben, wird die Routine abgehen, vielleicht sogar die Motivation,. Den Trainingsrückstand wieder aufzuholen, ist eine weitere Sache.

Piotr Kampa: Normalerweise ist der Kalender der BSCF Jugend proppenvoll. Dieses Jahr wäre es für unsere Opti-Kids Mitte März zum Training an den Attersee gegangen. Danach zum Ostertraining am Gardasee. Direkt im Anschluss wäre das „38th Lake Garda Meeting“ am Fraglia Vela Riva, die größte Klassenregatta der Welt, auf dem Programm gestanden. Nicht zu vergessen die Jugendwoche in den Pfingstferien, die Ausrichtung des „Bernauer Opti“ (Abkürzung für „Optimist“, eine Einhandjolle, Anm. d. Red.) und des Opti A/B- „Herbstpokal des Südens“ im Oktober. Aber derzeit ruhen alle Aktivitäten, auch wenn wir hoffen, bald mit kleinen Gruppen wieder den Trainingsbetrieb aufzunehmen.

Lesen Sie auch: Priener Schüler segelt um die Welt, dann macht das Coronavirus die Tour zum Abenteuer

Frau Inninger, Sie sind aktive Seglerin, waren etwa als Mitglied der südbayrischen Leistungsgruppe im vergangenen Jahr bei der deutschen Meisterschaft sowie bei der Kieler Woche, engagieren sich als Segeltrainerin beim BSCF. Wie geht es Ihnen nun als unfreiwillige Landratte?

Maya Inninger: Eigentlich ganz gut. Die vergangene Saison war sehr ereignisreich, und die vielen Erfahrungen, sei es bei großen Regatten oder kleinen bayerischen, möchte ich nicht missen. Da ich dieses Jahr mein Abi mache, hätte ich mich heuer gerne „nur“ als Segeltrainerin eingebracht, aber jetzt bleibt es abzuwarten, wie es mit den Corona-Regelungen weitergeht. Dennoch hoffe ich, dass ich bald wieder segeln darf, denn Segeln ist ein toller Sport und Hobby. Und diese Leidenschaft würde ich gerne an die Kinder und Jugendlichen, die beim BSCF mitmachen, weitergeben.

Wie führt der BSCF die Jüngsten an den Segelsport heran?

Martin Hespe: Wir haben fünf Trainer und viele weitere, freiwillige junge Helfer und so manche Eltern. Wir fangen mit der Jugendwoche in den Pfingstferien an, bei der beispielsweise 2019 über 40 Kinder dabei waren. Und bei allen Regatten der Opti- und Laserliga waren wir jeweils mit rund zehn Kindern am Start. Alles in allem waren das rund 55 von der BSCF-Jugend organisierte oder begleitete Events, inklusive der Teilnahme an 20 Regatten durch unsere 36 aktiven Jugendsegler. Dabei sein ist Alles, doch der Reiz zu gewinnen ist auch etwas Feines. Wen die Segelei gepackt hat und dem das Training zu langweilig ist, der kann in unserer Regattagruppe einsteigen. Im Wettkampf stehen dann auf verschiedenen Niveaustufen alle Türen offen. Von Regionalwettkämpfen bis zur Deutschen- und Welt-Meisterschaft.

Piotr Kampa: Der BSCF unterstützt dabei mehrere Bootsklassen. Der „Opti“ ist die weiterbreiteste internationale Jugendklasse. Dann haben wir noch den 29er, ein modernes, sehr schnelles, sportliches Jugendskiffboot. In dieser Bootsklasse haben wir momentan die größte Leistungsgruppe und feiern Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene. Und nicht zu vergessen den Laser, die sportliche Einmannjolle, die für ältere Einsteiger geeignet ist.

Maya Inninger: Bei der Jugendwoche in der zweiten Pfingstferienwoche kommen immer viele interessierte Kinder. Und wenn die Kinder dann ohne Mama und Papa auf einem Boot sind und selbst steuern, dann ist das für die ein tolles Gefühl. Egal, wie das Wetter ist. Die einzige Voraussetzung, die man mitbringen muss, ist, man muss schwimmen können.

+++

Tipp der Redaktion:  Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Martin Hespe: Dieses Jahr ist eben anders. Wir wollen ein Training für Kleingruppen anbieten, aber wir müssen auch die Steganlagen fertig herrichten, die Boote ins Wasser lassen, die Landliegeplätze neu aufteilen und das Clubgelände aufräumen. Das geht nur zusammen. Angesichts von Corona gilt es, die vielen Einschränkungen zu akzeptieren. Schließlich sind wir nicht die einzigen Betroffenen.

Über den Bernauer Segelclub Felden

Regatten auf deutscher und internationaler Ebene

Der BSCF ist ein Segelclub mit über 50- jähriger Tradition. Am 1. April 1968 von zwölf Gründungsmitgliedern in der damaligen Pension „Strandhaus“ in Felden als Segelclub gegründet, sollte der Verein für jeden erschwinglich sein. Damals noch ohne Club, Clubgelände und ohne Clubliegeplätze, erwuchs später der Bernauer Segel-Club e.V. Felden. Aus der anfänglich einen Steganlage entstand nach und nach - vornehmlich in Eigenregie und Eigenleistung - die heutige Segelanlage mit zwei Stegen und einem Clubhaus, das den Seglern als Unterkunft, den Regatta-Seglern als Büro und Tagungsstätte und den jungen Seglern als Schulungsraum dient. Heute hat der Club über 330 Mitglieder. Seglerisch hat der BSCF einige Erfolge vorzuweisen, von der Jugend bis für die älteren Semester ist für jeden was dabei und seit Jahren zeichnet der BSCF verantwortlich für verschiedenste Regatten auf deutscher und internationaler Ebene.

Mehr zum Thema

Kommentare