Bürgermeister: "Ich hab‘ einfach Bammel vor leerstehendem Saal"

Nicht auf der Agenda

Unterwössen - Einen Veranstaltungssaal für Oberwössen hält der Vermieter Herbert Irlinger nach wie vor für dringend erforderlich. Was Bürgermeister Ludwig Entfellner ihm darauf in der Jahreshauptversammlung des Verkehrsvereins Oberwössen im Hotel Sonnenbichl entgegnete, macht deutlich, dass ein solches Vorhaben nicht mehr auf der Agenda der Gemeinde steht.

Irlinger nahm Bezug auf unseren Bericht in der Pfingstausgabe der Chiemgau-Zeitung vom Tag der offenen Tür im alten Schulhaus in Oberwössen. Demnach arbeitet Architekt Anton Entfellner an einer Vorplanung, das gesamte Erdgeschoss des Gebäudes in einen öffentlichen Gemeinschaftsraum mit großzügigem Foyer umzubauen. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte der Planer, ein solcher Raum für - je nach Bestuhlung - 80 und 100 Personen decke 80 Prozent aller Innenveranstaltungen im Dorf ab.

Irlinger vertrat die Meinung, das reiche nicht. Jetzt und in Zukunft müsse der Ort einen Saal haben, um großen Veranstaltungen Raum bieten zu können. Er will Raum für gemeinsame Feste von Vereinen wie das Achentalpreisplatteln oder Veranstaltungen mit mehreren Musikgruppen und vielen Zuschauern. Der Bedarf sei da.

"Ausbau der alten Schule reicht nicht"

"Lass uns das offene Wort pflegen", antwortet ihm Bürgermeister Ludwig Entfellner. Als 2013 der Saal im Gasthof "Zur Post" noch zur Verfügung stand, habe es darin übers Jahr 14 Veranstaltungen gegeben. Nur zwei bis drei hätten solchen Andrang gebracht, dass der Wirt das Salettl geöffnet habe. Deshalb bezweifelte Entfellner, "ob wir uns etwas Gutes tun", wenn wir einen Saal bauen. "Ist das zukunftsfähig? Kriegen wir das hin, den Saal zu nutzen, dass er über das Jahr rentabel bleibt?" Er habe das Gefühl, so der Bürgermeister, dass die drei Wirtschaften die Veranstaltungen in ihrem Haus mehr unterstützen. "Die Wirte kommen Veranstaltern und Gästen sehr entgegen. Sie helfen mit zum Erfolg. Und diese Wirtschaften wollen wir alle erhalten." Für das, was die Wirtschaften nicht leisten können, sähe er das Potenzial des alten Schulhauses. "Wir alle kommen genug herum. Einige Säle in der Region kommen auf dem Zahnfleisch daher", so der Bürgermeister.

Und weiter: "Auch ich meine, im Dorf soll sich etwas bewegen. Ich fürchte, dass die Bereitschaft, einen öffentlichen Saal gemeinsam zu unterhalten, in den Vereinen gering ist. Die Mitglieder wollen feiern und Musik spielen. Es ist nicht ihr Geschäft, einen Tag vorher einzukaufen, den Saal vorzubereiten und ihn danach wieder aufzuräumen."

Alle Vereine würden aber Raum benötigen, um ihre vielen Utensilien unterzubringen. Seine ganz persönliche Idee sei, ein Gebäude zu schaffen, das den Vereinen Einlagerung und Aufbewahrung ermögliche. In seltenen Fällen könnte das einer Feier den Rahmen geben.

Es gab keine

weitere Diskussion

"Unser öffentliches Leben ist von Variablen bestimmt, die sich oft ändern", so der Bürgermeister. Das gelte auch für den Bereich der ehrenamtlichen Tätigkeit. Niemand wisse, ob es eine ehrenamtlich geführte Gemeindebücherei in Oberwössen auch noch in acht Jahren geben werde. Entfellner: "Und ich habe einfach Bammel, mit einem leerstehenden Saal in die falsche Richtung zu gehen."

Die Stellungnahme blieb in der Versammlung so im Raum stehen. Aus dem Kreis der Oberwössner Vermieter und des Verkehrsvereins hob sich keine Stimme, es gab keine Diskussion. lfl

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