Neues Leben für den Bernauer Bahnhof

Geschlossener Schalter: Kunden steht zum Ticketkauf nur ein Fahrkartenautomat außerhalb des Bahnhofs zur Verfügung. Ältere Menschen kommen damit häufig nicht zurecht. Berger
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Geschlossener Schalter: Kunden steht zum Ticketkauf nur ein Fahrkartenautomat außerhalb des Bahnhofs zur Verfügung. Ältere Menschen kommen damit häufig nicht zurecht. Berger

Die Gemeinde Bernau sucht einen neuen Pächter für Fahrkartenschalter und Kiosk. Denn Tickets gibt es derzeit nur am Automaten. Ohne Fahrschein darf niemand in den Zug steigen. Doch vor allem ältere Kunden bevorzugen einen menschlichen Ansprechpartner

Von Martin Tofern

Bernau – Wer den Bernauer Bahnhof betritt, den empfängt eine große Leere. Es gibt derzeit weder einen Fahrkartenschalter noch einen Kiosk, an dem man eine Zeitung kaufen, geschweige denn eine Tasse Kaffee trinken könnte. Wer eine Fahrkarte erwerben möchte, der muss sich wohl oder übel mit dem Automaten auseinandersetzen, denn ohne Ticket darf niemand in den Zug Richtung München oder Salzburg einsteigen. Die Erklärung für den Missstand ist recht einfach: Zum 1. Januar dieses Jahres wurde der Agenturbetrieb im Bernauer Bahnhof eingestellt, der Pächter hatte seinen Vertrag mit der Gemeinde gekündigt, weil er mehr Zeit für die Familie haben wollte.

Hohe Anforderungen an den Betreiber

Die Gemeinde, der das Gelände und das Bahnhofsgebäude gehören, sucht nun dringend einen neuen Betreiber. Doch trotz intensiver Suche hat sich bislang kein neuer Pächter gefunden. Denn die Anforderungen sind hoch: Der Pächter muss dafür sorgen, „dass für die Bahnkunden der Fahrkartenkauf während der täglichen Hauptreisezeiten jederzeit gut möglich bleibt“, wie es in der Ausschreibung der Gemeinde heißt. Ein Agenturvertrag mit der Vertriebs GmbH der Deutschen Bahn könne übernommen werden.

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Der potenzielle Pächter muss keine Pacht zahlen, wenn er darüber hinaus den Warteraum und die Toiletten „zuverlässig und gründlich reinigt.“ Außerdem soll touristisches Informationsmaterial verteilt und Reisende in „eingeschränktem Umfang“ touristisch beraten werden. Die Gemeinde hat aber nicht nur hohe Anforderungen, sondern kämpft auch mit aktuellen Problemen. „Wir haben schon einige Interessenten, konnten bislang aber wegen Corona keine Besichtigungen durchführen“, erklärt Irmgard Daxlberger, Hauptamtsleiterin der Gemeinde Bernau. „Wir werden uns die Bewerbungen und die entsprechenden Konzepte anschauen und dann dem Gemeinderat zur Abstimmung vorlegen“, so Daxlberger.

Für Irene Biebl-Daiber (CSU), die neue Bürgermeisterin von Bernau, ist die Verpachtung der Bahnhofsagentur ein dringendes Anliegen: „Gerade die ältere Bevölkerung braucht einen Schalter und eine Person, mit der man reden kann, das ist wichtig.“ Ältere Menschen hätten nun mal Probleme mit dem Automaten, außerdem Leute, die selten Zug fahren. „Beim Nutzungskonzept sind wir für Vieles offen“, erklärt Biebl-Daiber. Ein Kiosk oder eine Buchhandlung seien möglich. „Aber wir wollen keine Bahnhofskneipe“, sagt die Rathauschefin. Und für eine richtige Touristinfo, wie in der Gemeinde öfter vorgeschlagen, seien die Räume einfach zu klein. Gäste müssten dann auch immer erst an den Bahnhof gelotst werden, wenn sie Informationen brauchen. Auf den früheren Pächter will die Bürgermeisterin übrigens nichts kommen lassen: „Er war immer da, von der Früh bis auf die Nacht und immer freundlich und hilfsbereit.“ Aber ihm sei der zeitliche Aufwand einfach zu groß gewesen, er wolle mehr Zeit für seine Familie haben.

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Die Eisenbahngesellschaft Meridian, die die Strecke München-Salzburg betreibt, würde eine neue Verpachtung der Bahnhofsagentur in Bernau begrüßen: „Wir finden es natürlich gut, wenn da Personal wäre“, sagt Christopher Raabe, Sprecher des Transportunternehmens. „Wir verstehen aber auch, dass jemand eine Kosten-Nutzen-Rechnung anstellt.“ Und zu dem Ergebnis kommt, dass sich die Pacht nicht rechnet, um den Satz fortzusetzen.

Telefonischer Kundenservice ist kein Ersatz

Raabe weist noch darauf hin, dass für die Kunden am Automaten ein telefonischer Kundenservice zur Verfügung stehe. Aber auch er könne verstehen, dass die Menschen einen geöffneten Fahrkartenschalter bevorzugen, mit einem freundlichen Menschen dahinter.

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