Mit 60 drückt Priens evangelischer Pfarrer nochmal die Schulbank - an der Popakademie

Priens evangelischer Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarthschenkt sich zum runden Geburtstag ein Gastsemester an der Pop-Akademie Witten. Berger
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Priens evangelischer Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarthschenkt sich zum runden Geburtstag ein Gastsemester an der Pop-Akademie Witten. Berger
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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Der evangelische Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth feiert am Gründonnerstag seinen 60. Geburtstag und hat sich selbst ein ganz besonderes Geschenk gemacht: ein Gastsemester an der Hochschule für populäre Kirchenmusik in Witten (NRW).

Prien – Die Posaune wäre – blitzblank geputzt – schon abreisefertig. Sie ist gut verstaut in ihrem Koffer. Doch wann es mit ihrem „Herrchen“ Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth on Tour geht, steht – wegen Corona – noch nicht fest. Der evangelische Geistliche hat sich zum 60. Geburtstag ein Gastsemester an der Hochschule für populäre Kirchenmusik in Witten (NRW) geschenkt.

Coronavirus macht Strich durch die Pläne

Den Geburtstag selbst feiert er heute auf ganz ungewohnte Weise. Ohne viel Besuch von Gratulanten und ohne den ursprünglich geplanten Empfang im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde Prien. Das Coronavirus hat ihm hier einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dabei hätten ihm neben zahlreichen Freunden sowie seinen Mitbrüdern und Mitschwestern aus der Kirchengemeinde auch Wegbegleiter und seine Band „Blues4Use“ die Aufwartung gemacht.

Überraschung der Bandkollegen

Die Gruppe mit Ulli Nathen-Berger (Gitarrist und Sänger), Thomas Bogenberger (Bass und Gesang), Dietmar Baumanns (Schlagzeug), Uli Bauer (Piano und Orgel), Willi Weiß und Reinhart Knirsch (Saxophon), Rich Laughlin und Johannes Keller (Trompete) sowie Anita Berger (Lap Steel Gitarre) haben sich in der vergangenen Woche aufgrund der Coronakrise eine besondere kontaktfreie Überraschung für ihren „Kalle“ einfallen lassen. „Verraten wird noch nichts, sonst wäre die Überraschung kaputt“, verweigert Bandleader Ulli Nathen-Berger die Aussage.

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Und weiter: „Kalle tickt wie ein Herzschlag für unser cooles Gebläse.“ Die Truppe ist angesichts der Fortbildung von Wackerbarth und den prominent besetzten Lehrstuhl in Witten ebenfalls aus dem Häuschen. So würde unter anderem Lehrzeit mit Professor Dieter Falk auf dem Stundenplan stehen. Der Düsseldorfer Musiker, Komponist und Pianist gehört mit fünf ECHO-Nominierungen für über 20 Millionen verkaufte CDs als Produzent – unter anderem für PUR, Pe Werner, Monrose, Paul Young – zur Spitze der deutschen Musikszene. „Die Kirche war meine erste Bühne“, sagt der Musiker. Dies verbindet ihn mit Wackerbarth.

Aufnahmeprüfung bestanden

Die Freude über die Aufnahme zu diesem Gastsemester war so groß, dass er seinen Bandkollegen spontan einen ausgegeben hat, als die Zusage ins Haus geflattert war.

Denn eine Aufnahmeprüfung in Theorie und Praxis hatte galt es, zu absolvieren. „Da war ich sehr aufgeregt“, gesteht der Pfarrer gegenüber unserer Zeitung ein. Er habe bei einigen Aufgaben seine Grenzen aufgezeigt bekommen, „aber genau deshalb will ich ja das Studium machen“, so Wackerbarth.

Neben der Fortbildung hat das Studium einen zweiten möglichen Nutzen: „Vielleicht treffe ich ja dort jemanden, der die künftige halbe Stelle eines professionellen Kirchenmusikers bei der evangelischen Gemeinde Prien mit ihrer Region einnehmen kann und möchte“, so der Pfarrer.

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Ihm zufolge müssen sich die Gottesdienste verändern. „Wir müssen uns öffnen und Musik als Transportmittel unsere Botschaften mehr in den Fokus rücken“, ist er überzeugt. Dies sei der Weg der Zukunft, um auch Jüngere wieder mehr für die Institution Kirche zu begeistern. Der Musik seien dabei keine Grenzen gesetzt – von Helene Fischer bis Hardrock. „Worte schaffen nicht das, was Musik international und auf Gefühlsebene zu leisten vermag.

Bestes Beispiel, dass dieser Weg funktioniere, sei das von Wackerbarth geschriebene jährliche Weihnachtsmusical der Jugend. „Im Sommer singen die Buben und Mädchen noch die Lieder aus dem Stück“, so der Pfarrer. Dabei werde er bekannte Melodien mit neuen Texte belegen. „Die vertrauten Klänge führen dabei gleich zu einem leichten Zugang für den Zuhörer.“

Wackerbarth: „Die Gottesdienste müssen sich verändern“

Singende Kreuzwege, offene Singtreffen, das sind Ziele und Wünsche von Wackerbarth. „Ich möchte die Musik in das Leben aller Menschen bringen.“ So könne man auch die vermeintliche Schwelle zum kirchlichen Bereich absenken. „Unsere Region hat so viele tolle Musiker – professionell und semiprofessionell.“ Bereits jetzt sprudelt der der Pfarrer vor musikalischen Ideen.

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Doch er will mehr. „Ich will von den beeindruckenden Dozenten lernen. Ich möchte sie dabei auch sehen, mich mit ihnen direkt austauschen und auch mit meinen Mitstudenten musizieren und diskutieren.“ Deshalb kommt für ihn eigentlich die Online-Variante seines Studiums, angeboten aufgrund von Corona, weniger in Frage. Außerdem hat er bereits mit seiner Tochter, die in Witten wohnt, ein WG-Arrangement. „Das wird eine kultige Sache. Ich muss für mein Gästezimmer kochen. So lautet unser Deal.“

Drei Instrumente und jede Menge Ideen

Vom 14. April bis 10. Juli hätte der Geistliche der Musik zuliebe Prien den Rücken gekehrt. „Ich wäre Student mit Großelternstatus gewesen“, lacht Wackerbarth. Klavier, Gitarre und eben Posaune sind seine Instrumente. Die Posaune hat er von Kindesbeinen an gelernt, Auf der Gitarre „kann ich mit drei Akkorden alles begleiten“, scherzt der Pfarrer. Klavier habe er sich autodidaktisch die Anfänge selbst beigebracht. Er spiele viel aus dem Bauch heraus und habe den Rhythmus nicht nur im Blut, sondern auch im Ohr. „Wenn in einem Stück alles passt, dann erfasst einen der heilige Geist, so berauschend ist diese musikalische Einheit“, betont er.

Abreisetermin wegen Corona noch offen

Mit Wackerbarths neu erworbenem Wissen frotzeln die Bandkollegen über eines: „Vielleicht hat er nach dem Semester mehr Mut, mehr Solis zu spielen, obwohl er das jetzt schon kann.“ Aber bis es soweit ist, bleibt angesichts von Corona nur eines noch offen. Wann die Posaune nun tatsächlich auf Reisen gehen kann.

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