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Nicht Leben mehr Tage, sondern Tagen mehr Leben geben“

Grabenstätt. – „Jeder muss sich irgendwann mit dem Thema beschäftigen“, betonte Dr. Robert Kühnbach zu Beginn seines Vortrages „Palliativversorgung – die Versorgung Schwerstkranker und Sterbender“, den er auf Einladung des Freundes- und Fördervereins Kreisaltenheim Grabenstätt in der Schlossökonomie hielt.

Kühnbach verglich die Palliativmedizin mit einem Mantel (lateinisch pallium), „der schützt, wärmt und Schaden abhält“. Sie kümmere sich um schwerstkranke Menschen, die nicht nur körperliche Schmerzen ertragen müssten, sondern häufig auch an der seelischen Belastung zu leiden hätten.

Mit Verweis auf das „Bild“ des Mantels betonte er, dass die Haus- und Fachärzte in der Palliativmedizin als „Rumpf“ mit ihren „vielfältigen Kenntnissen, Erfahrungen und teilweise auch Zusatzausbildungen“ eine ganz wichtige Rolle einnehmen würden. „Die Ärmel sind die knapp 30 Pflegeheime und 15 Pflegedienste im Landkreis Traunstein, teilweise mit dem Zusatzangebot ,Palliative Care’“, so Kühnbach.

Krankenhäuser sind der „Kragen“

Die heimischen Krankenhäuser sehe er als „Kragen“. Eine „Manteltasche“ werde vom Ambulanten Hospizdienst der Caritas gebildet, in dem gut ausgebildete, ehrenamt liche Hospizbegleiter Schwerstkranke und Sterbende begleiten. Die Betreuungsstelle im Landratsamt Traunstein stelle die „andere Tasche“ dar.

Schon öfters sei er mit Fällen konfrontiert worden, bei denen eine Patientenverfügung hilfreich gewesen wäre, aber fehlte, merkte Kühnbach an. Auch jüngere Menschen sollten sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen.

Der Verein „Netzwerk Hospiz – Verein für Hospizarbeit und Palliativbetreuung Südostbayern“ bilde „die vielen Knöpfe des Mantels“. Der Verein sei vor zehn Jahren auf persönliche Initiative von Alois Glück und Stefan Nowack, dem früheren Chef der Kreiskliniken, ins Leben gerufen worden, um die ambulante Palliativversorgung zu verbessern, die Lebensqualität schwersterkrankter Menschen zu erhalten und Patienten und deren Familien umfassend zu betreuen. Eine wichtige Rolle spiele hier die Ethikberatung, bei der man unter Einbindung aller Beteiligten Entscheidungshilfen gebe. Die Finanzierung laufe über Spenden, Zuschüsse und Mitgliedsbeiträge.

Seit Mai gibt es Kühnbach zufolge die „Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung (SAPV), die eine wichtige Etappe in der Entwicklung des „Netzwerks Hospiz“ darstelle. Es handle sich dabei um eine „rollende Palliativstation“ mit eigenen Medizinern und Schwestern. 180 Menschen, deren Erkrankungen nicht heilbar und bereits weit fortgeschritten seien, hätten deren Dienste bereits bei sich zu Hause in Anspruch genommen, betonte deren ärztlicher Leiter Kühnbach.

Auf die Frage eines Besuchers, wie sich Palliativstationen von Hospizen unterscheiden würden, betonte Kühnbach, dass eine Palliativstation wie jene im Klinikum Traunstein „nicht der Ort ist, wo es nur ums Sterben geht“. Es handle sich zwar um einen Teil des Krankenhauses, doch schon rein optisch erinnere nur wenig daran. Vielmehr gebe es verschiedene Angebote von Sozialberatern, Physiotherapeuten, Masseuren, Seelsorgern sowie viele Therapien und Beschäftigungen für die Patienten. „50 Prozent von ihnen werden auch wieder entlassen“, so Kühnbach.

Ein Hospiz – das nächstgelegene befinde sich in Salzburg – sei hingegen ein „spezialisiertes Pflegeheim für sterbende Menschen“.

Die Palliativmedizin bezeichnete er als eine recht junge medizinische Disziplin, die die englische Sozialarbeiterin, Krankenschwester und Ärztin Cicely Saunders in den 1960er-Jahren gegründet hat. Sie selbst starb 2005 87-jährig in dem von ihr eröffneten Hospiz. Ihrem Leitspruch „Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben“, fühle man sich im Netzwerk Hospiz und auch bei der täglichen Arbeit im SAPV sehr verbunden, betonte Kühnbach. mmü

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