Nicht zum Schmusen freigegeben: ein Spaziergang mit Alpakas in Bernau

Kasius (links) trägt noch eine Krause am Hals, die zeigt, wie sein Fell vor der Schur aussah. Geyer
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Kasius (links) trägt noch eine Krause am Hals, die zeigt, wie sein Fell vor der Schur aussah. Geyer
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Sie sehen putzig aus, aber Berührungen mögen sie gar nicht: Die Alpakas von Sigrid Hogger in Bernau sind treue Wegbegleiter auf einem ungewöhnlichen Spaziergang.

Bernau – Sanfte braune Augen, lange Wimpern und weiches Fell, dazu der lange Hals und die feinen Glieder. Ganz samtig und knuffig sehen sie aus. Bei so einem Augenaufschlag fällt es mir schwer, sie nicht zu herzen und zu streicheln. Denn angefasst zu werden, mögen Alpakas gar nicht, lerne ich beim Alpaka-Spaziergang.

Vor drei Jahren entschieden sich die Hoggers vom Lenznhof dafür, Alpakas mitten in Bernau zu halten. „Mit vier Tieren haben wir angefangen. Eine Stute war damals tragend“, sagt Sigrid Hogger. Seitdem haben die Tiere noch ein paar Junge bekommen, neun Alpakas sind es inzwischen.

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Die Hoggers halten die Alpakas in erster Linie für ihre Wanderungen. Aber auch ihre Tiere müssen jedes Jahr geschoren werden. Drei bis fünf Kilo Wolle kommen dabei heraus. “Einen Teil davon lassen wir zu Wolle spinnen“, sagt Hogger. Den anderen Teil verarbeitet sie zu Seife.

Kasius trägt einen Schal

Nach einer kurzen Einführung und der Aufzäumung der Alpakas geht es für uns los in Richtung Chiemsee. Außer mir sind noch eine Familie aus Sachsen und eine Mutter mit ihrer erwachsenen Tochter mit dabei. „Mein“ Alpaka heißt Kasius, ist karamellfarben und hat am Hals noch eine Fellkrause, an der er nicht geschoren wurde. Ein elegantes Tier, friedlich und unaufdringlich. Er mustert mich prüfend mit seinen braunen Augen und dann laufen wir los.

Wie es ist, ein Tier zu führen, kenne ich noch aus Reiterzeiten. Mit Alpakas ist es aber doch ein bisschen anders als mit Ponys. Kein Gezerre, keine Kämpfe, wer sich durchsetzt. Ganz sensibel reagieren die Tiere. Nur manchmal, da hält ein Alpaka an und alle bleiben stehen.

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Warum, weiß man nicht. Sicher ist: Wenn eines steht, stehen die anderen auch. Wenn eines hüpft, hüpfen die anderen auch. Denn Alpakas sind Flucht und Herdentiere.

Kinder haben viel Spaß an den Alpaka-Wanderungen.

Angst haben sie selten, sind gut an Fahrradfahrer, E-Scooter, Fußgänger und sogar direkt vorbeirauschende Züge gewöhnt. „Eigentlich gehen wir meist in die Filzn, aber im Moment sind da zu viele Mücken“, sagt Hogger.

Alpaka statt Meditation?

Was so schön daran ist, die Tiere zu führen, ist schwer zu beschreiben. Von Entschleunigung ist im Internet oft die Rede, wenn Alpakaspaziergänge beworben werden. Da ist schon etwas dran. Zwar laufen wir nicht in Zen-Stimmung durch Bernau, aber die Tiere sind so zart, dass man sich extra Mühe gibt, wenn man neben ihnen herläuft.

Kasius hält an und schnüffelt erst mal mit den anderen, ob man der Fußgängerbrücke auch trauen kann. Wir stehen bei über 30 Grad in der prallen Sonne. Aber Kasius darf das. Ich spreche ihm gut zu und nachdem uns zahlreiche E-Biker bewundert haben („Guck mal, Lamas!“ – „Nein, das sind Alpakas“), setzt sich die Herde wieder in Bewegung.

Großer Spaß auch für Kinder

Ab zwölf Jahren dürfen auch Kinder selbstständig ein Alpaka führen. Jacqueline und Daniel Helm sind mit ihrer fünf-jährigen Tochter Mileen dabei. Mileen hat keine Scheu vor den Tieren, die bis zu 60 Kilogramm schwer werden können und darf auch mal selbst führen, wenn die Eltern das Ende des Führstricks sicherheitshalber noch halten.

Von Kasius muss ich mich am Ende der Wanderung trennen. Das fällt mir tatsächlich schwer, ihm eher weniger. Auch auf ein Selfie hat Kasius nur wenig Lust. Ihn interessiert das kleine Planschbecken und der Wasserstrahl, mit dem Sigrid Hogger die Tiere nach unserer Tour belohnt. Wie kleine Kinder springen auch die Alpakas vor Freude in die Luft.

Kleine Kamele aus den Anden

Alpakas gehören zur Familie der Kamele und wurden speziell für die Wolle in den Anden gezüchtet. Die Tiere sind deutlich leichter als Lamas, die vorwiegend als Lastentiere genutzt werden. Alpakas spucken auch nicht, außer sie werden extrem gereizt. Was die Fütterung angeht, sind Alpakas sehr genügsam: Sie fressen Heu und Gras. Auf andere Nahrung reagieren die Tiere sehr empfindlich und sterben im schlimmsten Fall daran. Die Wolle enthält kein Lanolin und ist dadurch sehr angenehm zu tragen. Alpakawolle soll außerdem fünfmal besser wärmen als Schafwolle. Bei der Fortpflanzung unterscheiden sich Alpakas von vielen anderen Tieren: Die Stuten können das ganze Jahr über trächtig zu werden. Nach 340 bis 345 Tagen kommt in der Regel am Vormittag das Jungtier auf die Welt, meist bei sonnigem Wetter. Das Jungtier muss in dieser Zeit unbedingt trocken werden von der Geburt, da es sonst nicht überlebensfähig ist. Alpakas werden in der Regel 15 bis 20 Jahre alt.

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